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Nr. 2. . Hersfeld/ den 5. Januar.

1861,

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7^ Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederho­lungen mit 6 Heller berechnet.

Ein ^kbentener in VüHmexiko.

(Fortsetzung.)

Es war ungefähr um Mitternacht, als ich von ei­nem unbeschreiblichen Gefühle von Beängstigung erwachte, daS der Druck der Luft erzeugte. Diese Luft schien nicht mehr geeignet zum Athemholen und hüllte uns, gleich giftigen Dünsten, die plötzlich aufsteigen, gänzlich ein. Aus der Tiefe der Schlucht, die uns unigab, roll­ten dunkle, erstickende Dunstwogen, das vomito prie- tio oder Fieber selbst, im Nebel verkörpert. In dem­selben Augenblicke, während ich nach Luft schnappte, ließ sich eine Wolke auf mich nieder, und tausend Stiche gleich glühenden Nadeln, drangen in jeden unbedeckten Theil meines Körpers. Justinktmäßig streckte ich beide Hände aus und schloß sie wieder und zerdrückte bei dieser Bewegung Hunderte von Moskitos, deren singen­des Flügelgeräusch mich fast betäubte.

Rowlay, dessen Hängematte etwa zehn Meilen weit von der meinigen entfernt war, ließ sich alsbald ver­nehmen: ich hörte ihn stoßen, schlagen und fluchen, was unter jeden andern Umständen spaßig gewesen wäre, aber damals war die Sache zu ernst zum Lachen. Unter den Qualen der Moskitostiche und den Wirkungen durch­dringender, giftiger Dünste, die sich immermehr verdich­teten, befand ich mich in einem wahren Fieber, bald brennend vor Hitze und dann wieder zitternd vor Kälte, mit trockner Zunge, zuckenden Augenlidern und glühen­dem Kopfe.

Es fiel etwas schwer auf den Grund. Es war Rowlay, der aus seiner Matte sprang.Verdammt!" rief er aus,wo sind wir? Auf oder unter der Erde? Waren oder sind wir im Fegefeuer? ja, wir sind so gewiß darin, so gewiß, als es Schlangen in Birginien giebt. Holla, Arrieros! Pablo! Matter!"

In diesem Augenblick hörte ich einen Schrei der Angst und des Schreckens, einen Wehruf wie von einer Frau in höchster Noth und äußerster Gefahr, nur wenige Schritte von uns. Ich sprang aus meiner Hängematte und sah zwei weißgekleidete Frauengestalten an mir vorüberstürzen oder vielmehr fliegen, in herzzerreißendem Tone um Hülfe rufend. .Auf den Fersen der Flüchtigen

hüpften und sprangen mit mächtigen Sätzen drei oder vier dunkle Gestalten, die nichts Irdischem glichen. Wohl waren sie wie Menschen, aber so gräßlich und furchtbar, so übernatürlich und gespenstig, daß ihrplötz- liches Erscheinen in der finstern Schlucht selbst die kräf­tigsten Nerven erschüttern konnte. Rowlay und ich selbst standen eine Secunde wie gelähmt vor der fremdartigen Erscheinung, aber ein zweites Wehgeschrei gab uns un­sere Geistesgegenwart wieder. Eine der Frauen war entweder ausgeglitten oder aus Ermüdung niedrgesun- ken und lag'wie ein weißes Bündel auf der Erde. Jetzt stürzte Rowlay auf eines der Gespenster oder Teufel oder was sie waren und that einen furchtbaren Streich mit dem Messer auf das Ungethüm. Zur selben Zeit, ohne zu wissen wie, war ich mit.einer der Mißgestalten in Kampf gerathen, aber dieser war ungleich. Wir stie­ßen und stachen vergeblich mittlern Waffen; unsere Gegner waren gedeckt und geschützt durch eine harte stachliche Haut, welche unsere scharfen, spitzen Messer nur mühsam durchbohrten; überdies umschlangen uns - nervigte, lange Arme, die in Hände und Rägel endigten, stark und scharf wie Adlerklauen. Ich fühlte diese schrecklichen Krallen in meinen Schultern, als das Unthier mich packte und an sich drückte wie in der Umarmung eines Bären, während das halb menschliche, halb thieri- sche Antlitz mich angriuzte und murrend seine langen, scharfen, weißen Zähne zeigte, die nahe vor meinem Ge­sichte fletschten und knirschten.

Gott des Himmels, das ist schrecklich! Rowlay, hilf mir!"

Aber Rowlau, trotz seiner riesigen Stärke, war hülf- los wie ein Kind in der Umhalsung des schrecklichen Gegners. Er befand sich wenige Schritte von mir im Kampfr mit zweien, mit übermenschlicher Kraft nach sei­nem Messer ringend, das ihm entfallen war. Und wo waren unsere Maulthiertreiber all' die Zeit über? Wur­den auch sie angegriffen? Warum standen sie uns nicht bei? Die ganze Zeit? Es war keine Zeit denn es dauerte nur einige Secunden, auf einem Schauplatz nur wenige Schuh breit, beim schwachen Geflimmer der Sterne und den verkohlten Resten un­seres ziemlich entfernten Feuers.

Ho, das hat getroffen!" Ein Stoß, mit der Kraft