Wp> SS» Hersfeld, den 3. November. $N®®*
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben ei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7^ ggr. bet den Postanstalten kommt der übliche Postanfschlag inzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wrederho» ringen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den Abtheilungs-Ingenieur Wilhelm Iahn in Wabern, unter Enthebung von den Functionen eines Bahnhofsvorstandes daselbst, in gleicher Eigenschaft nach Kassel zu versetzen, den ordentlichen Gymnasiallehrer Friedrich S p äugen berg zu Hersfeld in gleicher Eigenschaft an das Gstmnasium in Hanau zu versetzen.
Die Wettexhexe.
Novelle von W. L. Stricker.
(Fortsetzung.)
Das Mädchen lehnte ihr Gesicht an seine Brust, er führte sie in die Laube, und sie vergaßen der Stunden. Aber Worte der Liebe müssen in der Luft ver- hauchen, wie Duft und Klang, und sind nicht geeignet in her, Erzählung fortzuleben. Da sie sich aber endlich, wie Kinder sich Hand an Hand führend, auf den Heimweg machten,^ da lächelten sie zufrieden und glücklich, als wußten sie noch gar nicht, was Stürme des Lebens sind. Sie hatten sich Pläne gemacht in gemeinschaftlicher Berathung, Pläne für die Zukunft, die nicht fehlen konnten — die Kinder!
/ Georg begleitete das Mädchen nach Hause. Da küßten sie sich noch ein Mal und sagten sich mit Versprechungen für den nächsten Abend gute Nacht. Ge- or8 ging; er hatte aber kaum ein paar Schritte gemacht, da rief ihn Clara leise beim Namen. Er kehrte um.
g, ich kann die Thür nicht öffnen!" flüsterte das. Mädchen bange. „Ich hatte sie nur angelehnt, da ich zu Dir kam, es muß sie ein Luftzug ins Schloß geworfen haben. Aber sie kann nicht gesperrt sein, werden " von innen der Riegel vorgeschoben ~ . Ge°rg versuchte seine Kraft, aber vergeblich, die Thur blieb verschlossen.
„Sie ist gesperrt" sagte er endlich, und nun standen sie rathlos da und sahen sich an.
Das Mädchen zitterte.
„Was soll ich denn nun anfangen?" fragte sie.
Georg ging um das Haus herum, und versuchte es mit der Hinterthür — gesperrt! Als er wieder zu- rückkehrte, fiel ihm etwas Weißes auf, das auf der Steinbank vor dem Hause lag; er ging hin und hob es auf; eS war,ein Bündel. *
„Was bedeutet dies? fragte er Clara, indem er es zeigte.
Clara sah es, erbleichte, und sank auf der Schwelle nieder.
„Clara, theure Clara, was ist Dir sprich:"
Frage nicht, frage jetzt nicht. Nur so viel wisse: der Vater sagte zu mir, wenn Du noch ein einziges Wort mit dem Studentm sprichst, dann gehst Du aus meinem Hanse, wohin Du willst, hier soll kein Platz mehr für Dich sein.
Georg erschrak, denn üun war ihm Alles klar.
III.
Die Mlpenhütte.
Georg sann hin und her auf einen Ausweg, und es wollte ihm keiner einfallen. Er blieb stnmm. Clara lag auf der Schwelle und drückte den Kopf in die Hände. Endlich erhob sie sich. Sie weinte, und kein Wort der Klage ward laut.- Sie sagte: „Komm, wir wollen ge- hen!" und zog den Geliebten mit sich fort. Er trug ihr das Bündel mit den Kleidern.
Ich hatte zu wählen, zwischen Dir und ihnen, sprach jetzt Clara, und ich wähle Dich. Sie haben recht wenn sie nichts mehr von mir wissen wollen.
Wohin nun? rief Georg. O der Schwur meiiTer Mutter! Aber es ist bis aufs Aeußerste gekommen, sie muß! Komm mit mir zu meiner Mutter Haus.
Das Mädchen folgte ihm; hätte er die Welt durchwandert, sie wäre ihm gefolgt, und hätte nicht gefragt, wohin es gehe.
Die alte Walburg war wach geblieben. Sie hatte eine böse Stunde. Alle Bitterkeit des letzten Tages hatte sich in dieselbe zusammengepreßt und ihr Herz