Nr. 9* Hersfeld, den 30, Zanuar. MM»
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition .(Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7a. Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden aufgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
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Sein e Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den Obermedizinalrath Dr. Friedrich Carl Jere- mias Cramer bei dem Obermedizmal-Collegiumzu Cassel zum Geheimen Ober-Medizinalrathe zu ernennen,
die erledigte Pfarrei Deisel in der Klasse Treu- delburg dem Pfarrer Anton Ferdinand Ludwig Con- rad Scheut zu Oberhülsa zu übertragen, und
den Probaturgehülfen Johann Heinrich Mainz zu Cassel zum Probator bei der, Regierung in Marburg provisorisch zu bestellen,
den Forst - Juspector Georg König zu Friedewald und
den Ober-Jnspector, Steuerrath Christian Rang zu Kassel, aus allerunterthänigstes Nachsuchen in den Ruhestand zu versetzen,
den Conrector an der Stadtschule zu Witzenhau- sen Otto W i tz e l zum Hülfslehrer an dem Gym- - nasiuni zu Kassel und
den Revierförster des Hainaer Hospitalforstes Oberholzhausen Wilhelm Stahl zum Revierförster des Löhlbacher Hospitalforstes zu bestellen.
Der Schatten als Zeuge.
Aus dem illustrirten Familien-Journal.
(Fortsetzung.)
Die alte, große Wanduhr auf dem Flur des Wirthshauses hatte eben Eins geschlagen, als Wirth, Wirthin, Knechte und Mägde durch, gellendes Geschrei aus dem Schlafe geweckt wurden. Alle liefen entsetzt entlang des, durch eine Wandlampe — das einzige noch brennende Licht im Hause — beleuchteten Korridors nach dem Zimmer der 'Reisenden.
Hier wartete der Leute eine schreckliche Scene. Die Zimmerthür der Schwestern stand weit offen. Auf ver Schwelle, halb im Zimmer, halb im Corridor,
lag die junge Wittwe, Rachael,' scheinbar leblos ansge- . streckt auf der Erde.
Anna saß aufrecht in ihrem Bette und kreischte — ihre Hände, ihre Nachtjacke und ihr Bettzeug waren voll Blut. An den kleinen Ernst dachte im" ersten Au- genblicke Niemand der Herbeieilenden. Die Wirrhs- leute waren so von Schrecken gelähmt, daß sie weder handeln noch denken konnten.
Ein Gast, welcher nach den' Schwestern zu Fuße angekommen und durch das fürchterliche Wetter in der „Weizenfeim" festgehalten worden war, erlangte zuerst seine Fassung wieder. Mr. Brown — so hieß der Reisende — richtete Rachael auf und überzeugte sich bald, daß die Arme weder todt noch verwundet, sondern bloß ohnmächtig sei. In der That kam Rachael pach weni- gnn Minuten zur Besinnung.
— Mein Kind! Wo ist mein Kind! war Rachaels erster Schrei.
Das Kind fehlte, Anna, sprachlos, wild um .sich starrend, saß unbeweglich, als der Reisende und die Wirthin auf sie losstürmten: Woher das Blut gekommen sei? Wo der kleine Junge sich befinde?, Was sie, Anna, mit dem unschuldigen, kleinen Wesen angesangen habe?
Nach kurzem Umhersuchen war es' die Mutter, welche den armen, kleinen Ernst, zwischen Annas Bette und der Wand eingeklemmt fand. Das Kind war todt. In seiner Brust steckte ein Messer, dessen weißverzierter Griff aus den Falten der Nachtjacke des Kleinen Her- vorblickte.
Das Messer gehörte Anna Dormer. Sie hatte es kurz vor ihrer Abreise von Ceylon in Colombo gekauft. So stand die Thatsache.
Rachael sagte Folgendes aus: Unmittelbar nach der mitgetheilten Unterredung der Schwestern hatte sich die junge Mutter zum Schlafen zurecht gelegt und Ulse den Arni unter bem Kopfe des Kindes fortgezogen. Wie - lange sie geschlafen, wußte Rachael nicht; aber plötzlich ward sie durch ein unterdrücktes Schluchzen' des Kindes mit der bestimmten Empfindung erweckt, daß der Kleine so eben seinen letzten Seufzer 'ausgestoßen habe. Vollständig wachend im Augenblick griff sie zur Seite — das Kind war nicht da. Sie stürzte aus der Kam-