DerSselder Agzclqer.
MK. 94 > - Hers seid, den 24. November. SN®O»
De,r „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7^ Sgr. bei den Posta^stalten kommt der übliche Postanfscblag hinzu. — Anzeigen aller Art 'werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederho« ' hingen mit 6 Heller berechnet.
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den bisherigen Hofkämmerei-Controlenr Carl Heim rich Otto nunmehr provisorisch zum Hofkassen-Con- troleur und Rcchnungsführcr der Hofjagdkasse zu ernennen,
die erledigte erste Pfarrstelle an der reformirten Stadt- und Universitätskirche zu Marburg beir Pfarrer Carl Schmidt zu Nesselröden zu übertragen,
den zu der erledigten dritten ordentlichen Lehrerstelle an der Realschule zu Kassel präsentirten seitherigen fünften Lehrer an derselben, Dr. Eduard Römer, zu bestätigen,
den Marktmeister Carl Ernst R all zu Kassel zum Expedienten bei der Polizei -Direction daselbst provisorisch zu bestellen, und
dem Amiswundarzt und Geburtshelfer Dr. med. Friedrich P > stor zu Carl-Khafen auch die Ausübung der innern Heilkunde zu gestatten,
den Obergerichts-Assessor Anton S chu lth ei ß in Kassel zum Obergerichtsrath.bei dem dasigen Ober- gerichre zu bestellen,
den Billeteur, Gepäck- und Güter-Expedienten Johann Heinrich Meister auf dem Bahnhöfe zu Wabern zum Bahnhofs-Verwalter und Expedienten daselbst auf Widerruf zu ernennen, und
den Flößholz-Magazins.Verwaltcr Philipp Gran zu Kassel zu pensioniren,
dem zum Präsidenten der 1. Kammer der Landstände gewählten Abgeordneten Obervorsteher Ferd. von Schutzbar genannt Milchling und dem zum Viceprästdenten der gedachten Kammer gewählt . ten Abgeordneten Freiherrn Waitz von Eschen, sowie
dem zum Präsidenten der 2. Kammer der Land- stände gewählten Abgeordneten Obergerichtsanwalt upd Ober-Postmeister Nebel thau und dem zum Vicepräsidenten gewählten Abgeordneten Rentier Wilhelm Ziegler die landesherrliche Bestätigung zu ertheilen,
den Renierförster Wilhelm Klemme zu Wolfs- anger in gleicher Eigenschaft zum Forstreviere Rotte- breite zu versetzen.
Die Wettsehexe.
Novelle von W. L. Stricker.
(Fortsetzung und Schluß.) ;
Das Weib rief ein über das andere Mal: So ist der Alten Unrecht geschehen und wir sind schuldig I Wenn sie uns haßte, so würde sie dich nicht gerettet haben, da Dich Gott in ihre Hand gab.
„Das istsi Sie darf jetzt nicht sterben", rief er; wenn sie stirbt, so werde ich wahnsinnig! Gutmachen, was wir ihr zugefügt haben, werden wir wohl nicht können, aber doch ihre letzten Lebenstage noch erheitern und widerrufen — öffentlich widerrufen, denn das müssen wir! Und unser Kind, sie muß gefunden werden, und soll es mich Haus und Hof kosten.
Die Mutter seufzte und gestand ihr Nachforschen und dessen Erfolglosigkeit.
„Sie sind mc^t todt; sie müssen gefunden werden! Sie und Georg; kein Zweifel, daß sie beisammen sind. Wir haben eine schwere Last auf unserer Seele, Sünden und Verbrechen! Gott verzeihe mir Alles, aber ich muß rastlos sein, ehe sich das Unglück noch vergrößert!
Walburg war indessen in das Gastbett des Hauses gebracht worden, noch immer bewußtlos. Der Schulmeister und sein Weib eilten zu ihr und bewachten ihren Schlummer. Er verschob keinen Augenblick die Ausführung seines Vorsatzes, sondern erklärte vor dem versammelten Gesinde, das sich vom Erstauneir*nicht zu erholen vermochte, sein langjähriges Unrecht, und be. zeichnete die lang verfolgte Walburg als seine Lebensretterin.
Das Landvolk ist ebenso verbissen in seinem Haß, wie heftig in seiner Zuneigung. Kaum hatte der Schulmeister ausgesprochen, so war kein Auge thränenleer, und dieselben Herzen sendeten die hejßcsten Gebete für Walburg zum Himmel, die ihrer früher nur mit Flüchen gedacht hatten.
Inzwischen kam der Morgen. Im Fluge drang die Nachricht von den Begeguiss«! der letzten Nacht durch das ganze Dorf, und die halbe Gemeinde stand vor dem Hause draußen versammelt. Der Schulmeister, der außer der Wunde keinen Schaden genommen hatte,