Hersfclvcr A«zetger.
NP. 43* Hersfeld/ den 29. Mai. L8«l.
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den zweiten Bahnmeister für die Bahnstrecke von Marburg bis an die Landesgrenze bei Friedeihausen, Georg Wick, nunmehr zum Bahnmeister für die Bahnstrecke Gensungen- Wabern auf Widerruf zu ernennen.
G a m i o v.
Novelle von
Adolph Görling.
(Fortsetzung.)
Späte Besuche.
Die Straßen-Polizeimänner, welche allenthalben in gewissen Entfernungen von einander bei ihren kleinen Buden ausgestellt sind, hatten bereits ihre Nachtpatrouillen begonnen, die sich allemal von einer Station zur andern erstrecken. Die graubemändelten Gewaltigen steckten bis an die Ohren in ihren Hüllen und hielten mit den pelzbehandschuhten Fingern ihre schweren Stäbe gefaßt. Es war vor Mitternacht und trotz des vorherigen Frühlingstages pfiff der Ostwiud scharf und kalt durch die weiten öden Straßen Petersburgs.. Nur hier und da hielten vor einem der stolzen Paläste, dessen Fenster im blendenden Glänze schimmerten, mächtige Karossen, deren Kutscher auf dem Bock schliefen und deren kleiner Vorreiter sich lang neben den Hufen der Pferde auf die Erde ausgestreckt hatten. Aller Wahrscheinlichkeit nach mußten diese Diener auf die Rückkunft ihrer Herrschaften, die sich den ausgesuchtesten Genüssen Hingaben, bis so ziemlich zum Anbruche des Tages warten. Trupps von Garde Infanterie marschirten von Zeit zu Zeit an den einzelnen, nächtlichen Wanderern vorüber ... Sonst Alles still und todt...
Aber von der Jsaaksbrücke her tönte über den weiten Platz-Parad, wie der Russe den Paradeplatz nennt, ein schrillender Pfiff; ein unverständlicher, rauher Schrei folgte und die Duteschniks setzten rasch ihre Gläser mit
erwärmtem Branntwein zur Seite und eilten, ihre Säbel mit der Linken, die Stäbe mit der Rechten haltend, im vollen Trabe nach der Stelle, wo das Signal gegeben war.
„Sbiwäje! Laewije ! Schnell Nach links!" Tönte es den Lausenden entgegen, denen eine etwa aus acht Mann bestehende Truppe ihrer Kameraden sich beigesellte. „Dort ist er! Dort! Jetzt eben kömmt er in den Schatten der Jsaaks - Kathedrale..."'
„Wir sehen ihn!" riefen niedre der Polizeimänner. „Jetzt rennt er wieder im Mondschein..."
Die^ Leute liefen aus allen Kräften einem mit reißender L-chnelligkeit fliehenden Menschen nach, welcher einen Vorsprung von etwa fünfhundert Schritten ge- wonuen hatte und jetzt nur noch als ein undeutlicher, flüchtiger Schatten zu erkennen war.
„Den holen wir heute Abend nicht ein!" keuchte der etwas corpulente Brigadier, seine niedrige Czapka in die Hand nehmend, als ob ihm dies leichteres Athem- holen gestatte.
Der Fliehende stand still; denn er war am Ende des Admiralitätsplatzes angekommen und schien augenscheinlich kurz zu überlegen, ob er sich zur Stadt, oder rechts abwärts nach den Baumreihen wenden wollte, die von einer der Hauptfontanka's eingeschlossen werden. Er lief in der letzter» Richtung an einer langen Reihe von Bürgerhäusern hin, deren Fronte auf die kahlen Baumpflanzungen an der andern Seite blickte.
So wie die Buteschniks pfiffen und lärmten, vermehrte sich fortwährend die Zahl Derselben, obgleich von Zeit zu Zeit drei oder vier Mann von dem Haupttrupp detachirt wurden, um nach denjenigen Richtungen hin abzugehen, die der Flüchtige vielleicht später einschlagen konnte. Obgleich sie den Schnellfüßigen längst aus den Augen verloren hatten, so folgten die Polizeimänner dennoch unermüdlich seiner Spur. Als sie die Straße an den Kannten betraten, tönte ihnen dringender Sig- nalrus entgegen. Der Flüchtling war sicher einer andern Gesellschaft dieser Menschenfänger in die Hände gelaufen und nach dem verzweifelten Pfeifen der Freunde drüben schienen sie mit ihrem Wilde nicht fertig werden zu können.
Das Gros der Armee war sehr bald auf dem Platze.