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crsselber Anzeiger.

Wr> 8«. HerSfeld, den 27. Oktober. 18««.

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7^ Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederho­lungen mit 6 Heller berechnet.

Die Wetterhexe.

Novelle. von W. L. Stricke r. .

(Fortsetzung.)

Sie eilte aus dem Hause, ohne sich von Georg zurückhalten zu lassen, der in banger Angst im Hause zurückblteb, während sie der Nachbarhütte zustürtzte.

Dort war die Familie in der Wohnstube beisam- men, bereit, zur Feldarbeit auszuziehen.

Der Schulmeister blickte finster umher. Er hatte seine Felder durchschritten und die Verwüstung Mr letzten Nacht betrachtet, und der Schaden hatte sich als bedeutend herausgestellt.

Die Hausmutter weinte, das Gesinde verhielt sich schweigend, da es seinen Herrn mürrisch sah.

Clara zeigte ein freundliches Gesicht, und machte dabei Alles so ungeschickt, daß sie schon zwei Mal von der Mutter war ausgescholten worden.

Da ging die Thür auf, und Walburg stand hoch- aufgerichtet vor ihnen mit fliegendem Haar und wild- rollenden Augen, Ein paar Augenblicke stand sie ru­hig und schien sich an dem allgemeinen Schrecken zu er­freuen, welchen sie hier durch ihr unerwartetes Erschei­nen hervorgebracht zu haben schien; denn Alle, mit Ausnahme des Schulmeisters und Claras, flohen vor ihrem Anblicke zurück und duckten sich in einen Winkel zusammen, wie Vögel, die den Falken über sich kreisen sehen.

Clara stand bleich und zitternd da, denn sie ahnte fast den Grund dieses Besuches. Nur der Schulmei- ster stand der Alten gerade gegenüber, denn bei ihm ließ der Grimm keine Furcht anfkommeu.

Gelobt sei Jesus Christus!" rief ihnen endlich Walburg zu. Nun? Wer ein gutes Gewissen hat nur gegenüber, der antworte I

»Scher Dick hinaus, Du Hexe!" donnerte ihr der Alte entgegen, pher ich vergreife mich au Dir, und wenn ach an den Galgen müßlel

»Halt, Schulmeister, so haben wir nicht gewettet. Qder meinst Dn vielleicht, ich komme wieder, wie vor «wea wahren, um Euch das Meine anzubieten, und mir danken zu lassen, wie Ihr mir gedankt habt? Nein,

heute bin ich da, um zu fordern, und der Schuldner soll sein stille sein, wenn er nicht bezahlen kann, wie Dus nicht kannst!

Pack Dich hinaus; was hast Du von uns zu for­dern?

Was habe ich von Dir nicht zu fordern? Was hast Du mir gelassen? Stahlst Du mir nicht denFrie- ' den meines Lebens, die Liebe der Menschen, selbst das Vertrauen aüf Gott, Du Dieb! Oder bist es nicht? Hast so den Mund voll genonneu, und immer Etwas gewußt von mir, und den und Jenen in den Winkel gezogen, um ihm zu sagen: Du, die Alte ist eine Hexe! und warst so rastlos Dorf auf, Dorf ab; nun dann wenn Du was zu sagen hast, jetzt bin ich da, jetzt rede!

Du Unhold, mit Dir red ich kein Wort."

Oder ist vielleicht sonst Jemand da, der Etwas zu sagen weiß über mich? Wäret doch Alle so geschwätzig hinterm Rücken, und jetzt seid Ihr auf einmal so klein­laut, weiß niemand Etwas, außer von Hörensagen und Meinen. Und aus das Hörensagen und Meinen havt Ihr mein Alter elend gemacht, weil Ihr Gift und Geifer auf der Zunge habt, und Alles beflecken müßt, was nicht so schlecht ist, wie Ihr!"

Bist Du fertig?"

Wenn ich eine Hexe bin, warum ist Euch denn mein Sohn gut genug, daß Ihr ihn in Eure niederträchti­gen. Schlingen zieht? Ist er denn nicht mein Blut? Aber das wußtet Ihr wohl, daß mir noch Eines übrig blieb, und das mußte auch noch genommen werben. Au­ßer meinem Hause habt Ihr mir eine Hölle bereitet, nun greift Eure Hand auch noch da hinein, damit ich nirgend Ruhe habe auf Erden. Ei, wo ist sie denn, die schamlose Dirne, die der Mutter ihren Sohn raubt? Warum steht sie denn so bleich und zitternd da? Komm doch hervor, und stelle Dich her so srech wie Dein Vater!"

Alte, wahre Deine Zunge; Du lügst!" rief der Schulmeister.

Lüge ich? Nun so komme doch, Du Dirne, und sage dem Manne da, wie ich lüge. Nun, warum schweigst Du denn? Sieh sie doch an, Schulmeister; lüge ich noch? Hast Du ihn nicht in Deinen Netzen verstrickt, daß er