Hcrsfclder Anzeiger.
Nr. SS. Hersfeld, den 6. Februar. 1881+
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7^Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederho- üngen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst 'geruhet:
zu der von dem Erblandpostmeister, dem Herrn Fürsten von Thurn und Taxis, in Vorschlag gebrachten Ernennung des Postverwalters Bernhard Kranz in Gudensberg zum Postmeister in Witzen- Hausen die allerhöchstlandesherrliche Bestätigung zu ertheilen,
den Setondlieutenant Wiegrebe vom 2. Husaren- Regiment zum Premierlieutenant in demselben, den Secondlieutenant Bö dick er vom 3. Infanterie-Regiment zum Premierlieutenant in demselben zu ernennen, den Secoudlieutenant von W urm b vom 1. (Leib-) Husaren-Regiment zur Garde du Corps zu versetzen, den bisherigen Calculator Georg Hitzeroth bei dem Oberhofmarschallamte nunmehr provisorisch zum Controleur bei der Hofkämmcrei zu ernennen.
Ferdinand Wilhelm «Kaspar,
• Freiherr von DörnVerg.
Von Heinrich Ernst.
Es war ein Freiherr fromm und gut
Vom Katteulaud und Kattenblut O tapfres Land der Hessen I — Der haßte tief den wälschen Tand, Der konnte Ehr und Vaterland
Und Freiheit nicht vergessen. Arndt-
Der ehemalige Tuchhändler von Baltimore und nachmalige 'Schiffslieutenant Hieronymus Bonaparte hatte von seinem Bruder das. . aus den Trümmern Braunschweigs, Hannovers, Hessens und der preußischen Elbe- und Weserprovinz zusammengelöthete Königreich Westphalen geschenkt bekommen.
Franzosen und Franzosenknechte, französische Sprache, Sitte, Gesetze und Douanen herrschten unumschränkt.
Schamlos wurde das Land ansgeplündert und das
Heranwachsende Geschlecht auf alle möglichen Schlachtfelder von Cadix bis Moskau geliefert. Begierig und dienstbeflissen kroch selbst ein großer Theil des Adels um den nagelneuen Thron.
Mit tiefem Schmerze hatte ~ s Wölhelm Kaspar, Freiherr von Dörnberg, 1768 zhhHerFHd aus einer der angesehensten unv reichsten FamMen Hessens geboren, all diese Schmach mit ansehen inüsstn. Er war in preußische Dienste getreten, hatte die bluglücksl schlacht bei Jena mitgesochten, war Blücher nach Lüd ck gefolgt und dort mit diesem gefangen genommen worden. Bald wieder freigelasssu, kehrte er nach Hessen zurück. In seiner Seele reifte der Plan, sei« Vaterland zu retten. Er begab sich zum Kurfürsten nach Holstein und wurde von ihm bevollmächtigt mit Hülfe Englands einen Aufstand in Hessen zu organisiren. Dörnberg ging nun mit dem 'Fürsten von Wittgensteill nach England um eine Flottensendung nach der TÜesep zu veranlassen. Es gelang ihm dies auch, aber ehe die ganze Sache jn Ordnung kam, wurde der Friede von Tilsit geschlossen. p
Inzwischen hatte der König Jerome allen Flüchtlingen seines Landes bei Verlust ihrer Güter zurüchu> kehren befohlen. Mit widerstrebendem Herzen* gehördue Dörnberg. Auf seine Güter zurückgezogen, wollte o dort die Grundidee des Jugendbundes, unter der Fremd - herrschaft den deutschen Geist im engern Vaterlande aufrecht zu erhalten, zu fördern suchen.
Um dies zu erreichen und um nicht der neuen Regierung verdächtig zu werden, beschloß er, auf seinem Gute Hansen Maire, zu werden, mußte sich aber auch deshalb mit der hessischen Ritterschaft dem Könige vorstellen lassen.
Der kräftig schöne Mann gefiel den Franzosen, man wollte ihn an den Hof fesseln und bald bekam m im Decbr. S1807 eirf Patent zugeschickt, das ihn zum Bataillonschef der neu zu organisirenden Gardegreuu diere machte.
So sollte der deutsche Mann der Fremdherrschaf. dienen. Welche peinliche Lage für einen Dörnberg. Abschlagen konnte ers nicht, ohne sich im Höchsten Grade verdächtig zu machen. Er nahms an. Eine solche Stellung konnte die Verwirklichung seiner Pläne nur