Hers feldcr Anzeiger.
Mp. 103» HerS feld, den 29. December. 1S6O*
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Der SylveDerahsnH.
Zwei Mönche, Cölest!uns und Sylvester,
Von einer alten Chronik so genannt, Umschlang im Kloster Hensdors fest und fester Ein früh geknüpftes zartes Freundschaftsband.
Oft überflog die dunkeln Erdruschranken Ihr Geist, und schwang sich freudig himmelwärts;
Doch jedesmal ergriff bei dem Gedanken
Der Trennung sie ein namenloser Schmerz. _
«SW unvermLivM.einem von^uö^E^-—— sprach Colestm, „dies trübe Schicksal droht, Ist, Freund, wohl unter allen Erdenleiden
Das schmerzlichste, und bitt’rer als der Tod." — Sylvester sprach: „Schlägt mir die Scheidestunde, Mein Cölestin, vereinigt bleiben wir;
Du siehst mich wieder! nimm mit Hand und Munde Hier mein Versprechen: ich erscheine Dir!"
„Ich Dir!" rief Cölestin. Von beiden Seitens Bekräftigte dies Wort ein Druck der Hand. — Sylvester ward in Klosterangelegenheiten, Vom Guardian bald d'ranf gen Prag gesandt. Betrübt sah Cölestin zur Erde nieder. — „Verlast Dich," sprach der Scheidende gerührt, Daß spätstens. der L-ylvesterabend wieder Nach kurzer Trennung uns zusammenführt."
J"^^"ger Sehnsucht, unter tiefem Trauern, ^eit dem armen Cölestin,
Lls sich das^ahp geneigt, und in den Mauern K °^rb der. Entfernte nicht erschien.
M?^ ^^ cr fonst in der Brüder Mitte Gesessen beim Sylbesterabendschmanß, Blieb leer; doch lag, nach alter Klostersitte, Auf fernem Teller dort -ein Blumenstrauß.
Und ringsum an der Tafel scholl gebührend
Von allen Zungen nur Sylvesters Lob;
Und als der Guardian nun sanft und rührend Besonders seine Frömmigkeit erhob,
Erschrak er plötzlich, seine Stimme bebte;
Denn eingehüllt in einen Dämmerschein, Wies sich ein bleiches^ Schattenbild; es schwebte ] Zur Tafel hin, und" nahm den Sessel ein.
„Sylvester! was Du mir mit Hand und Munde 2
Gelobt," sprach Cölestin, „es ist erfüllt!"
Eh' noch vom Thurm erklang die zehnte Stunde, Hatt' ihn des Todes Dunkel schon umhüllt. — —ttrrb—a£-i ;>o*»»M,un^ tM'^l,- w" bäs,vw>nWy«'«»v>MMj
In Klagen sich ergoß der Mönche Schaar, j
Kam Kunde, daß Sylvester jenen Abend
Und in derselben Stund' entschlafen war.
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Der her-enmüthrge Mfarrer.
In einer abgelegenen Gegend des Departements „des Landes“ (Frankreich) steht einsam und freundlich das Pfarrhaus, nur bewohnt von dem bejahrten Prie- ster und seiner Haushälterin. Eines Abends klopfen drei Männer von gutem Ansehen an die Thür und bitten um Aufnahme. Er läßt sie eintreten und bedauert, nur ein Bett zu besitzen, in welchem er schlafe, die Fremden müßten sich schon wegen eines Nachtlagers an das nicht ferne Wirthshaus wenden. Die Ankömmlinge zuckten die Achsel und versicherten, sie seien ganz ohne Geld. Der gutherzige Pfarrer legt drei Franken in die Hand des Zunächsistchenden und unter vielen Danksagungen entfernen sich die Gäste. —□ Eine Stunde darauf klopft es wieder. Es ist einer von den früher Dageweseuen, welcher um einen Winkel des Hauses bittet, da der Gasthof zu voll sei, um ihn auch noch zu beherbergen. Voll Mitleid spricht der Pfarrer: „Kein Winkel, mein Herr I Die Hälfte meines Bettes soll Ihnen ,zu Diensten stehen; man soll ihnen im