Einzelbild herunterladen
 

Hcrsseldcr Anzeiqcr.

MV. 84.

Hersfeld, den 20. Oktober.

1§6Oi

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7a. Sgr. bei den Postaustalren kommt der übliche Postaufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederho­lungen mit 6 Heller berechnet.

,^v«iaagaamliMMWMiffm:MgKHmnjg5CigiEwtm»wm<m3aE^^

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

den bisherigen Hofkästen-Eoutroseur Philipp Lud­wig Müller nunmehr provisorisch zum Hofkassirer zu ernennen,

dem Hofkassirer Psiilipp Ludwig Müller die Stelle eines Ordens-Schatzmeisters bei der Ordens- Kommission als Nebenstelle zu übertragen.

Die WeLtekhexe.

Novelle von W. L. Stricke r.

(Fortsetzung.)

Der armen Clara blieb die Antwort erspart, denn in diesem Augenblicke kam Georg die Straße des Dor. ses herunter, und näherte sich dem. Brunnen.

Herzliche Grüße schauten ihm entgegen, und manche Mädchenhand bot sich ihm dar. Nur'Clara stand im Hintergründe an den Brunnen gelehnt, und blickte zu Boden. Er hatte sie aber schon unter Allen bemerkt, und näherte sich ihr.

Sie lächelte und wollte ihm die Hand reichen, aber es war ihr, als ob sie den Arm nicht bewegen könnte und Purpur ergoß sich ihr über Gesicht und Nacken.

, »Nun, Clara, bekomme ich nicht einmal die Hand d" fragte er verwundert, indem er sich nabm, was sie ihm nicht gab. . '

Clara schwieg noch immer.

Was ist das? Bist Du mir böse? fragte er drin­gender.

Sie sah ihm ins Angesicht und schüttelte lächelnd den Kopf; ihre Augen waren feucht.

, , "^ haben ja denselben Weg; komm, ich will Dich vegielten.

Sie nahm d^n Krug und ging mit ihm.

» "ichs, Clara, wie Du mir vorkömmst:

5bl)se wärest, obgleich Du es nicht strebst 6rsut es Dich denn gar nicht, daß ich wieder- gekommim bin- Da ist mir ganz anders zu Muthe; seitdem ich im letzten Sommer das Dorf verließ hatte

ich nur eine einzige Freude und einen Trost in allen Widerwärtigkeiten, die Mutter wiederzusehen und Dich, und als ich gestern von ferne die Heimat erblickte, da hätte ich mir Flügel gewünscht, um nur recht bald Deine liebe Hand in der meinigen zu Halten, die Du mir nun nicht einmal gegeben hast. Kaum einen Blick hast Du mir gegönnt, und während ich nicht müde würbe, Dich anzuseheu, hast Du am Boden die Sandkörner gezählt."

Clara erwiederte ganz kleinlaut:

Ich weiß wohl, daß ich Dir habe unfreundlich scheinen müssen, und es hat mir selbst wehe gethan, wenn Du das glaubtest; aber ich weiß nicht, wie es zuging, ich habe nicht anders gekonnt. Und doch bin ich nie froh gewesen, seitdem Du abwesend warst, und es ist kein Tag vergangen, ohne daß ich nicht hundert Mal an Dich gedacht hätte. Aber am Brunnen haben die Mädchen von, Dir gesprochen, und ba ist es mir plötzlich hell und dunkel vor den Augen worden, und' es war, als ob mir die eigenen Gedanken nicht mehr gehorchen wollten; da bist Du zu mir herangetreten, und ich wußte nicht, was ich sagen oder thun sollte."

Nun wirst Du auch nicht mehr mit mir gehen wollen, und ich werde mich umsonst auf die Heimat ge­freut haben."

Ach, wenn Du wüßtest, wie wehe es mir selbst thut! Wenn ich daran denke, so verliert mir die Sonne ihren Schein, und die Bäume ihre Blüten, und es ist mir, als ob Alles um mich her verödet wäre, und die Blätter welk von den Bäumen fielen. Aber es darf ja nicht sein, denn Du wirst ja ein Geistlicher; und was würden die Leute sagen wenn Du mit einem Mäd­chen so vertraut wärest, und waS erst von mir.?"

Also das ists, und das wurde am Brunnen ver­handelt! Es ist Dir also reckt, daß ich Priester werde?

Ich freue mich, wenn ich mir denke wie Du ein­mal durch unser Torf gehen wirst, und alle Leute Dich grüßen und hoch ehren werden, denn Deine Ehre ist meine Freude."

Und wenn Clara einmal mit einem wackern Bur­schen an den Altar tritt, den weißen Kranz im Haare uni) ich meinen besten Segen..."

Sprich nicht aus, denn das ist nichts", lächelte Clara betrübt. Ich will nur ein Mal einen Kranz