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Hcrsfcldcr Anzeiger.

Re. 33* Hersfeld/ den 27. April. 1861*

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis de sselbe bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postauf schlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wie derholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

die erledigte Pfarrstelle an der Neustädter Ge­meinde in Rotenburg, nebst dem Decanate bei dem Lasigeu Stifte, dem Hauptpfarrer an der Altstädter Gemeinde zu Rotenburg Carl Sebastian Hopf zu übertragen,

den mit dem Rectorate an der Realschule zu Cas» sei seither beauftragten ersten Lehrer an derselben Dr. Ernst Wilhelm Grebe nunmehr zum Rector an derselben,

den bisherigen sechsten Lehrer an der Realschule zu Kassel Johann Adam Röse zum fünften,

den bisherigen siebenten Lehrer an der gedachten Anstalt Friedrich Heuser zum sechsten,

und den Elementarlehrer an derselben und Real- schulamts-Candidaten Hermann Friedrich Keßler zum siebenten Lehrer an der Realschule zu Kassel zu bestellen, sowie

den Rector an der Stadtschule zu Oldendorf Theo­dor Herwig die allerunterthänigst nachgesuchte Entlassung von seiner Stelle zu ertheilen,

den Kanzlisten Peter Heymann bei der Ober- Zoll-Direction zum Revisor bei derselben zu er­nennen.

Prinz Souls Fer-manS von Preußen.

Von Heinrich Ernst.

(Schluß.)

Endlich kam wieder im Herbst 1806 der Befehl zum Ausmarsch. Louis kannte die drohenden Gefahren. Wir sollen marschiren" sagte er damalsich weiß nicht, ob hier Ehre für uns zu erjagen sein wird, so. wie nämlich die wachen stehen. So sehr ich es wün­schen muß, so wenig wage ich es zu hoffen, nur in der Voraussetzung, daß der König Alles aufbieten wird, was einen glücklichen Erfolg verheißt, daß wir schnell han­deln, daß, wie man sagt, ein russisches Hülfslorps zu

uns stößt, und wir mit Uebermacht aziren nur in dieser Voraussetzung bin ich im Allgemeinen ruhig. Aber ganz wohl ist mir im Besondern nicht dabei, wenn ich höre, wie unsere jungen Herren Officiere und die Soldaten von diesem Feldzuge reden, als ob unser Sieg unzweifelhaft wäre, als ob wir Laien in der KriegstuE» vor uns hätten. Wie wenig kennen sie das französische / Heer, Mit Meistern können sich nur Meister hoffnungs­voll messen; die Franzosen sind Meister in der Kriegs­kunst, ob wir es sind, muß sich erst ausmitteln. Ich rede nicht öffentlich so zweifelnd von der Sache, um die Leute nicht zu entmutigen. Das wäre Thorheit, aber ich wünsche herzlich, daß Jedermann das Maxinum seiner Pflicht erfülle nur dann läßt sich ein gutes Resultat hoffen"!

In Rudolstadt treffen wir unsern Prinzen wieder. Er führte die Avantgarde des Hohenloheschen Corps.

Ueberzeugt, daß nur in einer kraftvollen Offensive Rettung für Preußen zu finden sei, glühte der Held vor Kampfbegierde und als ihm Abends am 9. Oct. gemeldet wurde, daß der Feind mächtig vorrücke, eine Abtheilung Jäger schon vertrieben habe und morgen, ihn selbst angreifen wolle, da beschloß er dem Gegner zuvorzukommen.

Am 10. Oct. ritt er früh nach Saalfeld zur Vor­postenkette. Aus dem Gebirge des Thüringer Waldes, gegenüber von Saalfeld öffnet sich ein Schlund, durch welchen die Straße nach Coburg führt. Aus die- siM Schlunde stiegen nach und nach 30,000 Franzosen, dehnten sich rechts und links im waldigen Gebirge aus und verschlangen die Hand voll Preußen, die sich ihnen ertgegenftellten.

Der Prinz sollte die Brücke von Saalfeld verthei­digen und dem jenseit stehenden Feinde den Uebergang wehren Er glaubte dies am besten dadurch zu erreichen, daß er den Feind angriffe und ihn so weit als möglich davon zurücktriebe. Deshalb besetzte er die Brücke nur schwach, ging mit seinem ganzen Corps, etwa 7000 Mann hinüber, und griff, früh halb neun Uhr die Fran­zosen, deren Stärke er auf 6000 Mann schätzte, an. Der Feind wich seinem engergischen Angriffe, bis er sich an das Corps des Marschalls Soult, von dessen An­kunft der Prinz keine Ahnung hatte, anlehnte. Sowie