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Hersfelder Anzeiger.

Hersfeld, den 1L September. 1801*

Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. ÖS7) pro Quartal 7| Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postauf­schlag hinzu. Anzeigen aller Art werden anfgenninmen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wie­derholungen mit 6 Heller berechnet.

Zwei Pfingsten.

(Schluß.)

Bruno und Clotilde gingen in den Garten zu den Andern und so waren jetzt dort drei glückliche Paare zusammen. Die Eltern, die den todtbeweinten Sohn plötzlich wieder hatten, Bruno und Clotilde, die in ei­ner Stunde den Geliebten lebend wiedergefunden, dann sich verloren geglaubt und endlich zum zweitenmale wie­dergefunden hatte, und Esperance und der Lieutenant v. Tannstädt, die auch nach einer Trennung von drei Vierteljahren sich endlich wieder sahen, um sich bald ganz zu vereinigen.

Wie nun Alles sich entwickelte, aufklärte durch Fragen, Antworten, Erzählen!

Im Grunde war Alles sehr einfach und nur an ganz kleinen, zufällig scheinenden Fädchen hatte das Ge­schick all dieser guten Menschen gehangen, und nur ganz kleine Knötchen in dem Gewebe ihres Schicksals harten und hätten bald noch mehr die heilloseste Verwirrung angerichtet, wenn ihre Lösung nicht noch früh genug ge­kommen wäre.

Der ganze Hergang, der noch zu ergänzen übrig ist, war in der Kürze folgender.

Der Lieutenant v. Tannstädt, der Neffe des Ma­jors gleichen Namens, war mit in Paris gewesen und hatte dort Esperance kennen und lieben gelernt. Er hätte sie gern gleich mit nach Deutschland genommen, als er mit seinem Siegiment zurückkehrte, allein die Ver­hältnisse gestatteten das nicht. Das Paar verlobte sich und sie versprach ihm, in einigen Monaten zu folgen, sobald sich eine passende Begleitung für sie finden würde. Tannstädt nun war es, der ihr den schwer an seinen Wunden darnieder liegenden, zurückbleibenden Bruno als seinen besten Freund empfahl, dafern er noch unter den Lebenden sei. Hieran knüpft sich nun Bruno's Er­zählung soweit er sie vorhm den Seinen selbst zu hö­ren gab. Als er so weit genesen war, um sich wieder auf Alles zu besinnen, schrieb er an die Seinen und auch Esperance legte einen Brief an Tannstädt bei. Diese Briefe, in Ein Couvert gesiegelt gingen verloren, was damals oft genug vorkam. Bruno, noch zu schwach

zum Reisen, wartete lange vergeblich auf Antwort; end­lich erfuhr er durch einen andern, wie er, verwundet in Paris zurückgebliebenen Kameraden, der Briefe aus der Heimath erhalten hatte, daß die Seinen ohne Nachricht von ihm geblieben waren und ihn als todt beweinten. Sogleich schrieb er an den Lieutenant von Tannstädt den oben mitgetheilten Brief, dem er einen ausführliche­ren an Clotilde beilegte. Der Lieutenant hatte den obi­gen Brief, den er bei seinem Onkel, dem Major, em­pfangen, in der ersten Hast freudiger Ueberraschung dort verloren und der Major ihn gelesen- Der Lieutenant wußte nicht, wo er ihn verloren hatte, und als der Major ihn fragte, wer Esperance sei, antwortete er: Bruno's Braut! denn er merkte, daß der Onkel den Brief gelesen und dieser durfte noch nicht wissen, daß er sich selbst in Frankreich verlobt, weil er die Einwil­ligung seines Vaters noch nicht hatte und er dann vol­lends des Majors Einmischung fürchtete, der so gut wie sein Vater eine wahre Abneigung gegen alle französischen Frauen hatte; man bedenke die damalige Zeit! Der Oheim leugnete nun, Bruno's Brief gefunden zu ha­ben und behauptete, er habe nur da, als ihn der Neffe gelesen, dabei über die Achsel gesehen und da zufällig von einerEsperance" gelesen. So behielt der Major den Brief und wir haben gesehen, wie er ihn benützte. Er liebte Clotilden wirklich; es war nicht allein Ego­ismus, der ihn zu dem Schritte trieb, den er that, er wollte ihr wirklich eine Täuschung, eine Beschämung er­sparen und so schrieb er ihr. Bald darauf reiste der junge Tannstädt ab und jetzt kam er mit Bruno's Brief voll heißer Liebesversicherungen an Clotilden ge­rade an, als diese verzweifelnd in Ohnmacht sank, weil Esperance dem geliebten Ankommenden jubelnd entge- genrief:Mein Bräutigam!"

Da Bruno, dem plötzlich die Sehnsucht keine Ruhe mehr ließ, bald nachdem er geschrieben, seine Reise mit Esperance antrat und so schnell als möglich fortsetzte, hatte er den mit Post auf einem Umweg gehenden Brief bald eingeholt, und so geschah es, daß Alle und Alles ziemlich zu gleicher Zeit ankam.

Und so saßen heute wie vor drei Jahren die vier glücklichen Menschen noch glücklicher als damals bis in den späten Abend im Garten beisammen. Damals stand