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Hcrsfelber Anzeiger.

Mp. 34> Hersfeld, den L Mai. L8V1.

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends.Preis desselben bei der ExpediMz.gMeumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postauf­schlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wie­derholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

den Candidaten der Wundarzneikunde, Georg Erdmann, zum provisorischen Unterarzt im zwei­ten Infanterie-Regiment provisorisch zu ernennen.

Cin Sklavenmarkt in Virginien.

Für den unter dem Einflüsse europäischer Ideen erzogenen Weißen giebt es kaum ein aufregenderes, er­greifenderes Bild, als das einer Sklavenauction. Je­der der sechzehn Staaten, in welchen die Sklaverei, vielleicht mit den Waffen in der Hand, aufrecht erhalten wird, besitzt eine hinreichende Anzahl bequem gelegener Orte, wo von Zeit zu Zeit Sklaven öffentlich verstei­gert werden. Die Art, wie man dergleichen Auctionen veranstaltet, erinnert lebhaft an das Verfahren der deutschen Auctionatoren. Die Persönlichkeiten derselben sind den meisten Sklavenhaltern bekannt; an sie wen­det man sich daher, wenn frische Neger aus Afrika an- gelangt, oder Sklaven in Folge einer Erbvertheilung, oder aus irgend einem andern Grunde zu verkaufen sind. Ist die Zahl der zu versteigernden Sklaven von einem einzigen Besitzer groß genug, so wird für sie allein ein Auctionstermin angesetzt. Kleinere Partien werden zu- sammengcnommen, sobald nicht der ausdrückliche Wille des oder der Auftraggeber ein Anderes bestimmt.

Neben dem eigentlichen Auctionslocale befinden sich Räumlichkeiten für die unglückselige Menschenheerde, welche man hier eingepfercht hat, um gleich dem Vieh ausgeboten zu werden. Treten wir mitten unter sie.

bemerken sofort eine Anzahl von Pflanzern ober Agenten, den Hut auf dem Kopfe, die unvermeidliche Ergarre im Munde. Die verschiedensten Phystogno- rnren bieten sich dar. Einigen blickt der Satan, der herzlose Menschenpeiniger, der brutale Landgutsbesitzer allerdings entschieden aus den Augen; bei den meisten jedoch steht der unbefangene Beobachter ganz gewöhn­liche, gleichgültige, sogar gutmüthige und mitunter feine und vornehme Gesichter.

Diese Leute sind Kauflustige, welche die Sklaven

vor dem Ausgebote mustern, wie der Arzt den Patien­ten, oder. um einen Passendern Vergleich zu wählen, wie der Roßkamm das Pferd. Der Eine zerrt die Augen­lider eines Negers auseinander, um geheime Spuren einer ansteckenden Krankheit zu entdecken, ein Anderer untersucht die Zähne, riecht wohl auch in den Mund eines Sklaven oder einer Sklavin, um zu entdecken, ob ihr Magen gut sei. Ein Dritter klopft der N.-gerin an die Schenkel, befühlt hier und da eine Brust, setzt wohl gar ein Stethoskop an, um die innere Beschaffen­heit des Herzens und der Lungen zu ergründen.

Die Sklaven müssen auf Wunsch der Kauflustigen auf- und absckreiten, damit man sehe, ob auch ihr Auf­treten von sehniger Kraft zeuge; sie müssen in die Höhe springen, sich beugen, bücken, schütteln oder die Arme auf und niederbewegen, just wie die Herren Weißen es für nothwendig halten. Handelt es sich ja doch um ihre wichtigsten Interessen, um ihren Geldbeuwl und das Gedeihen ihrer Pflanzungen, und die genaueste Un­tersuchung wird ihnen schon deshalb nöthig, weil Be­trügereien, wie bei den Roßtäuschern, häufig vorkommen.

Alle Sklaven und Sklavinnen, welche jung, kräftig und wohlgewachsen sind, erscheinen möglichst wenig be­kleidet, damit ihre Vorzüge und Schönheiten ins vollste Licht treten. Die Negerinnen tragen den grellsten Putz, der sich ersinnen läßt. An einem rothen Lappen oder einigen Glasperlen werden sie zu Narren.

Die meisten Sklaven sind in der heitersten Stim­mung, scherzen und kichern, selbst wenn die Kauflustigen bei ihren Untersuchungen die Scham aufs ärgste verlez- zen. Mißhandlungen kommen bei derlei Auctionen nur von Seiten der Neger vor, die den Auctionatoren zu Schergen dienen und sich gegen ihre Race auffallender Weise wie bissige zähnefletschende Hunde benehmen.

Die Stunde des Beginns der Versteigerung, durch Anschläge und Zeitungsinserate hinreichend bekannt ge­macht, ist nun herangckommen. Wir begeben uns in den Auctionssaal, einen weiten, hohen und mit gutem Lichte versehenen Raum, in welchem sich für die Bieter einige Stühle befinden. Im Hintergründe ist eine Art Emporium, gewöhnlich Plateforme genannt, mit einigen Treppen an der einen Seite. Von Negerwächtern ge­leitet, die sich dann wie Höllenhunde rechts und links