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Gehalt nicht viele. — Der König suchte den jungen Helden auf.

— Wenn ich Prinz Louis wäre, rief er ihm freund­lich entgegen, so bliebe ich jetzt ruhig, um mich gehörig zu heilen.

— Und wenn ich der König wäre, antwortete dieser lachend, so würde es mir lieb sein, wenn meine Solda­ten kartätschenseste Beine hätten.

Der König ließ ihn gewähren; aber er hatte nicht Unrecht. Die Wunde wurde bei fortgesetzter Thätigkeit des Prinzen schlimmer, und er mußte nach Mannheim gebracht werden, um dort seine Wiederherstellung ab- zuwarten.

Nach der Rückkehr aus dem Rheinfeldzuge gab ihm der König ein eigenes Infanterieregiment, und^ sein Aufenthaltsort wurde seitdem Magdeburg. Die Stille des Garnisonlebeus sagte dem jungen Helden freilich weniger zu, als das Gewühl des Kriegs. Es wurde ihm zu eng. In Friedenszeiten gab es für die Kraft, die in ihm wohnte, keinen Gegenstand, daher seine Un» ruhe, sein kühnes Hiuwegsetzeu über Zucht und Regel. Es kamen Augenblicke, in denen er gegen sich selbst wüthete. Er fühlte sich dann tief unglücklich. So sagte er einst in einem Cirkel vertrauter Freunde mit Thrä­nen im Auge:

— Kinder! Ihr haltet mich für glücklich, ich bin es nicht. Unter Euch ist Keiner, mit dem ich nicht gern tauschen möchte. Aus Jedem von Euch kann doch Etwas werden; aber was kaun aus mir werden, da die Natur mich dem Gipfel so nahe gestellt hat? Ich bin jetzt Generallieutenant und Chef eines Infanterieregiments. Endige ich als General der Infanterie, so habe ich von Glück zu sagen. Ich kann ja nicht einmal preußischer Feldmarschall werden, weil das Herkommen es verbietet.

^Für ihn hätte sich nur ein Thron geeignet.

In solcher Stimmung wuchs seine Neigung zum Excentrischen mehr und mehr. Immer tiefer gerieth er in Schulden — immer mehr stieg seine Neigung für Ungebundenheit, für rauschenden Zeitvertreib. Die Liebe für die Studien konnte bei diesem Leben nicht gedeihen — kaum sah der Prinz ein Buch an.

Gemeine Subjecte drängten sich in des Prinzen Vertrauen. Menschen, die seiner in jeder Beziehung unwürdig waren und es ihm nicht übel nahmen, wenn er sie nnangekleidet empfing und ganz als Canaille be­handelte — sie hielten sich dafür an des Prinzen Cham­pagner schadlos. ;

Aber während er die Schlechten nur eben nicht verstieß, zog er die Besseren an sich und schätzte sie. Auch kannte er seine Leute genau, und trug im Innern ein ganz anderes Urtheil über sie, als die Gleichförmig­keit seines gegen Alle gütigen Benehmens äußerlich zei­gen konnte. Wir erwähnen eine Aeußerung, als ihm ein Freund Vorwürfe machte, daß er manche Leute in sei­nem Hause sähe und vor der Welt als seine Freunde gelten stieß, die'seiner doch gar nichk werth wären, und

zum Beweis einen bekannten Schweiger nannte, der fk beinahe täglich bei ihm einfand.

— Ich weiß Alles von ihm, sagte er lächelnd, ab er ist mir wie ein großer Hund, den ich im Zimm habe, ich ruf ihn 'mal heran, klopfe und zoddle ihn M Bischen, und laß ihn wieder laufen, ohne an ihn weiter zu denken. (Fortsetzung folgt.)

Verwischtes.

— In London ist vor Kurzem eine Herberge für aus­gehungerte und obdachlose Hunde errichtet. Sie besteht aus drei großen Ställen, hat einen besonderen Arzt und Wärter, der jeden Abend London durchwandert, um Candidaten für das Siechhaus zu entdecken. »Der Spec« tator" bemerkt beißend, mit der Zeit werde man ver­muthlich auch zu einem Eselshospital schreiten, denn des­sen bedürfe die Gesellschaft offenbar. Es sei eine Sünde, eine Satire auf die Menschheil, daß man für die „in­telligenten" Thiere schwärme und durchschnittlich in Lon­don jeden Tag einen Menschen Hungers sterben lasse.

Nach einer alten Prophezeihung soll in 25 Jahren, nämlich 1886 die Welt untergehen. In jenem Jahr fällt Ostern auf deu 25. April (St. Marcus), der Char- freitag auf St. Jürgen und Fronleichnam auf St. Jo­hannistag. Die Prophezeihung heißt:

Wann Jürgen Gott am Kreuz ausreckt, Wann^Marcus ihn dann auferweckt, , Und St. Johann ihn dann wird tragen, Dann hat die Welteustund' geschlagen.

— Auch in Frankreich ist der bureaukratische Zopf noch keineswegs verschwunden — nur daß der Moni teuf selbst darüber zu lachen wagt. Er erzählt folgende seltsame Geschickte. Im Departement Jssoire erschien jüngst bei der Loosziehung ein junges Mädchen unter dem Kontingent. Die Verwirrung war vor zwanzig Jahren in den Registern der Munizipalität gemacht worden, wo das junge Mädchen, welches den bei beiden Geschlechtern vorkommenden Namen »Marie" führt, als Knabe eingetragen stand. Als konskriptionspflichtig wurde sie also vorgeladen und obgleich die Mutter miterschien und obgleich sie die ärztlichen Atteste beibrachte, welche ihr weibliches Geschlecht bezeugten, mußte sie dennoch der regelmäßigen Ordnung halber mitloosen. Glückli­cher Weise zog sie eine der höchsten Nummern.

WHiilr BeranntAmchrmgev.

Kandrathsamt Hersfel-

Die unter dein Rindvieh des Oecouomen Conrad Bätz dahier ausgebrochene Lungenseuche ist erloschen und