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Hcrsfel-crAnzetger.

Nr. 43. Hersfeld, den L Juni. 1861*

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postauf­schlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wie« derholungen mit 6 Heller berechnet.

G a m i o r.

Novelle von

Adolph Görling.

(Fortsetzung.)

Bon soir!" sagte er ziemlich laut und sah in ein Rebengemach hinein, wo ein Bett stand, fand jedoch Niemand.Gut, mein Quartier ist schon bestellt," sagte er für sich.Warten wir, bis die Leute ihren neuen Gast besuchen werden. Ich werde sie morgen um so weniger erschrecken."

Der Franzose fand das Feuerzeug neben der Lampe und zündete Licht an.

Er sah sich in einem höchst luxuriös ausgestatteten Gemache. Eine reiche Bibliothek nahm fast die eine ganze Wand ein; werthvolle Gemälde hingen an den Wänden und zwischen den Kunstwerkewder Maler prang­ten diej.nigen des Waffenschmieds: kostbare Säbel von orientalischer Arbeit und zwei persische Flinten mit aus Silber getriebener Garnitur, welche der Franzose in der Hand und nach der Lage prüfte und als unvergleich­lich erkannte. Auf dem Tische lagen neue französische Zeitungen, Briefe aus Paris, deren Anblick dem Flücht­ling fast Thränen entlockte. In Schränken mit Glas- thüren aufgestellte anatomische Präparate deuteten auf den Beruf des Wohnungseigners hin.

Ich bin bei einem Arzt und bei einem Franzosen!" murmelte Saint Mandon.Ich bin gerettet!"

Er warf sich auf den Divan, und sah erst jetzt, daß er sich auf einen langen seidenen Kaftan gesetzt hatte, neben welchem eine hohe armenische oder tatarische Pelzmütze lag.

Marotte! Hier wohnt kein Kosak oder Türke."

Er machte dann nach Kräften Toilette und setzte sich mit der Zeitung an das Licht, mit der Miene eines Menschen, der einen vertrauten Freund in dessen Woh. nung erwartet. Mandon hatte nämlich gehört, daß die Hausthür geöffnet und verschlossen und daß ein Tritt auf der Treppe laut wurde.

Gleich darauf kam ein einzelner Mensch eilig in das Zimmer und blieb erstaunt über den Fremden auf

der Schwelle stehen. Saint Mandon hatte mit Adler­blick den Mann ins Auge gefaßt und erhob sich jetzt mit ruhiger Ungezwungenheit.

Der Augekommene war ein schlanker, hoher, sechs und zwanzigjähriger Mann von edler, vornehmer Hal­tung, einfach in Schwarz gekleidet. Er war sehr blaß, was im Gegensatze zu seinen großen, schwarzen Augen und einem kurzen, vollen Barte ihm einen Ausdruck von Leiden, von Schwermuth gab. Als er seinen Hut zog, zeigte er eine hohe, gedankenreiche Stirn, deren Umriß mit seiner graben Nase ein Profil von seltener Feinheit und edlem Ausdruck bildeten.

Ich habe die Ehre," sagte der Franzose,mich Ihnen, mein Herr, als den Chevalier Hector de Mar- cas Gascoger und direct aus Paris gekommen vorzustellen."

Der Ändere sah zu seinem Erstaunen erst jetzt, daß der Herr Chevalier blutige Hände, einen zerfetzten Rock und große Löcher unten in den Beinkleidern hatte, so wie daß er einen Sporen an dem Fuße trug, da die andere der Absatzzierden beim Voltigiren abgebrochen war. Zugleich fiel ihm der Säbel des Buteschniks ins Auge, der blank aus einem Stuhle lag.

Der bleiche Mann griff rasch ü seinen Busen: ein kurzer Aataghan blitzte in seiner Hand und bevor der Franzose es verhindern konnte, war er von seinem Geg­ner beim Halstuch gefaßt und lag längelangs auf dem Divan, die Spitze des Dolchs aus seiner Halsschlagader.

Keine Bewegung, oder ich tödte Dich!" sagte der Fremde mit unterdrückter Stimme.Wer hat Dich ge­dungen, mich zu ermorden... Antworte in Zeit von zehn Secunden, oder Du bist hin!"

Der Franzose einmal in der Hand seines Feindes, lag regungslos. Er begriff sofort, daß er, wenn ihn sein Sieger doch zu Worte kommen ließ, von demselben nichts zu fürchten habe.

Niemand dang mich..." sagte Saint Mandon- Marcas.Ich bitte Sie... Sie werden mich doch nicht schlachten wollen?"

Du kennst nicht die Gräfin Grodschowa? Du kennst nicht den Sohn derselben, Capitän WassilijOla- gowitsch Grodschow? Du wärest nicht von diesem feigen Wassilij abgesandt, mich aus dem Wege zu schallen,-

Bei Gott nicht! Ich bin ein armer Flüchtling,