Hcrsfeldcr Anzelqcr.
Nr. 4». Hersfeld, den 22. Mai. 1861*
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Musfchreiben des Ministeriums des Innern
vom 16. Mai 186t, die, .Wiedereröffnung der Sitzungen des
Landtags betreffend.
Nachdeni Seine Königliche Hoheit der Kurfürst die Wiedereinberufuiig der am 10. December v. I. vertagten ersten Kammer der Landstände, sowie die Einberufung der nach bem Ausschreiben des Ministeriums des Innern Dom 3. April d. I. neugewählzen zweiten Kammer der Landstände, beides auf den 6. Juni d. J. allergnä- digst verordnet habe»; so wird solches zur Nachachtung für Jeden, den es angeht, hierdurch bekannt gemacht.
Cassel, am 16. Mai 1861.
Kurfürstliches Ministerium des Innern.
V o l in a r.
Vt. Bau m a n n.
Gamior.
Novelle von Adolph Görling.
(Fortsetzung.)
„Du bist alt und bist also geizig, Väterchen I Aber Du wirst mir, da ich nothwendig neue Pistole, Karabiner ... brauche ... mit meinem Sattelpferde istsauch zum Eisbrechen und der alte Fürst Scheremetjew giebt keine Pferde umsonst mehr an den Kosak „vom Dienst" ... Also Du, Väterchei, wolltest Du mir wohl zweihundert Rubel .... Erschrick nicht, Väterchen, nicht etwa schenken, sondern blos luden... Nicht? Auf acht Tage? Auch nicht?... Warum Du Hundesohn traust Du mir nicht? Ich sollte Dich betrügen wollen? Ich sehe es, Du bist nicht einmal eh Russe, Du verzweifelter Polak ... Wir werden Euch aufs reffen, wir, und Euch auf die Erde speien und mit Füjen treten."
„Hier hast Du fumzig Rubel, PolkownikI" sagte Mitrophan stoisch, ihm di: im Stillen abgezählten Zettel
hinhaltend. „Aber hüte Dich wohl, Söhnchen, daß Du Jemand, der mit Wasser aus dem Kreml von Moskau getauft wurde, einen Polköki nennst."
Der Qsficier sah den Alten mit einem raschen Blick an.
„Ich küsse Dich, ehrwürdiger Vater;" rief der Kosak, mit Thränen im Ange. Er vermied, als geborener Diplomat, die Berührung des Punkirs, den Mitrophan mit scharfer Klinge berührt hatte und fügte hinzu: „Ich werde Dir den-Betrüger fangen ... Ja; aber noch sün- zig Rubel? Nein? Aber, süßer Großvater, nicht noch wenigstens zwanzig Rubel... Wie kannst Du mich traurig machen, daß Du mich auf den Gedanken bringst, Du würdest bald sterb-n, da nur die dem Tode Verfallenen sich mit Gewalt au die Schätze der Erde anklam- wern, die der Kosak verachtet, weil er ohne solche leben kann... Fünfzehn? Nun, Väterchen..."
„Nun, aber nicht handeln weiter I" sagte Mitrophan, plötzlich sehr finster werdend. „Hier Polkownik!"
Er legte dem Polkownik einen einzigen Rubel hin und dieser steckte ihn ruhig ein. Denn von der andern Seite des Platzes schritt ein Beamter des Polizeiministers auf Mitrophau's Haus zu. Vor dem Gewaltigen verschwand der Kosakenofficier und der hohe Beamte brächte seinerseits die Kunde von dem Betrug und — verlangte seine Gebühren.
„Wer wird nun noch kommen?" fragte Mitrophan mit wahrhaft spartanischer Ruhe. „Es ist nur gut, daß Wasser in der Newa ist.
Wenn der Alte unter der Newa seinen Geldbeutel und unter dem Wasser das Geld in demselaen verstand, so war er insofern sehr richtig, als das Geld in den letzten Minuten mit der Napidität eines Wasserfalls sich entfernt hatte.
Ein Trost für Mitrophan war es jedoch, daß das „Wasser aus Keiner Newa schwerlich ausgeschöpft werden würde.
Die Milchtaiite.
Petersburg ist eine Stadt für Rennpferde, oder für deusche Turner, welche sich int „Dauerlauf" verfect aus- znbtlden gesonnen sind. Diese Bezeichnung sollte man eigentlich wieder fortstreichen, aber wenn man auch nicht