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Mr. SS. Hersfeld, den il. November. L8GO.

Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. —'Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7^ Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postausschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und bie Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederho­lungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

den bisherigen Castellau 'int Schlöffe zu Fulda Christoph Ludovici nunmehr zum Hoffourier zu ernennen,

den bisherigenHofbau-ControlenrHeinrich Cysel nunmehr provisorisch zum Ober-Juspector des Hof­theaters zu ernennen.

Die WeLLerchexe.

Novelle von W. 8. Stricker.

(Fortsetzung.)

»Kaunr hatte sie Georg aus dem Gesicht verloren, so wendete sie sich dem Gärtchen zu.

Vor Allem mußte wenigstens ein so breiter Pfad hindurch geschaffen werden, daß zwei Personen neben einander gehen konnten, vom Geröll weg bis an die HütteUthür, und von da an wieder bis an die Moos- baist, die sich hart an die Felsen anlehnte.

Das gute Mädchen verfuhr zwar mit ängstlicher Schonung für ihre buntköpfigen kleinen Unterthanen; aber, wie es bei allen Staatsumwälzungen geht, ganz ohne Verheerungen war die Sache nicht abzumachen, und sie sammelte fogfältig alle gefallenen Opfer um sie zu einem duftenden Strauß zu binden, und ihnen so ihr Leben'wenigstens noch ein paar Tage zu verlängern.

Sie trat in die Hütte und fing an aufzuräumen, was aufzuräumen war. Dabei fuhren ihr allerlei son­derbare Gedanken in den Kopf. Wer doch gestern ge­dacht hätte, daß sie heute in ihrem eigenen Hause Wirth, schaften würde, ganz allein mit Georg — sah das nicht gerade so aus, als ob sie sein Weib wäre? Sein Weib I Das Wörtchen klang eigenthümlich heimisch in ihr Ohr, daß chr Lächeln immer heller strafte, und Lächeln und Errothen gar nicht mehr enden wollte, bis gegen Mit- fW plötzlich an der Schwelle stand, und sie über rhren Gedanken ertappte.

■ aif^’e sauber Du unser kleines Nest hergerichtet hast! rief er ihr lächelnd zu. Sind wir nicht ein paar

Raubvögel, die sich ihr Haus auf den hohen Fels ge­baut, und nun ausfliegen, ihren Brüdern zum Schrecken und Verderben? Da sieh her, was ich bringe.

Er legte drei Schneehühner auf den Tisch.

Er warf das Gewehr und die Jagdtasche weg, zog den Rock aus, und machte Feuer an. . Das Mädchen richtete indeß die,Vögel zu, und er briet sie, indem er ihr nebenbei haarklein alle Umstände beschrieb, unter welchen er zu dieser Beute gekommen war. Das ist eine kleine Jägerschwäche; aber an Clara hatte er eine aufmerksame Zuhörerin.

Endlich war er fertig.

Clara setzte sich zu Tische.

Du scheinst nicht zu wissen, sagte er lächelnd und doch mit Thränen im Auge, das; diese Mahlzeit nicht für uns allein bestimmt ist — daß wir, einen Gast ha­ben werden, vorausgesetzt, Du weisest ihn nicht zurück.

Clara erblaßte.

Doch nickt der Herr Pfarrer, der gekommen ist, um uns die Nachricht zu bringen, Deine Mutter und mein Vater haben sich versöhnt?

Sehr weit hast Du nicht gefehlt, Theuerste; erwie­derte Georg, Clara bei der Hand fassend und rasch, fast heftig zu sich ziehend. Die Zeltern wolle Gott segnen, aber es läßt sich nicht mehr thun, daß wir uns einander, gleich ihnen auf Tod und Leben hassen. Sor­gen wir daß auch uns der Segen auf unserm Lebens­wege nicht fehle, der immer nur ders-Ibe sein wird, so» wahr mir Gott helfe — wenn Du in diesem feierlichen Augenblicke nichts gegen mich einzuwenden hast...

Georg! rief Clara erschreckt.

Hast Du Muth, ein eutbehrungsvolles Leben mit mir zu theilen, so werde mein Weib! rief Georg. Ich bin hinübergegangen über den Stamm auf Schweizer Boden und habe die Hütte gesucht, wo der Seunenpa- ter, der alte Matthias, wohnt und er hat eingewilligt, uns zu trauen...

Und er ist draußen?

Georg schaute aus der Thür, und von der Moos­bank erhob sich eine stattliche Gestalt mit weißem Bart — ein Capucinermönch, welcher den Segen ertheilte, als er über die Schwelle der Hütte trat.

Das Mädchen schwieg, aber sie preßte heftig Ge-