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Nk. 50. Hersfeld, den 26. Juni. 1881.

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G a m i o *.

Novelle von Adolph Görling.

(Fortsetzung.)

Du sollst mit Dr. Wandt und Dr. Casalle Dri- court sprechen, in meiner Gegenwart! sagte der Kaiser." Sie sind nicht Deiner Meinung.-

Gamior zitterte fast vor Freude^bei diesen Worten. Er hatte zugleich bemerkt, daß der L-elbstherrscher aller Reußen seine eigne Person während der ganzen Zeit, daß er mit Gamior gesprochen, zum ersten Male genannt hatte: ein sicheres Zeichen, daß der junge Gelehrte dem Kaiser gefiel.

Das Erkältende im Gespräch des Kaisees haben die gewandtesten Diplomaten und selbst fürstliche Be­obachter aus der zur Nalur gewordenen Gewohnheit des Kaisers erklären wollen; daß derselbe sich selbst, und was mit ihm identisch war, das Gouvernement, Rußland u. s. f. nie nannte. Er selbst, Rußland als Mikrokosmus und die Seele und der Geist dieser Rie­senjungfrau war dadurch, seinem Wesen nach, unnahbar geworden. Er wußte sich indeß zu seinen Zwecken der WorteRußland",Ich", sehr wohl zu bedienen, aber diese Zwecke mußten groß sein, wie er, der Kaiser und seine Gedanken selbst es.waren. Das Volk stand dem Kaiser als Mann viel näher, als der erste Große des Reichs. 'Nikolaj war für. das Volk der sichtbane, wal­tende Gott. Aber die Mächtigen wußten, daß diese pvpulaire, irdische Maske desGottes" nur eben Maske war; daß der Bettler, welcher vomVater Kmser" sein Kmd aus der Taufe heben ließ Nikolaus kam stets der solchen Gelegenheiten selbst von dem gewaltigen Herrscher gleich dem ersten Fürsten durch eine Kluft geschieden war, die sich zu erweitern schien, so wie man geistig an dies Rieseugebilde hinanzutreten versuchte.

Welches ist Dein Heilmittel?" fraate der Kaiser. Blut!" war die Antwort.

Nikolaus sah den Arzt fest an.

. "Du willst sagen, daß eine Transfusion von Blut... Und nur zwei Monate...»

»Die gesegnete Großfürstin soll den Dampf von frischem Thierblüt als Respirationsmittel einathmen, Kaiser I» sagte Gamior im entschiedensten Tone.

Nikolaj schwieg.

Sie wird es nicht ertragen können!" sagte Ni­kolaus nach einer Weile halb laut.Sieund Blut! Unmöglich I Ist viel Blut nothwendig?"

Gamior erzitterte, denn er erwartete, daß der Kai­ser im Gespräch vielleicht unabsichtlich den gewohnten TitelDocter" gebrauchen könne, und that Nikolaus dies, so war Gamior's akademische Würde für Rußland - anerkannt und der Sclave ein freier Mann. V

Viel Blut? Ja, Majestät!" sagte der Arzt trübes nach dem er erkannt hatte, daß der Kaiser den Titel Doctor nimmermehr aussprechen werde.Die Thiere müssen gleich im Vorsaal geschlachtet werden; der erste Odor ist der wirksamste. Es würden sechzig^ Pfund Blut hinreicken für fünf Minuten. Die gesegnete Groß­fürstin wird sich auf ein unten mit solchen Vorrichtungen- versehenes Lager legen, daß die Blutdämpfe den nackten Körper erreichen, während oben das Entweichen des O'dor's für das Einathmen durch geeignete Anstalten verhindert werden muß/'

Mach einen andern Plan, Arzt," sagte Nikolaus. Alexandra kann Deine Eur keine Secunde aushalten."

Das wird die Großfürstin. Sie braucht das Blut nicht zu sehen. Am Geruch wird sie nicht erken­nen, welcher Stoff ihr gebracht wird."

Willst Du Stiere, Kälber oder Schafe?" fragte der Herrscher, unruhig die Hände reibend.

Der kräftigste Organismus erzeugt Blut vom kräftigsten Odor! Stiere!"

Du bleibst hier," sagte der Kaiser.Außerdem werde ich gerufen!»

Die Lieblingstochter des Czar's rief durch ihre Schelle und der Vater gehorchte, welcher die arme schöne Herzogin von Leuchtenberg auf seinen kräftigen Armen trug, wenn sie, in der nahenden Angst vor dem Tode ihre Zimmer zu verlassen wünschte.

Als zehn Minuten später der Kaiser wieder ein- trat, begleitete ihn der schöne, erlauchte Gemahl der sterbenden Großfürstin.

Hier ist er!" sagte Nikolaus zu dem Herzoge.