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Mr. 99
Hers feld, den .12 December.
1860*
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sorinabeuds.. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 74 ®gr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den vormaligen Amtsadvokaten Philipp Türk in Fulda zum Unlergerichtsanwalte bei den Justizäm- tern Neuhof, Sckwarzenfeis und Schlüchtern, mit dem Wohnsitz in Neuhof, zu bestellen.
Ein Schwarzenvörner StüÄlern.
(Aus dem in der Kocksischen Buchhandlung zu Marburg auf das Jahr 1861 erschienenen „Hessischen Kalender" abgedrnckt).
EM_hat.cL^von. jetzv zwar in.-DeiitsMind genug, gegeben, obgleich es dieser Geschöpfe eigentliches Vaterland nicht ist; doch kannte man vor langen, langen Jahren zu Schwarzenborn diese Thierklasse noch nicht. Und als nun einstmals,ein Schwarzenbörner von weiten Reisen zurückkam und erzählte, daß er in derFremde ein Thier gesehen habe, welches schwere Lasten trage lind gebirgige Gegenden, wie die Schwarzenbörner ist, -viel sicherer als ein Pferd beschreiten könne, dasselbe auch einem Pferde gar ähnlich sei, nur viel kleiner, habe dagegen sehr große Ohren, wiehere auch nicht, sondert schreie „Pah" und heiße Esel — da kannte das Erstaunen der Schwarzenbörner keine Grenze.
„Solch' einen Esel müssen mir haben", riefen sie alle miteinander. Aber wie bekommen? das war die Frage.
Jetzt legten die Bürger zn Schwarzenborn die Finger an die Nasen und gingen nachdenklich zu Bette; nachdenklich mit dem Finger an der Nase standen sie wieder auf, und Einer, den seine Frau fragte, was er Esel""" h"be, antwortete unbedenklich: „einen
Doppelt angelegen ließ sich die Frage, wie man 8 etnem Efel gelangen könne, der Bürgermeister, als ater der Stadt, tm, Kopfe herum gehen. Er legte . f b e t öe r Hände an die Nase und gieng einsam nachstilnend tm Walde umher. So aus den Weg
gar nicht achtend, kam er über die Grenzen der Stadt hinaus auf einen hohen Berg, an dessen Fuß eine Mühle stand. Auf dem Berge fand er einen Kürbiß, so er auch noch keinen gesehen hatte. Verwundert blieb er vor demselben stehen, und plötzlich fuhr ihm der Gedanke durch den Kopf: „Wie? wenn das ein Esels er wäre?"
Probiren geht über Studiren, sagt' er und setzt sich, als ein Mann der That, auf das vermeintliche Ei, um es auszubrüten. Wie er aber so recht dazu gackerte, rutschte der Kürbiß unter seinen Beinen weg und rollte den Berg hinab.
Unten in der Mühle nun hatte der Müller vor Kurzem aus fernen Landen einen Esel zum Geschenke erhalten. Der Esel lag in einem Busch am Berge, und als der Kürbiß hineingerollt kam, sprang er mit lautein Pah aus und davon. Der Bürgermeister aber dachte: „Halt, das ist der Esel, der aus meinem Ei gekrochen ist; ich habe ihn ausgebrütet!" Er lief ihm also nach und.rief;, „Komm doch, Eselcken, komm dochi Ich bin ja dein Vater!"
Der Esel sprang fort und fort, der Bürgermeister hinterdrein. Der Esel lief nach Schwarzenborn zu, in dessen Nähe die Bürger auf freiem Felde versammelt waren und sich miteinander die Köpfe zerbrachen, wie sie zu einem Esel gelangen könnten. AIs sie nun das Thier mit den langen Ohren und der Pah-Stimme da. Herspringen. sahen und der Bürgermeister hinter ihm - drein schrie: „Komm doch Eselchen, ich bin ja dein Vater !" wurden sie ohnemaßen fröhlich, fingen es auf und liebkoseten es, als chäre es ihr Kind.
Der Spaß dauerte aber nicht lange, so kam der Müller, bewies, daß der Esel ihm gehöre, nahm ihn mit und sagte dem noch immer Einwendungen machenden Bürgermeister: „wer eines Esels Vater sein wolle, müsse selber ein Esel sein",
Mit dem Esel war eS also für dasmal nichts. Dieweil nun aber die Schwarzenbörner so nahe daran gewesen waren, einen Esel zu erhalten, so brannten sie immer heftiger darauf. Sie gingen darum nie anders als in Haufen aus, einestheils um mehr Weisheit beisammen zu haben, anderntheils um sogleich ein Treib- jagen anstellen zu können, wenn sich etwa von weither