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Hcrsfel-cr Anzeiger.

Np> SZ. Hersfeld, den 20. März. 18T1>

Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7^ ggr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postausschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederho­lungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit d er Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

dem Commandeur des 2. Husareu-Regiments, Her­zog zu Sachsen-Meiningen, Oberst-Lieutenant von Bicdenfeld, die nachgesuchte Erlaubniß zur An­nahme und zum Tragen des von des Herzogs von Sachsen-Meiningen Hoheit demselben verliehenen Comthurkreuzes 2. Klasse des Sachsen einestinischen Hausordens zu ertheilen, zu der von dem Erblandpostmeister, dem Herrn Fürsten von Thurn und Taxis, in Borschlag ge­brachten Versetzung des Postverwalters Heinrich Birkenst amm in Zimmersrode in gleicher Eigen­schaft nach Waldkappel die allerhöchstlandesherrliche Genehmigung zu ertheilen.

Gäste im Rothen Löwen.

(Fortsetzung.)

Hr. Purkiß streckte seine Hand nach der Dose aus, aber Hr. Oldwink nahm sie zu sich und steckte sie in die Tasche; wahrscheinlich wollte er sie nicht gern in den Händen von Fremden sehen.

Das Glück Kratzer's und seines „Freundes" war erstaunlich; sie gewannen Nobber um Nobber, hauptsäch­lich in Folge der prächtigen Karten des Herrn Old­wink. Ich konnte es nicht begreifen, aber so oft dieser Herr gab, schlug er unfehlbar eine Figur auf und hatte gewiß noch ein paar Figuren von derselben Farbe, nebst einer langen Reihe von'Folgekarten. Ich glaube nicht, daß ich ein übellauniger Bursche bin, aber ich fing wirklich an, mich zu ärgern, als ich auf solche Weise eine halbe Krone um die andere verlor. Nur Herr Purkiß/ der natürlich so viel als ich verspielte, blieb so ruhig und gelassen, daß ich mich schämte, meine üble Laune zu zeigen.

Als der vierte Nobber beendet war, stand Herr Purkiß auf, drehte seinen Stuhl dreimal herum und setzte sich wieder nieder. Kratzer strich sein Kinn und war augenscheinlich in Verlegenheit. Herr Purkiß lächelte.

Ich erinnere mich, sagte er, daß ich als Knabe

meine Großmutter sagen hörte, es sei beim Unglück im Spiel gut, seinen Stuhl dreimal umzudrehen; ich denke daher, es wird nichts schaden, dies einmal zu versuchen.

Man wird es kaum glauben, aber es ist Thatsache, daß mein Partner, nachdem er seinen Stuhl umgedreht hatte, so oft er gab, eine Figur aufschlug, und noch zwei in der Hand hatte, so daß die folgenden zwei Nob­ber von uns gewonnen wurden. Hierauf stand Herr Oldwink wie es schien, etwas heftig auf und sagte, daß er des Spieleus schon müde sei, während Herr Purkiß in einem Winkel herzlich fltt"sich hin lachte. Ich öff­nete daher ein frisches Cigarrenkistchen und die Karten wurden weggelegt.

Als ich am nächsten Morgen aus meinem Zimmer herabkam, winkte mir Oldwink zu sich hinein und schloß die Thür hinter uns ab.

Wer ist dieser Herr Purkiß, der gestern Abend mit uns spielte? fragte er.

Ich weiß nicht mehr von ihm, als Sie, Herr. Er sitzt immer im Gastzimmer, ist vier Tage hier, und ich weiß nicht, wie lange er bleiben wird.

Die Wahrheit zu sagen, Jobson, mir gefällt dieser Mann gar nicht.

Bin auch gerade kein großer Verehrer von ihm, Herr Oldwink.

Nun, Jobson, ich will nicht sagen, daß er kein ehr­licher, kein achtbarer Stann sei; ich spreche nur in Ih­rem Interesse, Jobson, — denn mich geht ja die Sache gar nichts au, — wenn ich Ihnen sage, behalten Sie Ihre Löffel im Auge. Ich hoffe, ich thue dem Marine nicht Unrecht, wenn ich behaupte — und ich behaupte es mit gutem Gewissen, — daß er die Miene eines ächten Galgenstrickes hat.

Ich war Hrn. Oldwink für seine Warnung sehr verbunden und bedankte mich schönstens. Ich ging dann zu Jim hinunter und berathschlagte mich mit ihm, was zu thun sei. Jim wußte keinen andern Rath, als daß er Hrn. Purkiß noch schärfer ins Auge fassen wolle. Er stimmte mit mir überesn, daß dies ein sehr verdäch­tiger Fall sei, und schlug zuletzt vor, die Meinung der Frau Jobson einzuholen. Wir gingen daher Beide zu meiner Frau und trugen ihr die Sache vor. Dieses Verfahren brächte uns wenig Lorbeern; sie nannte Jim