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Nr. «8. Hersfeld, den 28. August. 1861.

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postauf- schlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenummen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wie­derholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

dem vortragenden Rathe im Kurfürstlichen Gehei­men Sabines, A^MÜgozrath Koch, den Kurfürst­lichen Wilhelmsorben vierter Klasse zu verleihen, dem Ober-Hofmarschall Josias von Heeringen das Präsidium des Oberhofmarschallamts -zu über­tragen.! *

Zwei Wft'ngsten.

Novelle von Louise Otto.

(Fortsetzung.)

Die Pfarrerin umarmte Clotilden inniger und sagte mit thränenden Augen:Nun begreife ich es erst ganz, wie mein Bruno Dich lieben muß." Sie konnte vor Rührung weiter Nichts sprechen aber wie glück­lich ward Clotilde durch diese wenigen Wortei Sie bestätigten ihr ja, daß sie Bruno's Liebe werth sey und dieß Bewußtseyn und der Wunsch, es immer zu bleiben, war es, was ihr plötzlich all' die innere Stärke wiedergab, die sie vorhin hatte entweichen fühlen. Es bedurfte keines Wortes, keines Blickes des Geliebten, um sie wieder zu kräftigen, zu erheben der Gedanke ihrer Liebe selbst war es, der ihrem sinkenden Muth aufhalf. So sagte sie jetzt mit bekümmertem Blick, aber ruhig und sicher:Wohl thut es mir weh, dem Vater seine Freude rauben und den guten Tannstätt betrüben zu müssen aber morgen will ich Beiden schreiben; wenn ich dem Vater sage, daß ich nichts voraus haben wolle vor all' Denen, die im Vaterland einer unsichern Zukunft entgegen gehen, so wird er mich gewähren las­sen und nicht um mich besorgt seyn wie um ein hüls- loses Kind das man nicht allein lassen kann."

Geb' es Gottl" sagte die Pfarrerin,und nun komm' wieder mit zu Bruno, der drunten lange schon ungeduldig unserer harret.«

Als sie herunter kamen, stand Bruno im Garten vor einer früherblühten weißen Lilie und schaute tief in ihren weiten, leuchtenden Kelch hinein, als säh' er drin­

nen irgend ein geheimes Wunder, das er jetzt erstaune. Clotilde stand neben ihm, eh' er sie bemerkte.

Lache den Knaben aus," sagte er, da er sie sah und von der Blume sich aufrichtete,ich ward böse, daß Du .so lange nicht kamst, Da sucht' ich im Garten nach Etwas, das Dir gliche, und steh l da blieb ich bei der Lilie stehen, und nun sah ich ihr tief in das goldene Strahlenauge, bts aus all' diesem funkelnden, sonnen- hasten Staub da drinnen Dein Bildniß sich wob, und . . . ." aber jetzt hielt er plötzlich inne und fuhr leise und rothwerdend zusammen; er hatte ja nicht gesehen, daß mit Clotilden die Mutter gekommen war, und er ließ sogar die Hand der Geliebten wieder los, die er gefaßt hatte. Aber die Mutter legte ihre Arme um die Schultern der Liebenden und vereinigte so das Paar an ihrem Herzen.

Kinder " sagte sie,ich will Euch nicht erst mah­nen und erinnern Ihr seid die jungen Kinder dieser jungen Zeit und habt sie besser verstanden, als viele von uns Alten. Darum wißt Ihr, was sie fordert in harter, eiserner Nothwendigkeit und werdet ihr gehorchen in kräftiger That nud in stillem Ergeben. Haben Eure Herzen einmal gesprochen, so braucht Ihr sie nicht zum Verstummen zu zwingen, aber die anderen Stimmen, die draußen rufen und werben, die dürft Ihr nicht da­rüber verhören."

Mutter," rief er begeistert,draußen, wenn es denn sein muß, daß der Tod blutige Ernte hält auf dem großen Kriegsschauplatz, da werd' ich nicht versäu­men, der Erste zu seyn, der rothe Blumen pflückt zum Erntekranz des Sieges, weiß ich doch, wer mir daheim den Lorbeer windet!"

Und der Mond schien mild herab auf die drei gro­ßen liebenden Menschen deren Herzen, von Einem schö­nen Gedanken erhoben, freudevoll zusammen schlugen. Und ein leises Wehen zog über die Erde, über den gan­zen Garten daß die Aeolsharfe, die an der Birke be­festigt, leise zu klingen begann und immer voller und feierlicher ihre Töne anschwellen ließ, wie wenn Orgel- flöten und Glockengeläute harmonisch in einander Hallen.

Jetzt kam auch der Pfarrer noch einmal herab, von seinen Lieben gute Nacht zu nehmen. Er sah es wohl, wie Alle feierlich bewegt waren, und leicht konnte er