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Nr. r. Hersfeld, den 23. Januar. 18GL.
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bet der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7^ Sgr. bet den Postanstalten kommt der übliche Postausschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
dem Revisor bei dem Control-Bureau der Main- Weser-Bahn, Ferdinand Heidecker zu Kassel, zum Vorstände des statistischen Control-Bureaus zu ernennen.
Mrrstsnd auf Füchse.
(Schluß.)
Sehr vergnügt und heiter verrannen die Stunden bei perlendem Weine und dampfenden Cigarren bis zum Aufgange des Mondes, dennoch konnte die Zeit kaum erwartet werden, wo wir ausgerüstet aus dem Arsenale des nimmer rastenden Nimrod unsern Marsch antreten sollten.
Endlich trat des Mondes volle Scheibe am Horizont herauf und goß ihr Silberlicht über Berg und Thal, ihre magischen Streiflichter durch die Baumgrup- Pen werfend, deren Schattenkolose in malerischer Schönheit dem mächtigen Bilde Ausdruck liehen.
Nach einer halbstündigen Wanderung waren wir ruhig und mit aller Vorsicht in jener Gegend ange- langt, wo nach alten Erfahrungen so ziemlich ein günstiges Resultat vorauszusehen war. An einer Lehne, au deren Fuße sich' eine lange und breite Waldwiese, mit hohem Schnee bedeckt, hinzog, hatten wir ruhig und still die bestimmten Posten eingenommen.
Lautlos war's in der ganzen Natur, nur dann und wann traf der Laut der im Dorfe anschlagenden Hunde, die Stille unterbrechend, das Ohr. — Beinahe anderthalbe Stunden mochten wir so ausgeharrt haben, als ganz deutlich von -der entgegengesetzten Lehne in kurzen Pausen das heisere Klefzen eines Fuchses nach Art eines jagenden Hundes und bald darauf zu meinem größten Erstaunen das eines zweiten der rothröckigen Waldpiraten deutlich zu vernehmen war. Mit gespannter Aufmerksamkeit lauschte ich, bpr mir wohl nicht fremden, aber seltenen Töne, — da brach in voller Flucht durch das Unterholz- der jenseitigen Bestände
ein Rehbock auf die Wiese; dickt hinter ihm auf frischer Fährte ein stattlicher Fuchs und gleich darauf sein zweiter Raubgeselle. Der arme Rehbock hatte einen schlechten Weg gewählt, denn mit jedem Sprunge, den er auf der Wiese versuchte, durchbrach er mit seinen schlanken Läufen die schwache Eisdecke, bis an die Sprunggelenke in den tiefen Schnee versinkend, während Meister Reinecke mit den rauhen Pranken unangefochten seiner Beute nachzueilen vermochte, die er auch alsbald erreichte, mit einem Sprunge an der Kehle erfaßte und zu Boden riß. Auch der zweite Fuchs war inzwischen herangekommen und versuchte den Rehbock am Hintern Laufe zu fassen, erhielt aber von dem in Todesängsten schwebenden Thiere einen festen Schlag, der ihn bestimmte, sich in etwas respektvollerer Entfernung zu halten.
Wir, auf allgemeine Verabredung, blieben nur müßige Zuschauer dieser urwüchsigen Szene des Thierlebens, — jetzt aber knallte es zwei, drei, viermal, das Drama war zu Ende gespielt, — als Opfer her Nemesis deckte einer der Strolche als Leiche den Wahlplatz, währenddem der andere in der nahen Dickung das Weite suchte und leider auch fand. Der übel zu gerichtete Rehbock, der bei der Decharge wohl auch ei nige Pillen verschluckt haben mochte und sich nicht mehr aufzurichten vermochte, erhielt Genickfang, wir aber kehrten höchst zufrieden mit unserer Beute und der er lebten pittoresken L-zene in die trauliche Stube des Försters zurück, um bei der dampfenden Punschbowle allen Jägern und Waidgenossen ein ähnliches Waidmannsheil zuzutrinken. —
Einige Tage später erhielt ich die schriftliche Anzeige, daß auch der zweite Fuchs, nicht weit vom Schau ‘ platze seiner Missethat, verendet gefunden wurde.
Der LerrchLLhurm
Ballade.
In stiller Werkstatt sitzt der Meister Mit düstrem Blick und heißer Stirn.