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Dcrsfeldcr Anzeiger.

Nrr. so. Hersfeld, den 13. März. 18LL.

Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7^ Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postausschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederho- lungen mit 6 Heller berechnet.

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Seine Königliche Hoheit der Kursürst haben allergnädigst geruhet:

dem Geheimen Oberfinanzrath R o m m e l zu Frank­furt die nachgesuchte Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzoge von Hessen und bei Rhein demselben verliehenen Ritterkreuzes 1. Klasse des Ludwigsor­dens zu ertheilen.

Gäste im Mothen Käwen.

(Fortsetzung.)

Am nächsten Morgen kam ein Brief mit der Ad- dresse an Hrn. Purkiß, den er in Empfang nahm. Sein Name war also sturkiß, das wußten wir jetzt. Das war aber auch alles, was wir von ihm erfuhren. Sein Aussehen war weder das eines Geutleman's noch schä­big; es schwankte so zwischen beiden. Er trug einen braunen Anzug, und war im Ganzen ein ruhiger all­täglicher Bursch. Er klagte fortwährend über Zahn­schmerzen und behielt fortwährend das rothe Taschen­tuch um sein Gesicht; er sagte, er wolle sich nicht viel rühren, und zusehen, ob etwas Schonung zur Hebung seiner Schmerzen helfen würde.

Als ich eine halbe Stunde später mit Herrn und Frau Oldwink ausbrach, um in der Stadt herumznfah- ren, bemerkte ich, wie Herr Purkiß mit seinem verbun­denen Kopfe auf und nieder ging, und die Hand an seine Wangen drückte. Sein Gesicht erheiterte sich für einen Augenblick, als wir an ihm vorübergingen, und er kam an’» Fenster, um unserer Abfahrt zuzusehen.

Ich führte Herrn und Frau Oldwink durch und um Tunstone herum, und zeigte ihnen alle merkwürdi­gen Plätze, die mir nur beifielen. Herr Oldwink schien ein sehr unterrichteter Gentleman zu sein, und machte gelehrte Bemerkungen zu Allem, was wir besahen. Frau Oldwink wußte nicht viel zu sagen, aber sie schien von dem Ausflug so befriedigt zu sein, daß Hr. Old­wink einen zweiten für den nächsten Tag veranstaltete.

Bei unserer Heimkehr war ich unendlich erstaunt, als ich sah, daß Hr. Purkiß recht gemüthlich bei mei- u-r Frau in der Kammer saß. Dies war eine Gunst,

die sie nur selten ihren alten Freunden gewährte, und ich wußte daher nicht, was ich denken sollte, als ich den Fremden jetzt schon dort sitzen sah. Ich glaube, daß er das gute Herz meiner Frau durch die Nachricht von seinen Zahnschmerzen gewonnen hatte; und da er alle Mittel gebrauchte, die sie ihm empfahl, so^wüßtotJu«! gute Seele kaum, wie sie ihn genug loben sollte, und sagte, daß er der prächtigste Gentleman sei, den sie seit lange gesehen habe.

Ich führte Herrn und Frau Oldwink jeden Vor­mittag spazieren. Wir besuchten jeden interessanten Platz in der Runde, und Herr Oldwink ließ sich Alles erzäh­len was ich wußte; zu Allem, was ich sagte, fügte Herr Oldwink seine eigenen, moralischen Bemerkungen bei, so daß ich mehr als je überzeugt war, daß er ein auf einer Ferienreise befindlicher Geistlicher sei. Als ich aber einmal einen derartigen Wink fallen ließ, — denn ich gestehe, daß ich sehr neugierig bin, lächelte er und sagte, daß ich nicht leicht hätte salscher rathen können.

Herr Purkiß wurde jeden Tag für mich ein grö­ßeres Räthsel. Weder ich noch Jim wußten, wie wir mit ihm daran waren, und wenn Jim einmal nicht mehr wußte, was er aus einem Manne machen sollte, so hielt sein durchbohrendes Auge doppelt Wacht. Freilich steck­ten wir die Köpfe zusammen, aber je mehr wir nachdachten, desto mehr tappten wir ins Finstere. Herr Pnrkiß schien allerdings ein ruhiger, gutmüthiger und artiger Mann, ich hütete mich daher, vorschnell eine schlechte Meinung von ihm zu fassen, denn ich habe stets gefunden, daß man, je weniger man Leute kennt, in der Regel- desto härter über sie urtheilt. Wenn ihn ein Geschäft nach Tunstone gebracht hatte, so hatte er keine Eile dabei, denn er ging selten imb nie länger als ein halbes Stündchen aus, — was zwar an und für sich einiger­maßen verdächtig war, — aber gewöhnlich ging er im Hause hin und her, von einem Zimmer in das andere, wie Leute mit Zahnschmerzen zu thun pflegen; und Jim fand es sehr schwer, ihm nachzuspüren, ohne es merken zu lassen.

Der Christabend war gekommen, und alle unsere Gäste waren abgereist, mit Ausnahme von Herrn und Frau Oldwink und Hru. Pnrkiß, welche mir erklärten, daß sie über's Fest bei mir bleiben wollten. Nun, s»