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£> er 6 selb er Anzeiger.

Np> 13* Hersfeld, den 9. Februar. L8GL>

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7^ Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postansschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederho- ungen mit 6 Heller berechnet.

Ferömarr- Wilhelm .Kaspar, Freiherr Von DösrrAerg.

Von Heinrich Erlist.

(Fortsetzung.)

Ueberall ertönen die Sturmglocken. Der Zug, wächst lawinenartig.

Von zwei Seiten soll der Angriff auf Cassel ge­macht werden. -

Eben beginnt es zu tagen, als .man vor der Stadt ankommt.

Wohl mochte feiger Verrath im Spiele sein die Franzosen halten sich gelüstet. Der Kriegsminister Wlö hatte auf einer Anböhe vor der Stadt zwanzig Kanonen auffahren lassen, und einige hundert polnische Lauciers und Kürassiere aufgestelt.

Dörnberg versuchte mit den Officieren zu unter­handeln.

Er ruft sie bei ihren Namen, beschwört sie, zu sei­ner, zur deutschen Sache zu halten

- In unsinniger Verblendung wandten sie sich von ihm ab.

Die Artillerie antwortet mit Kartätschenschüssen, die Kürassiere hauen ein. Die Bauern, größtentheils waffenlos, werden zersprengt, und Dörnberg, der edle Dörnberg muß mit blutendeiü Herzen fliehen.

Er reitet nach Homberg zurück, entkleidet sich dort eine mitleidige Seele giebt ihm zwanzig Friedrichsd'or da er von Cassel kein Geld hat mitnehmen können.

Da muß der edle Dörnberg fliehn,

Verräther spähen hinter ihm;

Sie wollen ihn erlauschen.

Er auf der Flucht muß ab und an

Mit manchem fremden Wandersmann

Wohl Kleid und Kappe tauschen.

Nach manchen Abenteuern gelang es ihm, Prag zu erreichen. Da bet Kurfürst, welcher sich dort aufhielt, ihn mit einigen taufend Thalern abzuieriigen meinte, so schloß er sich dem kühnen Herzog Wilhelm von Braun­schweig an. So war das Unternehmen mißglückt.

Dörnbergs Unternehmen scheiterte an der nothge- drungenen Uebereilung, knrz vor dem Ausbruche des

österreichischen Kriegs: an der unsichern Stellung und der mehr als ein Mal bedrohten persönlichen Sicherheit Dörnbergs; an der Unvorsichtigkeit seiner unerfahrenen, 1 allzusähen Unterbefehlshaber, die einige Dorfgemeinden zu frühzeitig aufboten und nicht gehörig organisirten, und an einem finstern, noch nicht ganz aufgeklärten. Verrathe.

Was aber würde geschehen sein, wenn wie es berechnet war im Norden ein englisches, im Süden ein österreichisches Heer die Jnsurection unterstützt hätte?

Serome nahm jetzt schreckliche Rache au den Be- theiligten.

Blutige Militärcommissionen verfolgten und quäl­ten die ünr einigermaßen Verdächtigen. Die Stifts­damen von Homberg des Freiherrn von Stein Schwe­ster war dort Aebtissinhalten das Dörnbergsche Un­ternehmen unterstützt. In der Nacht vom 28. zum 29. April wurden sämmtliche Damen verhaftet, mit zahlrei­cher Gensdarmenbegleitung nach Cassel in ein Gefäng­niß für gemeine Verbrecher gebracht, und dann theils zu Fuß theils auf Leiterwagen nach Mainz geschleppt. Das Stift wurde-aufgehoben und sein Vermögen einge­zogen. Die kranke Schwester Steins schleppte man nach Paris, und erst im Winter durfte sie, beständig am Fieber leidend, nach Deutschland zurückkehren.

Dörnberg wurde zum Tode verm theilt. Der Held aber ward mit offenen Armen von dem Herzog von Brannschweig ausgenommen. Drei Monate später wurde er die Seele des kühnen Zuges von der Moldau zur Weser über Helgoland nach England. (Schluß folgt.)

Vermischtes.

Dem Vernehmen nach soll das Mitglied der s. g. Bierkommission, welches die Prüfung des Engelhardt'- schen Bieres dahier vorgeuommcm hat, den Antrag ge­stellt haben, dein Verfertiger öffentlich znzurnfen: Perge in hac via! d. h.

Brau' immer solches Bier,

Sei freundlich Deinen Gästen, Dann blüht Dein Waizen hier, Du fährst dabei am besten I