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HcrsfelScr Anzeiger.

Ne. 70. Hersfeld, den 4. September. 188L^^^^^

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DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben ,. bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr. bei den Postanstalten konimt der übliche Postauf- schlaz hinzu. Anwigen aller Art werden aufgenummen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wie­derholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

dem Oberst dicker, Commandeur des tsten (Leib-) Husaren - Regiments, das Ritterkreuz des Kurfürstlichen Wilhelmsordens zu verleihen;

den Justizbeamten Emil Cöster zu Neukirchen in den Ruhestand zu versetzen;

die erledigte Pfarrei Kilianstädten, in der Klasse Windecken, dem Pfarrer Heinrich Gebig zu Nie- derrodenbach, und

die erledigte Rectorstelle an der Stadtschule zu Oldendorf dem RektorHeinr. Christ. Diedelmeier zu Rodenberg zu übertragen;

den Hülfs-Revisor Georg Schüler zu Cassel zum Assistenten bei dem vereinsländischen Hanptzoll- amte zu Bremen, und

den Steuer-Revisorats-Gehilfen Conrad Lomb zum Steuer-Revisor bei dem Ober-Steuer-Collegium, provisorisch zu ernennen auch

den Forstinspector Jacob Wilhelm Baustädt zu Ziegenhuin auf sein allernnterthänigstcs Nachsuchen in den Ruhestand zu versetzen;

den bisherigen Ceremonienmeister, Kammerherrn Freiherrn Moritz von Dörnberg, nunmehr zum Schloßhauptmann zu ernennen, sowie

dem Major in der Garde du Corps v. Eschwege die nachgesuchte Erlaubniß zur Annahme nnd zum Tragen des von Seiner Hoheit dem Herzoge von Nassau demselben verliehenen Ritterkreuzes des Mi­litär- und Civil-Verdienstordens Adolphs von Nassau zu ertheilen,

den Quartiermeister und Brigadeschreiber im 1. (Leib-) Husaren-Regiment, Christ.Otto Rothhaws zum Assistenten bei dem Haupt-Steueramte zu Cassel provisorisch zu ernennen.

Zwei Pfingsten.

(Fortsetzung.)

Mechanisch las die Pfarrerin nun auch den andern Brief. Er war von dem Major von Tannstätt an

Clotilde und lautete:Unverändert Geliebte! Es sind heute drei Jahre, daß ich um Ihre Hand warb die Sie ausschlugen weil Sie ich wußte es auch, wenn Sie es nicht gestanden einen Andern liebten, einen jünge­ren, schöneren, feurigeren Mann als ich, der Ihrer Wahl würdiger zu sein schien. Ich mußte vor ihm zurücktre­ten nun traf auch ich eine andere Wahl, die mich nicht glücklich machte, wie ich wohl hätte ahnen können, da ich in Ihnen das Ideal der Weiblichkeit verehrte und immer vor mir schweben sah. Meine Frau ist seit bald einem Jahre zu den Verklärten gegangen Friede über ihrem Grabe! Auch Sie haben im Geiste an dem Grabe Ihres Erwählten gestanden, aber . . . . . Wie soll ich Ihnen das Unerwartete verkünden, damit Sie nicht erschrecken? Sie werden es doch erfahren, wenn ich auch noch so viel Worte mache, darum lege ich, um sogleich Alles mit Einem Schlage zu beweisen, einige Zeilen bei, welche in diesen Tagen der Todtge­glaubte an meinen Neffen sandte besser, eh' er selbst nnerwartet vor Ihnen steht, erfahren Sie Alles durch mich! Wie Sie selbst lesen und Ihnen mein Neffe, wenn er zu Ihnen kommt, im Voraus bestätigen wird, kehrt Bruno mit seiner französischen Braut Esperance zu seinen Eltern zurück. Sie haben den edlen Todten beweint den so Lebenden werden Sie nur mit kaltem Stolz empfangen können. Ja, vielleicht geht Ihre Herzensgröße so weit, ihm zu vergeben und ihn glück­lich zu wünschen, und so werden Sie, denn ich kenne Ihren unbegrenzten Edelmuth, ihm nur als Schwester entgegentreten, aber es wird Ihnen doch unmöglich seyn, mit ihm unter Einem Dache zu leben. Ach, theures Mädchen, darf ich nun noch einmal meine Bitte wie­derholen? Kommen Sie in mein Haus, als meine Ge­mahlin, ich fordere keine Liebe, nur ruhige Freundschaft, und in diesem stillen, friedlichen Beisammenleben will ich niemals die Wunde unsanft berühren, von der jetzt ihr treues Herz bluten muß; ich will nicht versuchen, sie hastig vernarben zu lassen, ich will dieß Ihnen selbst und der allmächtigen Zeit überlassen.

Ihr Getreuer v. Tannstätt."

Während die Pfarrerin tief erschüttert, von tausend stürmischen Gefühlen bewegt, diese Briefe las, dann athemlos hinaus in die Studierstube ihres Mannes