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Stp. 52t

Hersfeld/ den 3. Juli.

1861t

DerHersfelder Anzeiger« erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postauf- schlag hinzu. Ameigen aller Art werden aufgennmmen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wie­derholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurvst haben allergnädigst geruhet: y

dem Königlich Preußischen General d ^ mterie und General-Inspecteur der Artillerie, bn,-

dem Königlich Preußischen Generallieutenam, ^creegs- und Marine-Minister von Roon und dem König­lich Preußischen Generallieutenant und Inspecteur der 2ten Artillerie-Jnspeclion, Präses der Artillerie- Prüfungs-Comniission rc., von Puttkammer, das Großkreuz,

dem Königlich Preußischen Oberst und Brigadier der Garde-Artillerie-Brigade, von Uechtritz, dem Königlich Preußischen Oberst a la suite der Nie- derschlesischen Artillerie-Brigade Nr. 5 und Mitglied der Artillerie Prüfuugs-Commission, Hartmann, das Commandeurkreuz zweiter Klasse,

dem Königlich Preußischen Oberstlieutenant ä la suite der Westphärischen Artillerie-Brigade Nr. 7 und Mitglied der Artillerie-Prüfungs-Commission, Neumann, das Ritterkreuz,

dem Königlich Preußischen Hauptmann und Bat­terie Chef in der Garde-Artillerie, von Dreskss, dem Königlich Preußischen Premierlieutenant in der Garde-Artillerie-Brigade, vonAmsberg, und dem Königlich Preußischen Premierlieutenant in der Rhei­nischen Artillerie-Brigade Nr. 8, Sallbach, die vierte Klasse des Kurfürstlichen Wilhelmsordens zu verleihen.

G a m i o r.

Novelle von

Adolph Görling.

(Fortsetzung.)

Mitrophan und seine Gattin waren, statt sich, wie die Fürstin dem Schmerze über Gamiors Geschick hin­zugeben, unablässig bemüht, ein Mittel ausfindig zu machen, um deziArzt vor allen Dingen aus seiner Leib­eigenschaft zu befreien. Dann vermochte selbst der Kai­

ser seine Verheirathung mit der Fürstin nicht zu hindern, ohne einen Gewaltstreich zu begehen, vor denen außer in politischen Dingen Nikolaus sich jedoch stets sorg­fältig hütete. Aber war es früher nicht durch das An- - erbieten ungeheurer Geldopfer gelungen, den: Fürsten von Guriel seinen Leibeignen zu entreißen, so war diese Aufgabe jetzt unendlich schwieriger, ja gradezu unmög­lich zu lösen. Kabcharaj durfte es gar nicht wagen, Gamior^ frei zu geben, wenn er es gewollt hätte, denn der Kaiser hatte gesprochen.

Der Franzose, welcher sich noch immer, auf eine günstige Gelegenheit zur Flucht vergebens wartend, in Mitrophan's Hause aufhielt, machte den Vorschlag: er wolle versuchen, den Herrn Gamior's allein zu treffen, um ihn, mit der Degenspitze an der Kehle, den Freibrief für den Geliebten der Fürstin abzuzwingen.

Au demselben Abende, an welchem diese Unterre­dung vorfiel, begaben sich Mitrophan und seine Gattin nach dem Paläste der Fürstin auf der Newsky-Perspec- tive und hielten mit derselben eine lange Unterredung. Ungeachtet es schon sehr spät war, als das Paar zurück- kehrte, begab sich Mitrophan doch noch oben auf die Bo­denkammer, wo sich de Marcas aufhielt.

Er lag bereits im Bett, trank aber Rum, rauchte und las einen neuen französischen Roman.

Es ist doch nicht nach mir gefragt?" sagte de Marcas.Was bringt Sie zu so später Stunde herauf?"

Es war nicht früher, als Sie dem armen Gamior Ihren Besuch machten," erwiederte der alte Kaufmann lächelnd.Ich bin gekommen, um Ihnen eine Frage vorzulegen. Haben Sie Lust, Millionair zu sein?

Was?" rief der Franzose, das Buch fortwerfend, und sich in eine sitzende Stellung bringend.

Ich sage nochmals, Millionair!"

Sacrebleu! Bedarf das einer Antwort? Aber was fordert man von mir? Soll ich etwa den tatari­schen Fürsten ermorden?"

Sie sollen gar nichts thun, als was Sie sonst gethan habenfuhr Mitrophan fort.Sie würden gewiß zu Ihrem Vergnügen täglich eine Stunde oder zwei fechten, wenn Sie Millionair wären... Nicht wahr?" (Forts, f.)