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Nr. 30+ Hersfeld/ den 17. April. 1^61+

Der «Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postaus­schlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und <ic Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wie­derholungen mit 6 Heller berechnet. «> \ ' «k

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

dem Hauptmann und Divisions-Adjutanten von Baumbach zu Cassel, die nachgesuchte Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des von Sr. Maj. dem Könige von Preußen demseloen verliehenen ro­then Adler-Orden 4r Klasse zu ertheilen.

Wrinz Tours FeeHrnauS von Preußen.

Von Heinrich Ernst.

Ich mein, es ist ein treues deutsches Blut Und seine Fehler sind wohl zu ertragen.

W ^" Tagen der Belagerung von Mainz.

Eine Abtheilung Oesterreicher, die in der Nähe der^ ihnen verbündeten Preußen stand, wurde von den Belagerten angegriffen. Ein heftiges Gefecht entstand die Oesterreicher wehrten sich tapfer, aber bald mangelte es ihnen an Munition.

Dies bemerkt ein preußischer Heldenjüngling.

.jn seinem Hute trägt er den Streitern Patronen M. Feindliche Kngeln umsausen sein entblößtes Haupt. Beden Augenblick ist sein Leben hundertfach bedroht. Er achtet es nicht. -

Da sieht er mitten im Kampfgewühle einen schwer- verwundeten gemeinen Soldaten liegen. Er eilt auf chu zu ergreift ein Tuch und verbindet damit die klaf­fende, blutströmende Wunde des Gefallenen. Dann hebt er den Entkräfteten auf seine Schulter und trägt lhii aus dem Getümmel zur Heilung und in Sicherheit.

Hoch klingt das Lied vom braven. Mann

Wie Orgelton und Glockenklang ^ba^den'^ fc^ Heldeujüngling, der sich durch solche ^ at den Edelsten und Besten an die Seite stellte?

^ Prinz Louis Ferdinand von

^.Dieser Prinz, ältester Sohn des Prinzen Anaufl F rdlnand, Heermeiper ves Johanniterordens und Bru­

der Friedrichs des Einzigen, wurde am 18. November 1772 geboren. Mit trefflichen Anlagen von der Mutter Natur ausgestattet, berechtigte er sehr früh zu großen Erwartungen.

Freilich die Kunst Prinzen zu erziehen, wird immer ein sehr schwierig zu lösendes Problem bleiben, und diese Schwierigkeit wurde hier noch dadurch vermehrt, daß der Prinz von seinen Aeltern verzogen wurde. Seine Erziehung war mehr eine physische zu nennen.' Er war empfänglich für das Gute, schnell begeistert für das Schöne, und so schritt er rasch vor auf der Bahn der Wissenschaften; aber es war kein Maß in ihm, er arbeitete nur nach Laune und zu seinem Vergnügen.

Frühzeitig zeigte er jene ungewöhnliche Selbstän­digkeit, die den starken kräftigen Geist ankündigt, der auf die richtige Bahn geleitet, das Größte und Beste zu vollbringen im Stande ist. Mit dieser Energie des Charakters verband sich ein fast unbegrenzter Trieb wohl- zuthun. Man durfte dem Kinde nie mehr Geld anver- trauen, als was ihm nothwendig war. Das Geld brannte ihm in der Tasche, wenn er einen Unglücklichen sah er mußte helfen. Wie oft ist der Prinz in die Küche gelaufen und hat den Küchenmeister um ein Stück Bra­ten für die Schildwache gebeten. Zuletzt mußte man dieser verbieten, Etwas von dem Prinzen anzunehmen.

So will er auch einem Grenadier auf diese Weise Proviant zuführen. Der protestirt feierlich dagegen.

Ich darf es nicht annehmen, lieber gnädiger Prinz, es ist mir untersagt.

Nicht, entgegnet Louis ganz kleinmüthig und sinnt auf ein Mittel, es ilmi dennoch aufzudringen. Ich flecke, es Ihm in die Patrontasche, dann sieht Er es nicht und hat es auch nicht genommen. Und schon war das Paket in der Patrontasche, und der Prinz davon.

Ein anderes Mal steht er am Fenster und sieht eine arme Soldatenfrau mit einem halbnackten Kinde vor­übergehen. Schnell läuft er zu einem der Bedienten und bittet diesen so lange, bis er ihm acht Groschen gegeben.

Was wollen Sie damit machen, Prinz? ;

Sieh dort die arme Frau mit dem kleinen Kinde

ich gebe Dirs von meinem Taschengelde zurück.

Nun eilt er hinaus, der Armen nach, händigt ihr