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s? er Steuer Anzeiger.

Nr. 4t. Hersfeld, den 25. Mai. WGL.

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Der »Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postaus­schlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Seile oder deren Raun: mit 8 Heller, bei Wie­derholung^ it 6 Heller berechnet.

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Gamior.

Novelle von

Adolph Görling.

(Fortsetzung.)

Im Zimmer saß eine junge Dame in einem Arm­sessel mit kurzer Lehixe und ließ sich frisire».

So wie die Alte eintrat, erhob sich die Dame mit Lebhaftigkeit, so daß die krausköpfige Zofe hinter ihr kaum Zeit behielt, die goldnen Wellen des Haars los- zulassen.

Von dem Haar, wie von einem kostbaren Mantel umwallt, erschien bi^Dame mit ihren hohen, vollen For- uien, mit dem edlen, an die Warjager des Nordens er­innerndem Profil und den strahlenden, obwohl nicht sehr beweglichen blauen Augensternen geeignet, dem Künstler ein mit dem Gürtel der Charitinnen geschmücktes Vor- bud zu der göttlichen Hera zu geben.

, ®ü$ war die Fürstin Sofija Lorostina, eine der gefeiertsten Schönheiten Petersburgs. Sie war schon seit mehren Jahren verwaiset und hatte früher, bevor der Kaiser sie für mündig erklärt unter der Vormund­schaft ihres Onkels mütterlicher Seite, des Grafen Oleg Grodschow gestanden. Jetzt führte sie ein völligmon- tirres Haus nicht allein in Peterebura, sondern auch auf ihren Gütern in Kargapol, Jubortzky und Petschora. , ~^ Kammerzofe und eine blasse, nicht unschöne, junge Finnländerin, die Gesellschafterin entfernten sich aus einen Wink der Fürstin, nachdem diese die alte Frau nur einer zärtlichen Umarmung empfangen hatte.

. , segne Deinen Eintr tt, gute Tante Borissa!" ^^urstin aus, indeß sie sich rasch das Haar um ^k^ud, so daß ihr Kopf demjenigen einer griechi- ® "h"Hcher wurde.Was bringst Du

-Du lächelst und Dein Auge leuchtet ... Gewiß, Mütterchen hast e'reicht, was ich mit Ver- "^ben mußte. Ich sann die Kaiserin nicht ^'sle Grodschow« hat mir durch die den Weg zu ihr versperrt... Der Kai- ^,^er hat zornig die Bitte des Professors znrückge- sen, außer den vorhandenen Aerzten noch einen an­

dern für die Großfürstin Alexandra zu Rathe zu ziehen. Wüßte vollends der Kaiser, wer der arme Gamior ist ... er würde ihn für seine Verwegenheit in die Armee nach dem Kaukasus senden."

Die alte Frau hatte sich bequem auf dem Divan niedergelassen und ordnete selbstgefällig die weiten Fal­ten ihres prächtigen Leidenkleides. Ihr offenes Gesicht nahm den Ausdruck von Schlauheit an, der bei jedem Russen einen mehr oder minder ausgeprägten National- zug bildet.

Das weiß ich bereits sehr genau," antwortete die Tante mit sanfter Stimme.Du räthst nicht von wem?"

Von dem Professor Romberg etwa?" fragte die Fürstiu, indeß sich ihre Wangen rötheten.

O, mein Goldherz; Du weißt, ich kenne den Deut­schen nicht. Aber höre mich an und Du wirst sagen: daß Deine alte Tante klüger ist, als alle Deine Feinde und Freunde. Hast Du schon die Polin, die Gräfin Jadwigo Jnogoska gesehen, diejenige, welche der Liebling der gesegneten Großfürstin ist, seit dieselbe so krank ist, daß sie hüflos gleich einem Kinde daliegt?"

Die Fürstin kräuselte die Oberlippe und sagte:

Du meinst die Spielerin Jnogoska^'

Ja, den Heiligen sei Dank, sie ist eine Spielerin;" war die Antwort.Was hätte ich sonst mit ihr be­ginnen können?"

Sprich nicht in Räthseln, gute Borissa!" rief Sofija hastig.Ich zittere' für den Gewinn Deines Spiels, Tante, das mir und einem Andern... nur zu theuer zu stehen kommen kann."

O, sorge nicht, mein Herzblatt;" sagte die alte Frau ruhig mit liebevollem Blicke.Meine Schwester hat Dich an ihrer Brust getränkt ... Bist Dn^nicht fast wie mein Kind? Und Gamior, liebe ich, der Sanct Nicolaj ein Kind versagte, liebe ich ihn nicht wie mei­nen Sohn? Höre mich und urtheile sodann. Ich sagte zu meinem Gatten: Mitrophan, willst Du wohl mir zu Gefallen eine Sünde thun? Willst Du wohl ein ganz wenig lügen? Aber er wollte nicht, bis ich ihm sagte, daß er für Dich und für Gamior lügen sollte. So mußte Mitrophan einen Wechsel schreiben lassen, zwei­tausend Rubel an Werth, und zwar so, als komme der Wechsel von Warschau, damit Mitrophan der Gräfin