Einzelbild herunterladen
 

Hcrsfclöcr Anzeiger.

m> LS. Hersfeld, den 27. Juli. 1861*

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs unb Sonnabends. Preis desselben bet der,. Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postauf- schlag hinzu. Anzeigen aller Art werden aufgeunmmen und die Zeile oder deren Raum mit-8 Heller, bei Wie­derholungen mit 6 Heller berechnet. " '

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

den Justizbeamten Carl Ledderhose zu Bocken- heim zum Ob>rfinanzrathe und Mitgliede ver Ober- Berg- und Salzwerks-Direktion,

den Hauptsteueramts-Assistenten Friedrich Roll« mann zu Cassel zum Ober-Controleur in Roten- burg, und

den Landmesser des Kreises Hofgeismar, August Cöster, zum Bahnhofsverwalter der Eisenbahu- Station Kirchhain, letzteren, auf Widderruf, zu er­nennen, i

den Rechtspraktikanren Wilhelm Wachsmuth in Eschwege zum Sekretar bei dem Criminalgericht daselbst provisorisch zu bestellen, den zweiten Hof- und Garnisonsprediger Wilhelm Kratz zu Cassel zugleich zum Consistorial - Assessor bei dem Consistorium zu Cassel zu bestellen.

Franzofenherrschaft.

Von Fr. Friedrich.

Es war gegen die Mitte des Monats November des Jahres 1809.

In Cassel wurden großartige Vorbereitungen ge­troffen, um des Königs Hieronymus Geburtstag, der aus den 15. November fiel, in ausgedehntester Weise zu feiern.

Der sogenannte Napoleonsplatz wurde mit Festons und Laubgehängeu verziert, Masten wurden errichtet, die erklettert werden sollten, Buden mit Eßwaaren und den verschiedenartigsten Sachen wurden erbaut, denn auch das Volk sollte an des Königs Geburtstagsfeier Theil nehmen und dies war das einzige Mittel, um es herbeizuziehen, da es mit Gewalt nicht zu dieser Feier getrieben werden konnte.

Viele Tausende kostete jede solcher Feiern, welche die Stadt Cassel und das ausgesogene Land bezahlen 'mißten. Dafür standen aber in dem westphälischen Moniteur ausführliche Berichte über den Glanz unb die Begeisterung, mit welcher das Volk seines geliebten

Königs Jerome Geburtstag gefeiert hätte. Das Volk selbst wußte freilich von dieser Liebe nichts, aber es stand im Moniteur, von dem die betreffenden Nummern nach Paris zum Kaiser geschickt wurden; das genügte.

Am Abend des zweiten Tags vor dem 15. Novem­ber saß der Rath v. Linden, mit seiner jungen, blühend schönen Frau in seinem Zimmer. Zwei Kinder von ungefähr fünf und drei Jahren spielten neben ihnen, sie waren der Aeltern größte Freude. Stundenlang konnte Linden an Sonn- und Festtagen dem Spiel der Kinder zuschauen.

Er selbst war ein ruhiger Charakter. Um so mehr mußte es befremden, daß er heute aufgeregt, seine Kin­der kaum bemerkend im Zimmer auf- unb abschritt. Er war am Nachmittage dieses Tages Zeuge eines Auftritts gewesen, den er soeben seiner Frau erzählt hatte und durch welchen sein Blut aufs neue in Aufregung ge­kommen war. Der König, der von sich gesagt hatte, er werde sein Volk zwingen, ihn zu lieben, war am Nachmittage spazieren geritten. Ein alter greiser hessi­scher Invalide, der mehrmals vergebens um eine kleine Pension gebeten, hatte sich dem König mit entblößtem Haupte genaht, um seine Gnade anzurufen. Der König hatte des Alten Worte nicht verstanden, da sie in deut­scher Sprache an ihn gerichtet waren, aber ärgerlich, in der Unterhaltung mit einer ihn begleitenden Dame gestört und von Invaliden verfolgt zu werden, hatte er den Greis mit der Reitpeitsche so heftig ins Gesicht ge­schlagen, daß ihm das Blut aus Nase und Mund ge­strömt war. Der alte Invalide war halb ohnmächtig zurückgetaumelt. Selbst des Königs Begleiter waren über des Königs Roheit entrüstet gewesen, dennoch hatte' keiner von ihnen gewagt, dem Alten zu Hülfe zu sprin­gen. Der König war weiter geritten. Linden hatte aus einer Entfernung alles gesehen. Er war zu dem Alten geeilt, hatte ihn nach Haus gebracht und eine reiche Unterstützung gegeben; aber die schmachvolle Hand­lung hatte er nicht ungeschehen zu machen vermocht. Diele That war es, die ihn in Aufregung gebracht hatte. Mit Abscheu dachte er an sie zurück.

Der roheste Mensch würde einen Greis nicht schlagen I" sprach seine Frau.

Nenne ihn nicht Mensch!" unterbrach sie Linden