Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (NeMcuFt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postaus- schlag hinzu. — Ameigen aller Art werden aufgennmmen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wie» derholungen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den außeretatsmäßigen Secondlieutenantv. Meyer- feld vom 2. Husaren-Regiment in den Etat des Regiments einrangiren zu lassen.
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Der Rubin. H
Von Adolph Görling^
U (Fortsetzung.)
— Sehr wohl! Und Sie haben kein Recht, mir Vor. würfe zu machen, welche ich nicht verdiene.
— O, Sie sind schlau, das wissen wir! Versuchen Sie jetzt in diesem Augenblicke nicht, die Hauptfrage, um welche sich das Lebensglück meiner Tochter dreht, mit einer wahren Taschenspielergewandtheit zu umgehen?
— Ich habe auf unberechtigte Fragen keine Antwort! sagte Miss Clary, welche immer tiefer vor Zorn und Beschämung erbleichte.
— Gut, gut! Da Sie Ihre „so sehr anständige und moralische Stellung" zu Lord Alfred Hardford somit eingestehen, Miss Clary, so frage ich Sie ganz in aller Güte: woher Sie den „moralischen Muth" haben, noch länger sich in meinem Hanse aufhalten zu wollen?
Miss Clarys Augen füllten sich mit Thränen.
— O, wie grausam, wie herzlos! rief sie.
— Erinnern Sie sich, Miss, keine Scene! Wir wollen in aller Ruhe unser Geschäft mit einander beendigen.
— Madame, sagte die Gouvernante, ich bin eine Waise, Sie missen es! Ich habe nirgend eine Zuflucht.
— Desto schlimmer, daß Sie das Asyl, welches ich Ihnen gab, so schlecht respectirten!
— O, Sie rechneten darauf, als ich bei Ihnen an- trat, daß ich wehrlos in Ihre Hand gegeben sei! Hätte ich es vermocht, ich würde, gleich meinen sechs oder acht Vorgängerinnen, sobald wie möglich, und mit Verlust meines Salairs, Ihre Familie wieder verlassen haben. Ich kann aber meinen Gehalt nicht aufopfern; ich kann nicht, von allen Mitteln entblößt, Ihr Haus verlassen, sondern muß auf meine vierteljährige Kündigungszeit
bestehen. Zahlen Sie mir nur noch für einen Monat meinen Gehalt, so bin ich dennoch bereit, Sie in diesem Augenblicke zu verlassen . . .
— Also Das wars! sagte Lady Hanton, wie eine Päonie glühend. Es kommt darauf an. daß ich Ihnen anderthalb Pfund für nichts, für die Ehre zahle, Sie bei mir ausgenommen zu haben! Wenn ich hier ein Evangelium hätte, so würde ich meine Hand daraus legen,. daß Sie zum Hause hinaus sollen, ohne daß ich Zhnewmoch einen Penny bezahle! Haben Sie das gehört?
— Es giebt noch Recht und Gesetz in England! konnte die Gouvernante kaum hervorbringen.
— Kehr gut. Eben darauf verlasse ich mich! kreischte fast -dte .Riesin.
i^i diesem Augenblicke war Regentstreet erreicht. Ein eleganter junger Mann in Civiltracht überholte die Equipage und ritt dicht an den L-chlag derselben.
— Mrs. Hanton? Ich freue mich, Sie wohl zu sehen.
’ Die Dame, an die Anrede „Lady" gewöhnt, ward plötzlich ganz bunt im Gesicht — kreideweiß mit bl«t« rothen FleckeN — und rang nach Athem.
— Und Miss Clary? Wieder in Thränen, auf offener Straße sogar? fuhr Lord Alfred fort, indeß seine Stimme zitterte. O, aber dies muß endigen, Miss Clary! fassen Sie Muth, Miss, denn es giebt Menschen, welche — auch wenn Sie es nicht wünschten — für Sie Alles, selbst das Leben opfern werden!
Damit sprengte Lord Hardford von bannen.
Miss Clary schien eine neue, furchtbare Eruption des Zornkraters der Riesin zu erwarten. Lady Hanton aber sagte kein Wort, sondern beschäftigte sich damit, stier auf eine Stelle sehend, die Fingerspitzen ihrer Handschuhe abzubeißen.
" — Nach Nash und Benton, Juweliere, Bondstreet - herrschte die Generalin endlich, an Regentspark ange' kommen, dem Kutscher zu.
Als der Wagen vor dem glänzenden Iuwelierladeu hielt, und die Riesin ausstieg, wollte Miss Clary demüthig zurückbleiben.
— Folgen Sie mir, Clary, sagte die Dame kurz. Ich bezahle meine Dienerschaft, damit ich sie zur Hand habe, wenn ich sie brauche.
Miss Clary gehorchte und trat mit der Generalin