HcrsfA-cr Anzeiger.
Nr> 18. Hersfeld, den 6. März. 1881.
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7^ Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den Regierungsrath Karl v. B ennin g zu Kassel zum Geheimen Regierungsrath zu ernennen und mit Verschung der Stelle des Negierungs-Directors daselbst zu beauftragen,
den Referendar bei der Regierungs-Commissioü zu Rinteln, Ferdinand Schick, provisorisch zum Kreissecretar bei dem Landrathsamte Kirchhain, und
den Justizbeamten Theys zu Oberkaufungenzum Stellvertreter des Polizei -Directors in Kassel für den Justizamtsbezirk Oberkaufungen in Noth- und Eilfällen zu bestellen, sowie ’
ben Rechnungsgehülfen bet der Matcrralicn-Ver- waltung auf hiesigem Bahnhöfe, Christian Wepp- n e r, zum Calculator bei der genannten Verwaltung auf Widerruf zu ernennen, und
den Einnehmer der Eisenbahnstation Borken, Peter Konrad Balthasar Böhm, in gleicher Eigenschaft zur Station Bockenheim zu versetzen,
den Hauptmann Franke, Etappen-Commandant zu Hersfeld, unter huldvollster Verleihung des Cha- racters als Major, zum Platzmajor zu Fulda zu ernennen, und .
den Hauptmann Engelhardt vom Kriegsmini- sterinm mit Pension ausscheiden zu lassen,
den Oberstlieutenant von Wangcnheim Commandeur des Jäger Bataillons, zum 3. Jnsanterir- Regiment,
den Oberstlieutenant von Osterhausen, Commandeur des Schützen-Bataillons, zum Jäger-Bataillon zu versetzen,
den Major Beiner von 3. Infanterie-Regiment zum etatsmäßigen Stabsoffizier in demselben zu ernennen.
Die Spieler.
Novellette von Ludwig B o w i t s ch.
Todtenstille herrschte in den Straßen. Die Laternen brannten matt und streuten ihr ungewisses Licht
über die vom Nebel des Herbstes feuchten Quadern. Da knarrte plötzlich ein kleines Psörtchen. Ei>> Mann stürzte wie wahnsinnig her' c und verhüllte mit beiden Händen sein Antlitz. Im Innern des Hauses scholl dumpfes Lärmen. Noch ein Moment —das Haus hatte sich geschlossen — der Mann schritt vor sich hingrollend durch die Nacht. An der Ecke eines Gebäudes blieb er stehen, wandte seinen Blick gen Himmel, zog eine Pistole aus der Seitentasche und spannte den Hahn.
„Was schafft Ihr?" rief eine rauhe Stimme.
Der Angesprochene fuhr zusammen; vor ihm stand ein Greis, dessen bleiche vom Lampenschein erhellten Mienen geisterhaft leuchteten.
„Laßt mich — ich flehe darum!"
„Ihr habt gespielt?"
„Wenn Ihr es wißt, wozu die Frage I"
„Ihr habt verspielt I"
„Vortrefflich — Ihr seid fürchterlich, wie mein Gewissen!"
„Junger Mann — ich fühle Mitleid mit Euch — es liegt in Euren Zügen eine geheime, mich fesselnde Kraft —"
„Ich bin verloren!"
„Weil das Geld verloren? Der Besitz allein kann nicht beglücken — der Verlust allein nicht verderben."
„Ich habe nicht mein — ich habe anvertrautes Gut verspiel! — ich bin Verbrecher — Schandbühne und Kerker harren auf mich!"
„In der That — entsetzlich l — Wie hoch belauft sich die Summe?"
„ Zwanzigtausend Gulden!"
Die Augen des Alten rollten gleich Feuerkugeln und blieben zuletzt prüfend an Gestalt und Antlitz des Unglücklichen hängen.
,,3$ habe Euch beachtet, als Ihr hazardirtet — Ihr habt mich nicht bemerkt. Ich habe Euch warnende Blicke zugeworfen — vergebens —"
Der junge Mann preßte ein Medaillon an seine Lippen. Der alte warf einen Blick darauf.
„Unglücklicher — dies Bild?!"
„Arme Mutter!" seufzte der Jüngling.
Der Greis raffte alle seine Kraft zusammen.
„Ich habe diese Frau gekannt! — Ihr Gatte war