Hcrsfeldcr Anzeiger.
Rp. 16* Hersfeld, den 23. Februar. 1861+
Der „Hersfeldcr Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7a. Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postausschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet: «
den Major G ei ßl er vom 3. Infanterie -Regiment mit Pension ausscheiden zu lassen, sowie
dem Forstinspector Friedrich Merkel zn Trehsa das Prädikat „Forstmeister" zu verleihen, und
den Revierförster Ludwig Grebe zu Heisebeck, unter Verleihung des Prädikats „Forstrath" zum Director der Forstlehranstalt zu Weisungen zu ernennen,
den Staatsanwalt Justizrakh Albrecht Gustav Kraus zu Cassel zum Oberfinanzrath und Vortragenden Rath im Finanzministerium zu ernennen, dem General-Lieutenant Commandeur der Infanterie-Division, von Haynau, die nachgesuchte Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des von des Königs von Preußen Majestät demselben verliehenen rothen Adler-Orden 1r Klasse zu ertheilen.
Wevmischtes.
'— Aus Malta, 9. Febr., wird geschrieben: Vorige Nacht, 9.* Februar 12 Uhr 35 Miu. Morgens, hatten wir hier ein Erdbeben. Schon um 10 Uhr Abends vorher glaubte man einen Stoß verspürt zu haben, jedoch ging derselbe unbemerkt vorüber. Um 12 Uhr 35 Mm. Morgens jedoch wurden die Bewohner Malta's aus dem Schlafe geschreckt; es war der erste heftige Stoß, bestehend in fünfzehn Secunden langem Zittern der Erde und Gebäude. Gegen 1 Uhr folgte ein anderer von kurzer Dauer, aber heftigen Pulsirungen. Den
Tag über hatten wir Sirocco-Wind gehabt. Von (©teilten) wurde mitgetheilt, man habe ebenfalls Erschütterungen, namentlich zwei sehr heftige, verspürt, und in Folge davon sei beträchtlicher Schaden verursacht. Gelindere Erschütterungen sind hier in Malta die ganze Nacht hindurch bis um 8 Uhr Morgens in unregelmäßigen Zeiträumen gefühlt worden.
Am 21. d. M. fiel in Mittewald bei Brixen einSelbst- tnord vor, über den man Folgendes hört. Eine Kell
nerin, an welcher schon öfters Anfälle von Jrrsin sich zeigten, versucht ' neu Anfangs des Jahres sich zu entleiben, und zwar n e sie sagte, im Wahne „dem Herrgott ihr Herz zu opfer.," Während sie, vor einem Kruzifixbilde stehend, bei angezündetem Wachslichte sich ein Messer mit einem Bügeleisen in's Herz schlug, wurde sie zum Glücke noch rechtzeitig überrascht, das Messer ihr entrissen und durch schnell herbeigeholte ärztliche Hülfe ward sie für dieses Mal dein Tode entrissen. Die Wunde die sie fi^ geschlagen, heilte, doch die Unglückliche bestand, von ihrer fixen Idee durchdrungen, auf dem einmal gefaßten Vorsatz, den sie am erwähnten Tage verwirklichte. Während die Hausbewohner dem Gottesdienste beiwohnten und nur eine Person im Hanse war, stieß sie sich das Messer mit einer solchen Gewalt in die Brust, daß es nur mit Kraftanstrengung aus der Todten herausgezogen werden konnte.
London 12. Febr. Der heftige Nordoststurm der letzten Tage hat unter der Schifffahrt traurige Verwüstungen angerichtet. Am schrecklichsten lauten die Berichte von der irischen Küste. Viele Fahrzeuge zerschellten an den Felsen, oft Angesichts der Häfen, und viele Menschen kamen um^ Leben. Unter ihnen ein braver Kapitän, Namens Bohd, mit seinen 14 Matrosen. Sie waren eben bemüht außerhalb des Hafens von Kings- town einigen gefährdeten Fahrzeugen beizustehen, da stürzte eine ungeheure Woge über den Wellenbrecher, auf dem die Wackeren standen, und riß sie allesammt in die Tiefe. Im nächsten Momente wurden sie leblos an die Felsen geworfen.
In den Salons der Pariser Welt circulirt jetzt folgende Anecdote der es nicht an Pikanterie fehlt. Die Kaiserin, deren Gesinnungen bekannt sind, verfiel auf den Gedanken, dem kaiserlichen Prinzen ein reizendes Znavencostum anfertigen zn lassen; nachdem dieser diese Uniform der Tapferen angezogen, stürzte er in das Ea- binet des Kaisers, wahrscheinlich mit einer leise zugcstü- sterten mütterlichen Unterweisung versehen. — Sieh da sprach der erlauchte Vater erstaunt, das ist ja einer meiner tapfern Zuaven. Was soll's denn? — Eine Beurlaubung. — Wozu? — Um meinen Pathen (den