Hersfel-er Anzclgcr.
Nr. 63* Hersfeld, den 10. August. 1861*
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr. bei den Postanstalteu kommt der übliche Postauf- schlag hinzu. — Ameigen aller Art werden aufzeuummen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den Justizbeamten Georg August Werner zu Naumburg in den'Ruhestand zu versetzen,
den Steuer-Revisor Carl Hesse bei dem Ober- Steuer Kollegium, zum Steuer Juspector zu Witzen- hausen,
den Erheber bei dem Nebensteueramte zu Geln- hausen, Johann Heinrich Wilhelm Kramer, zum Controleur bei dem Provinzial-Steueramte zu Hanau, den Assistenten bei dem zollvereinsländischen Haupt- , zollamte zu Bremen, Eduard Gerhardt daselbst, provisorisch zum Revisor bei der Ober-Zoll-Direc- tion, und
den Hülfsexpedienten August Jacob Barth zu Cassel. provisorisch zum Kanzlisten bei der Direction der Haupt Staatskasse zu ernennen,
den Revierförster Georg Schmalhaus zu Wam. beck, in gleicher Eigenschaft zum Forstreviere Bisch- hausen zu versetzen, sowie
den Forstinspections-Accessisten Heinrich Grosch zu Frankenberg, zum Revierförster des Forstreviers Heisebeck,
den Forstinspections-Accessisteu Carl Theod. Israel zu Veckerhagen, zum Revierförster des Forstreviers Hombressen, und
den Forstinspections-Accessisten Christau Wilhelm Carl Faber zu Ziegenhain, zum Revierförster des Forstreviers Melgershausen, provisorisch zu ernennen, den Professor des Staatsrechts und der Politik Dr. Carl Vollgraff zu Marburg zum ordentlichen Mitglied des staatswirthschastlicheu Instituts daselbst zu bestellen,
dem außerordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät Dr. Wilhelm Schell zu Marburg die allerunterthänigst nachgesuchte Entlassung aus dem Staatsdienste mit dem 1. October d. J. zu ertheilen, und
die erledigte Rectorstelle an der Stadtsckule zu Borken dem Candidaten der Theologie Adam Heinrich Sippe! aus Oberaula zu übertragen,
Zu der nachgesuchten und von dem Erblandpost- meister, dem Herrn Fürsten von Thurn und Taxis,
beabsichtigten P.'nsiouirung des Postverwalters Heinrich Credo zu Friedewald die allerhöchstlandesherrliche Genehmigung zu ertheilen.
Zwei Pfingsten.
Novelle von Louise Otto.
I.
Es ist Wonnemonat und Pfingstfest zugleich. DurL die gauze Natur zieht ein belebendes, herrliches Frühlingsfeiern. Am Schönsten aber zeigt sich ein wunderbares Regen im Geheimniß des Waldes, darum sehnte sich ClotUde auch da hinein. Von dem Fenster ihres Zimmers aus hatte sie schon lange, Tage lang hinüber geschaut zu dem steilen Berge, um dessen breite Felsenstirn sich ein dunkler Wald als schmückendes Diadem zog. Sie hatte ihn noch nie betreten, denn erst wenige Tage weilte sie in der Stadt, in deren Nähe der Wald lag, nach dem sie blickte, und in den es sie mit magischem Zauber zog, wie zu einem stillen, seligen Geheimniß. Clotildens Vater war Hauptmann und hatte jetzt wieder mit in das Feld ziehen müssen, da der Befreiungskampf der Deutschen gegen ihren damaligen Erzfeind, Frankreich, oder besser Napoleon, begonnen hatte. Und so sandte er sein einziges mutterloses Kind in die kleine, vom Kriegsschauplatz fern gelegene Gebirgsstadt, in der sein Bruder Pfarrer war. Dort, wo, weil der Ort in milder, rauher Gegend und weit ab von den gewöhnlichen Verbindungsstraßen lag, es nicht zu erwarten stand, daß ein feindlicher Haufe ihm nahen oder Einquartierung die Stille der Stadt unterbrechen werde, hatte er die einsame Tochter in Sicherheit zu bringen gesucht in dieser schlimmen Zeit, in der ihr Wohnort gerade mehr als jeder andere wegen keiner Lage den Feind zu fürchten hatte. Clotilde hatte gehorcht, obwohl sie mit Widerstreben in ihres Vaters Anordnung gewilligt hatte, denn lieber wäre sie mitten in der Gefahr gewesen, die zu ihrem angstbeladenen Herzen paßte, als in der friedlichen Ruhe jenes stillen Asyls, in das sie sich zurückziehen mußte. Mit rührender Herzlichkeit hatten der ehrwürdige Pfarrer und seine gemüthvolle