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das unerwartete Vorhandensein eines fremden Körpers. Tastend befühlt er, ohne etwas zu sagen, den mysteriösen Gegenstand. Es ist zweifellos ein Portemonnaie, das der frühere Besitzer darin zurückgelassen hat. Welch ein Fund! — Dabei ist der Trödler ahnungslos. Dieses Portemannai verbirgt vielleicht einen Schatz, Geld wird unter allen Umständen darin enthalten sein. Die Entdeckung ist zu verlockend; der Käufer beeilt sich dies Kleidungsstück zu kaufen, ohne sich mit Handeln aufzu- halte», und entfernt sich damit auf das schleunigste, während der Trödler sich vergnügt in den Bart lacht. Ein offenstehendes Haus bietet dem Käufer Gelegenheit, auf dem Hansflur desselben seinen Fund zu betrachten, der sich leider aber nur als ein abscheulich schlechtes Portemonnaie herausstellt, das durchaus swerthlos ,und unbrauchbar und am allerwenigstens geträumte Schätze enthält.
— (Witzige Antwort.) Ein vornehmer Herr, der eben in die Residenz gekommen war, besah eines Morgens die ausgehängten Kunstgegenstände vor dem Laden des Händlers. Plötzlich füllte er eine Bewegung in seiner Oberrocktasche und beim schnellen Umwen- den erblickte er einen Knaben, der eben seine Hand herausgezogen hatte. „Noch so jung," rief er ihm zu, „und schon ein Dieb? Du gehst den Weg zum Galgen, Schäme dich." — „Sie," war die Antwort, müssen sich schämen: kommen nach der Hauptstadt und haben nichts in der Tasche."
— Ein Ortsbürger von Rockenberg, welcher aufs Feld ging um seine zur Lieferung nöthigen Mäuse zu fangen fand auch bei diesem Geschäfte öfters in den Mänselöchern reichliche Lager von Früchten. Nun machte er sich zum Hauptgeschäft Frucht zu suchen und fand in 14 Tagen auf diese Weise 26 Mesten Walzen, 19 Mst. Korn, 16 Mst. Gerste und 6 Mst. Erbse». Das Aufsuchen der Frucht fand bei vielen Bewohnern des Orts Nachahmung und zwar mit lohnendem Erfolg.
— Der Bekannte eines Schauspielers sagte diesem, er wisse jJemand, der sicher dreihundert Thaler gebe, wenn er ihn in der Rolle des Marquis Posa sehen könne. Bei Gott, ich will dafür sorgen, daß Ton Carlos gegeben wird, rief der Schauspieler; aber wer ist der Mann, der mir 300 Thlr. geben will? — Es ist ein Blinder, erwiederte der Gefragte.
— Dieser Tage haben ein junger Mann und ein junges Mädchen im Züricher See den Tod gesucht. Beide liebten sich leidenschaftlich; ihre Liebe ward jedoch von den Eltern nicht gebilligt. Auch der Liebesmord scheint epidemisch. — Vor Kurzem erschoß zu Baltensweil ein junger Mann zuerst seine Geliebte und dann sich selbst; ferner kam vor drei Wochen in Hottmgen ein Mord aus Eifersucht vor und endlich erschoß sich vor etwa vierzehn Tagen auf dem Zürichberg ein Bäckergeselle, weil ihn sein Bruder verhinderte, seine Geliebte zu beirathen. Alles dies ereignete sich in dem Kanton Zürich.
— Auf der, unter britischem Scepter stehenden Insel Ceylon herrscht, nach Scherzers Bericht, noch immer die Polyandrie oder Vielmännerei, indem dort viel mehr Männer, als Weiber existiren. Jede Singalesin hat drei bis sieben Männer, und die Söhne einer Familie pflegen, um der Zerstückelung des Gutes vorzubeugen, aus ökonomischen Rücksichten häufig zusammen nur eine Frau zu nehmen.
Mein lieber Engel, sagte ein Ehemann zu seiner Gattin im Reisewagen, sitzest Du auch gut in Deiner Ecke? — Ganz gut. — Fühlst Du auch keine Kälte? — Nicht die geringste. — Und die Thür schließt gut? — Ganz gut, lieber Mann. — Nun denn, bester Engel so sei so gut und wechsele den Platz mit mir.
— Ein Bettler rühmte sich, um Die Theilnahme stärker zu erregen, daß er in der Schlacht eine fünf Zoll lange Wunde erhalten habe; aufgefordert, die Narbe zu zeigen, sprach er: Die ist auf meines Bruders Arme, weil dieser damals gerade neben mir stand.
WmEchs GeMtMSWKchUAgKtr.
LarrdrathsKmt Hersfeld
Verloren: auf dem Wege von hier nach Sieglos eine Ohrglocke mit feuerrothen Steinen. — Der Finder wird aufgefordert, solche anher abzuliefern.
Hersfeld, am 9. September 1861.
Kurfürstliches Landrathsamt. Mufsavth
Gefunden: ein Taschenmesser, welches der Eigenthümer dahier in Empfang nehmen kann.
Hersfeld, am 9. September 1861.
Kurfürstl. Landrathsamt. Alu^aeth
Am 10. d. Mrs. ist auf dem Wege von hier nach Obergeis ein Kästchen von weißem Holz mit folgenden Inhalte verloren worden: einem grau wollenen Kleide, einem schwarzen Atlashnte, einem Strohhnte mit dunkelbraunem Bande, einer weißen Morgenhaube mit gelbem Bande, blau seidenen und weißen Handmannchetten, zwei Paar weißer und einem Paar schwarzer Aermel, einiger Chemisetten und einzelnen Kragen, und einem braunen Kopfputze mit schwarzer Spitze, einem Papier- umschlage mit der Adresse: Frau Canzlist Schmitz in Darmstadt, mit einigen Briefbogen, mehreren Couverten, von denen eins an den K. K. Oesterreichischen Lieutenant Schmitz gerichtet ist, zwei Briefen, datirt von Venedig und von Darmstadt, adressirt an Frau Canzlist Schmitz Witlwe, mehreren Paar Glacehandschuhen u. dergl.
Der Finder bczwse. dermalige Besitzer wird zur alsbaldigen Ablieferung anher aufgefordert.
Hersfeld, am 11. September 1861.
Kurfürst!. Landrathsamt. Mufsorth