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HerLfel-rr Anzeiger.

Nk. 44.

Hersfeld/ den 5. Zum.

1861.

DerHersfehfier Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der ExpeMWi"'lsMeumarkt Nr. 587) pro Quartal 71 Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postauf­schlag hinzu'Ar^Mzeigdu aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wie­derholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

dem Vorstände des Ministeriums des Kurfürstli­chen Hauses und d^r auswärtigen Angelegenheiten, Geheimen Legationsrath vonGoeddaeus die nach­gesuchte Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des von Seiner Majestät dem Könige von Bayern demselbenen verliehenen Großcomturkreuzes des Ver­dienstordens vom heiligen Michael zu ertheilen,

dem Justiz-Minister Abäe die nachgesuchte Er­laubniß zur Annahme und zum Tragen des von Seiner Majestät dem Könige von Bayern demselben verliehenen Großkreuzes des Verdienstordens vom heiligen Michael, sowie

dem vortragenden Rath im Ministerium des Innern, Regierungsrath Lotz, die nachgesuchte 6r-' laubniß zur Annahme und zum Tragen des von Seiner Majestät dem Könige von Bayern demselben verliehenen Ritterkreuzes des Verdienstordens der Bayerischen Kronz zu ertheilen.

G a in i o r.

Novelle , . von Adolph Görling.

(Fortsetzung.)

Gamior ging düster auf und ab, während der Fran­zose sich bedachte, ob er es wagen dürfe, diesen seltsa­men Mann zum Danke zu embrassiren.

Der Arzt griff in sein Cabinet hinaus und brächte Hansrock und Babuschen. Er deutete auf eine Reihe türkisch«! Pfeifen und bat seinen Gast, sich seines Oberkleides zu entledigen. Hierzu war Saint Mandon gern bereit, aber bie Stiefel versicherte er, nicht ablegen zu können, um zur Flucht fertig zu sein. Die Sache war indeß, daß ,er ohne Strümpfe ging.

. Der Arzt überzeugte sich bald, baß Saint Mandon rn den besten Kreisen von Paris gelebt haben mußte und er setzte, getrieben von glühendem Haß gegen dir

Gewaltherrschaft, die der Kaiser und die Geistlichen so wie der Adel ausübten, bald seine Zurückhaltung gegen den Gast bei Seite.

«Und welches ist die Unbill, die Sie von Ihrer tyrannischen Regierung erfuhren?" fragte Saint Man- don, eifrig rauchend.

Gamior lächelte bitter.

Ich kann mich eigentlich über Niemand beklagen; die Sache liegt blos an mir... Sehen Sie ... Ich bin als Leibeigener geboren und bin heute noch, trotz meines Ringens, trotz meines Fleißes und wie ich wohl hinzu­fügen darf, meiner Kenntnisse, und ungeachtet meiner in Deutschland erworbenen medicinischen Doctorwürde ein Krebostnoj Jelawek, ein leibeigener Mann..."

Während der Franzose staunte, rief unten auf der Straße eine tiefe Stimme Gamiors Namen. Er blickte rasch hinaus, drehte sich aber beruhigt um und bemerkte:

Bleiben Sie ruhig; es ist das da unten ein Freund..."

Sie scheinen aber doch bestürzt:" bemerkte Saint Mandon.

Ich weiß nicht, welcher Grund als ein Unglück ihn bewegen kann, so spät zu kommen..." murmelte Gamior.

Ich möchte mich aber doch verbergen I"

Vor meinemväterlichen" Freunde," lächelte Ga. mior, «der der Erste sein wird, Ihnen beizustehen."

Und er ging hinaus, um den Fremden einzulassen. Der alte Mitrophan Jurijew trat auf den Flur.

Woher noch so spät, Väterchen?" fragte Gamior hastig.Es ist der Fürstin Sofija doch kein Unheil zugestoßen?"

Christus sei Dank! erwiederte Mitrophan. «Sie ist, wie Mutter Borrissa sagt, so wohl, und so muthvoll, wie Du sie heute Abend verließest. Ich hatte noch spät Geschäfte, wie ich gleich sagen werde und Borissa. konnte Dich nicht finden. Sie kam hierher und Du warst zu Deinen Kranken gefahren; endlich suchte sie Dich bei der Fürstin Lorostina und hier warst Du eben fortgegangen. Ich saß wartend auf dem Polizeibüreau, bis vor einer halben Stunde und da beschloß meine Gattin, zuerst meine Rückkunft abzuwarten."

-Was machtest Du denn auf dem Büreau?"

Davon sväter ... Du weißt, daß die Gräfin