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Hcrsfel-cr Anzeiger.

Wr> 54.

Hersfeld, den lo. Juli.

1861>

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Nenmarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postauf- schlag hinzu. Anzeigen aller Art werden aufgenummen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wie­derholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

dem Kurfürstlichen Consul Angelrodt zu St. Louis die allerunterthänigst nachgesuchte Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des demselben von dem Herzoge von Sachsen Koburg-Gotha, Hoheit, verliehenen Comthurkreuzes 2ter Klasse des Sachsen- Ernestinischen Hausordens zu ertheilen,

dem Dr. med. Theotor Köhler aus Kassel die Praxis als Arzt mit dem Wohnorte daselbst zu ge­statten.

G a m i o r.

Novelle

von Adolph Görling.

(Fortsetzung und Schluß.)

Am andern Morgen um 8 Uhr wimmelte der große Fechtsaal des Chevaliers de Marcas von Ofsicieren in den verschiedensten Uniformen. Der Buffetmeister mit seinen Gehülfen war bereits in vollster Thätigkeit bei der Verabreichung von kernhaften Erfrischungen, als der Herr des Hauses, Marcas erschien. Er becomplimentirte die Versammelten und streifte dann sofort den Rock ab.

Sansgene! rief er.Beginnen wir unsere Ar­beit." Als sich kein Gegner für Marcas fand, trat der Tscherkeß Czernosasch hervor und probirte einige Rap- piere. ^r machte sich fertig, zog den Handschuh an und legte sich, dem Chevalier gegenüber aus. Fürst Kab- charaj sah mit pochendem Herzen und glühenden Augen die graziöse Hastigkeit des ersten Ausfalles des Fremden. Noch nie glaubte er ein so blitzgleiches Manöver gese­hen zu haben. , Der Tscherkeß hielt sich vortrefflich, als der Franzose eine Finte anzog, cavirte und mit so un« widerstehlicher Gewalt nachstieß, daß die Hälfte seiner Rappierklinge, welche durch den Stoß auf die Brust des Kaukasiers gesprungen sansend durch die Luft fuhr. Der Beifall wollte nicht enden.

Da hielt sich Kabcharaj nicht länger, sondern warf das weite Obergewand fort.

Geben Sie mir die Ehre eines Ganges, Herr Chevalier;" sagte er, sich auslegend.

De Marcas wußte diesen Gang bis zu zehn Mi­nuten zu verlängern; dann aber kam seine Klinge einen Augenblick zu spät, um des Fürsten Rappier von seiner Brust entfernt zu halten. Marcas wurde getroffen.

Urrah!" rief der erhitzte Mingrelier.Das wußte ich!« fügte aber, sich verbeugend sogleich hinzu: Ich gestehe, noch keinen solchen meisterhaften, furchtba­ren Gegner mir gegenüber gehabt zu haben."

Die jungen Leute hatten sich nach nnd nach zu Paa­ren zusammen gefunden und der ganze Saal bot jetzt das lebhafteste Bild dar. Die den Offizieren angemes­sene Zeit war wie im Fluge vorübergestrichen. Man war entzückt über diese ziemlich neue Art einer Mor­genunterhaltung; der Wirth war bezaubernd, der Wein über allem Lobe und de Marcas konnte gewiß sein, keine neue Aufforderung erlassen zu müssen, um seinen Fecht­saal zu fülle».

In Zeit von wenigen Tagen war der neue Millio, nair bsi einer beträchtlichen Anzahl vornehmer Fami­lien eingeführt und fand bald kaum noch so viel Zeit, um seine Morgenunterhaltungen im Fechtsaal fortzu- setzen. Er gestand, daß das Fechten des Fechtens we­gen ihn aufrichtig gesagt, wenig interessire. Er schlug Wetten vor und sehr bald war ein düsteres Leben in diesen Kreis von Auserwählten gekommen. Es wurden hier, als derFechtclub" etwa sechs Wochen bestanden hatte, so bedeutende Summen auf den Stoß eines Fleu. rets bin, gewonnen und verloren, daß der Kaiser in ei­nem Tagsbefehl den Officieren verbot, bei ihren Waf- fenübungen um Geld zu wetten. Sie wetteten daher um Pferde, Pretiosen, Waffen und dergleichen, wodurch das gefährliche Spiel keineswegs aufgehoben wurde.

Kabcharaj war der Einzige, welcher mit de Mar­cas den gleichen Grad von Geschicklichkeit besaß. Bald war der Franzose und bald der Mingrelier Sieger. Ein Pferd vom Kaukasus,^das schönste Roß in ganz Petersburg, war von dem Fürsten zehnmal verloren und ebenso oft wiedergewonnen worden. Marcs schien ge­schworen zu haben, dies ^ferd zu besitzen, bis endlich eines Morgens der Fürst erklärte das Roß nicht wieder aufs Spiel setzen zu wollen.