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^rf 60* Hersfeld, ben 3b Juli. 1861*

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr.bet den Postanstalten kommt der übliche Postauf- schlag hinzu. Anzeigen aller Art werden aufgennmmen Und die Zeile oder deren Raun: mit 8 Heller, bet Wie­derholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

dem Secondlieutenant von Bork vom Schützen- Bataillon den allerunterthänigst nachgesuebten Ab­schied zu bewilligen.

Franzofenherrfchaft.

Von Fr. Friedrich.

(Fortsetzung.)

Schnell schwand die Zeit bis zum Balle hin. Lin­den schien ruhig zu sein und selbst Marie hatte einen Theil ihrer Angst verloren. Eine Anzahl Damen und Herrn waren vom Könige auserlesen, eine Quadrille aufzuführen, an der er selbst Theil nehmen wollte. Die Toilette hatte er vorgeschrkeben und sie übertraf an Pracht alles bis dahin in Kassel Gesehene. Ueberhaupt fugten alle zu diesen Hofbällen Eingelgdenen sich ge-_ genseitig durch die Pracht.ihrer Anzüge zu übertreffen.' Die Herren starrten von Gold und Silber, die Frauen gingen in den schwersten Stoffen.

Um die Aufmerksamkeit nicht auf sich zu lenken, hatte sich Marie so einfach als möglich gekleidet. Aber ihre Berechnung hatte sie getäuscht, dieser einfache An­zug hob ihre reizende Gestalt und ihr bezauberndes Ant­litz doppelt angenehm hervor.

Sie ward dies gewahr, als sie zitternd an dem Arme ihres Mannes in den prachtvoll erleuchteten Saal eintrat. Aller Augen richteten sich auf sie. Auch der König bemerkte sie sofort, kam ihr entgegen und sprach die freundlichsten Worte gegen sie und ihren Mann.

, Mariens unbefangener Sinn ließ sie schon etwas rerer aufathmen, bis sie den ernsten, strengen, fast mstern Blick ihres Gatten bemerkte, der ihr zu sagen chien, daß er noch nicht alle Gefahr für überwunden halte.

Der König verließ sie, um die angeordnete Qua- dnlle mitzutanzen. Als dieselbe beendet war, trat er wieder zu ihr heran und forderte sie zu einem Walzer auf. Sie wollte danken, wollte eine Entschuldigung

sprechen, vermochte indessen kein Wort hervorzubringen. Ehe sie einige Fassung gewann, hatte der König sie be­reits in die Reihe der Tanzenden geführt.

1 Sie bemerkte nicht, wie aller Augen auf sie gerichtet waren, wie neidische Blicke sie verfolgten und sie in diesem Augenblick der Gegenstand des Gesprächs für die Meisten im Saale wurde. Der König zeichnete sie sichtbar aus und jeder kannte die ehrenvollen Folgen, welche sich au solche Auszeichnung knüpften! Sie würde erschreckt sein, hätte sie die Bemerkungen, welche über sie gemacht wurden, hören können.

Aber Einem entging dies alles nicht ihrem Manne. An eine Säule gelehnt, stand er ruhig, fast regungslos da. Die Rechte hatte er in den halb zuge­knöpften Rock gesteckt, als wollte er das unruhig und heftig pochende Herz zur Ruhe bringen. Sein Blick folgte seiner Frau; er war fast starr.

Der König tanzte länger, als er gewöhnlich zu tanzen pflegte. Sein Auge schien sich an der üppigen Schönheit seiner Tänzerin zu weiden. Er führte sie zu einem Polsterstuhl und setzte sich dicht neben sie. Von beiden Seiten verließ man die Plätze; so war es des Königs Befehl, damit er sich ungestört, ohne belauscht zu werden, unterhalten konnte. Hieronymus schien nichts von dem, was um ihn vorging, zu bemerken. Sein Auge ruhte auf Mariens Gesicht, mit ihr war er allein beschäftigt.

Ihnen gegenüber stand Linden, noch immer regungs­los an die Säule gelehnt. Sein strenger Blick war auf Marie und den König gerichtet. Er konnte keins der Worte, welche dieser an sein Weib richtete, verste­hen, aber er errieth sie aus Mariens wechselndem Er- röihen und Erbleichen. Er errieth sie aus des Königs verlangendem Blicke, aus der Dreistigkeit, mit der er mehrere male flüchtig ihre Hand streifte.

Linden sah, daß Mariens Lage die qualvollste war. Aber seine eigene war noch qualvoller, da sein Auge in die Zukunft schaute. Unwillkürlich zuckte er mehrere male zu zusammen und er mußte sich mit Gewalt be­herrschen, daß er nicht hintrat, sein Weib an der Hand faßte und sie von der Seite des Wüstlings fortriß.

Einige Günstlinge des Königs schienen zu errathen, was in ihm verging, denn sie drängten sich an ihn und