Nr. 61* Hersfeld, den 3. August. 1861*
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst ben allergnädigst geruhet:
deu außeretatsmäßigen Secondlieutenant P f i st er, aggregirt dem Artillerie-Regiment, nunmehr in den Etat des Regiments einrangiren zu lassen.
Frmrzosenherrfchaft.
Von Fr. Friedrich.
(Schluß.)
Mit freudiger Hoffnung kehrte Linden heim und schrieb seiner Frau sofort, daß er bald bei ihr zu sein hoffe. Er traf schon die.Porkehrungcn für eine längere Entfernung von Cassel.
Zwei Tage darauf kam ein Kammerherr des Königs und erkundigte sich in dessen Namen nach dem Wohlbefinden der Frau Näthin. »Es hat Seiner Majestät sehr leid gethan, daß Ihre Frau Gemahlin den Ball so zeitig verlassen hat!" fügte er hinzu.
„Der König ist sehr gnädig," erwiderte Linden, mit Mühe seine Erbitterung zurückhaltend. „Meine Frau ist noch nicht wieder hergestellt und auf das Land gegangen, um dort in Ruhe ihre Genesung abzuwarten."
„Auf das Land? In so später Jahreszeit?" fiel der Kanunerherr ein; „ich befürchte, daß ihr das nicht wohl bekommt!"
„Sie erlauben, daß ich hierin ganz dem Rathe meines Arztes folge —"
„Wird sie längere Zeit fortbleiben?"
„Vorläufig diesen Winter über, vielleicht auch nächsten Sommer, vielleicht noch länger."
„Und Sie haben sich so lange von ihrer Frau trennen können?" warf der Kammerherr ein. »Wo weilt sie denn?"
,«Sie ist auf meinem Gute, wenn es Sie so in- teresfirt,« entgegnete er. „Ich habe nicht geglaubt, daß weine Frau bei andern eine solche Theilnahme finden würde. Sie hat sich bis jetzt ganz auf unser häusliches Glück beschränkt und so wird sie es auch fernerhin halten.
Sie liebt es so und ich will es so!" Linden hatte diese letzten Worte scharf betont.
Der Kanunerherr entfernte sich.
Am folgenden Nachmittage erhielt Linden einen absä'lägigen Bescheid'des Ministers auf sein Gesuch um Urlaub. Es überraschte und verstimmte ihn, da er fest darauf gerechnet und sich im voraus auf das Wiederfe- Heu seiner Frau gefreut hatte. Er wollte ihr sofort schreiben, schob es indessen bis zum folgenden Morgen auf. Sie erfuhr diese unangenehme Nachricht ja immer noch zu früh.
Am,Abend desselben Tags hatie die Näthin, in der festen Hoffnung, daß ihr Mann au diesem Tage kommen werde, ihr vier Meilen von Kassel entferntes Gut verlassen und war ihm eine kurze Strecke auf dem nach Kassel führenden Wege entgegengegangen. Der Abend dämmerte bereits. In der Ferne erblickte sie einen Wagen, der ihr schnell entgegenrollte. Nur an ihren Mann denkend, ward es ihr zur Gewißheit, daß der Wagen ihn herbeiführe. Um ihn zu überraschen, eilte sie ihm schneller entgegen.
Der Wagen hielt neben ihr, er wurde geöffnet. Jubelnd wollte die schöne Frau ihrem Manne entgegen- springen, blieb aber erschreckt — bestürzt stehen — der König hüpft aus dem Wagen.
Sie war einer Ohnmacht nahe und drohte umzu^ sinken. Hieronymus sprang hinzu und hielt sie. Er sah ihre Angst und suchte sie mit Schmeichelworten zu beruhigen.
„Ihr Mann ist verhindert, zu ihnen zu kommen," sprach er; «er sehnt sich nach Ihnen, wünscht sie nach Kassel zurück und kaun Sie nicht selbst holen. Mir ist es eine Freude, es thun zu, können — Ihr Mann weiß barum — er ist damit einverstanden. Noch heute Abend wollte ich Sie in seine Arme führen — mein Kutscher hat mich in der Irre herumgesahren — ich bin um einige Stunden später augekommen — für heute ist es zur Rückkehr nach Kassel zu spät — ich bin er- müdet, Sie müssen dem Verirrten schon ein Nachlquar- tier in Ihrem Hause einräumen!"
Marie war noch nicht im Stande, zu antworten. Des Königs Absicht stand klar vor ihr! Ihr Mnn— Linden sollte damit einverstanden sein, daß erste abhole?