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Np. «S. Hersfeld, den 7. August. 1881.
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postauf- schlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden aufgennmnien und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
dem Generalmajor und Brigade - Commandeur von Loßberg die nachgesuchte Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des von Sr. Majestät dem Könige von Preußen demselben verliehenen rothen Adlerordens zweiter Classe, sowie
dem Premierlieutenant im Leibgarde-Regiment von Loßberg die nachgesuchte Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des von Sr. Majestät dem Könige von Preußen demselben verliehenen rothen Adlerordens vierter Classe zu ertheilen;
den Kaufmann H. Giermann zu tot. Petersburg zum Kurfürstlichen Consul daselbst zu ernennen, sowie
den Hofküchschreiber Friedrich Junghenn in den Ruhestand zu versetzen.
Schlaues Entwischen nur Erwischen.
Am Sonntage vor acht Tagen entkamen zwei verzweifelte Sträflinge, Meggs und Carly, von denen der Erste zu 15 und der Zweite zu 10 Jahren Transportation verurtheilt waren, aus der Strafanstalt zu Mill- bank Penitentiary. Die curiose Geschichte ihres Ent- schlüpfens und Erwischens innerhalb dreier Stunden liefert einen so schlagenden Beweis von der Thätigkeit und Wachsamkeit der engl. Pblizei, baß sie wohl nacherzählt zu werden verdient. Der Plan wurde von drei Sträflingen entworfen, und zwei rissen aus. Nach der Art, wie derselbe ausgeführt wurde, muß viele Wochen daran gearbeitet worden sein. Die drei Leute waren in einer der der Souterrain-Zellen eingesperrt, von welcher ein eiserner Ventilator (Luftgang) in der Mauer mit einem Keller in Verbindung stand. Um L auf 9 werden die Hängematten in den Zellen Herabgelaffen gegen 9 sind alle Sträflinge zu Bett, und ein offenes ' äst er in jeher Zellthür gestattet der Wache zu sehen ab jeder liegt, während die Zellen selbst nächtlich ein- ois zweimal untersucht werden. Die erste Sorge der drei Kerle bestand darin, eine Figur (dummy) zu ver
fertigen, dieselbe mit einer Nachtmütze zu versehen und in die Hängematte desjenigen zu legen, welcher sich bei der Arbeit befand. Dann handelte es sich darum die Ziegeln um den Ventilator zu entfernen, was eine sehr mübselige Operation gewesen sein muß, da das Werkzeug schlecht und die Mauer dick und dazu noch weiß angestricken war um die Entdeckung aller Versuche solcher Art zu erleichtern. Die Sträflinge wußten sich jedoch Rath Sie ahmteu den Anstrich "nach, indem sie aus dem weißen Stoffe, welchen sie zur Reinigung ihrer Zinngefäße erhielten, eine Komposition Versteiften, welche dem weißen Kalk glich, und mit welcher sie Alles überstrichen, wenn sie am Morgen die herausgenommenen Ziegel der innern Mauer wieder an ihre Stelle gebracht hatten. Dies wurde mit solcher Ge- schicklichkeit und Genauigkeit ausgeführt, daß man selbst, nachdem die Leute fort waren, und jedermann sich wunderte, wie das Entwischen möglich gewesen wäre, die Oeffnung nicht entdeckte. Sobald man den Keller erreicht hatte, arbeitete man blos von)—4 Uhr Morgens.
In diesem Keller befand sich ebenfalls ein Ventilator, welcher nach den Gefängnißplätzen hinausführte. Dem Sträflinge, welcher an der Entfernung der Ziegeln um diesen Ventilator arbeitete, wurde eine Schnur an seine Taille befestigt, deren anderes Ende die Kc- fährten in ber' Zelle hielten. Vernahmen sie etwas Ungewöhnliches oder glaubten sie, die Wache wolle die Zelle betreten, so zogen sie au der Schnur, und der Arbeiter kehrte sofort durch das enge Loch in die Zelle zurück, brächte Ventilator und Ziegeln in Ordnung und befand sich in einer Minut in seiner Hängematte.
Endlich war Alles fertig, und den drei Sträflingen, welche während des Tages Soldatenröcke machen mußten, war es gelungen, allmälig drei solche und eine große Quantität von Schnuren bei Seite zu bringen, aus denen sie eine Strickleiter verfertigten, die sie im Keller verbargen. Die erwählte Zeit zur Flucht war zwischen halb 9 und 9, wo die Leute nach ihren Zellen entlassen werden. Nach 9 Uhr befinden sich rings unt die Außenmauern Wachen; was also geschehen sollte, muffte vor dieser Stunde geschehen, oder gar nicht. Sie begaben sich demnach nach ihrer Zelle, ließen die Hänge- matten herab, und zwei legten ihre Puppen mit den