Ms. 8Z. Hersfeld, den 17. Oktober. t®
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Die WeLteshexe.
Novelle von W. 8. Stricker.
(Fortsetzung.)
Als sich Georg von seinem Lager erhoben hatte und in die Wohnstube kam, schlief seine Mutter noch und im ganzen Dorfe vernahm man saunt einen Laut. Diese Zeit kam ihm gelegen, um das heimatliche Dorf zu durchwandern, und zu sehen, wie Altes so ganz gleich geblieben war, von der großen Linde, weichenden Platz vor der Kirche beschattete bis zu dem losen Balken, den der Sturm von dem Hofe des Kirchbauers halb losgerissen hatte, und bei" noch immer im Winde hin- und herschwankte.
Das Alles konnte er mit Ruhe betrachten. Waren einmal die Leute erwacht, so grüßte da ein Bekannter, dort kam ein alter Schulfreund heran; hier winkte ein Better, dort eine Bche den Wiederangekommenen ins Haus; denn auf den Studenten hatte sich das Mißtrauen und die Abneigung des Dorfes nicht erstreckt. Der gab ja einmal einen wackern Pfarrer, und ehrte sich und das Dorf.
Georg öffnete leise die Hausthür und trat ii-s Freie. Ein reiner Morgenhauch wehte ihm vom Dorfe herüber zum Gruß.
Er ging weiter und durchschritt auf dem schmalen Fußsteige den Obstanger, dessen Bäume sich unter der Fülle des Segens bogen, den der Frühling beschert hatte und der Sommer aufs üppigste gedeihen ließ. Wenige Schritte, und er stand vor dem Nachbarhause; aber ein trauriger Anblickdämpfte alsbald den Stral der Frende, der in dem Gesicht des jungen Mannes leuchtete." Auf den Saatfeldern, welche sich hinter dem Hause ausbreiteten, hatte der nächtliche Hagel große Verwüstungen angerichtet: die glatten Wogen der Aehren sahen ganz zerzaust aus, und was noch unversehrt stand, diente nur um so mehr dazu, den Anblick des Vernichteten noch trauriger
Georg blieb vor dem Hause stehen in welchem sich nichts regte, und sah z» einem Fenster hinauf. Ernste Gedanken, die das Gespräch des vorigen Abends in
erweckt hatte, tauchten aufs Neue in ihm wieder -
auf; aber klarer ruhiger, als vorher. Der frische Mor gen machte seine wohlthätigen Rechte geltend, und ver- half dem Jünglinge zu einem ruhigen Ucberblicke seiner Lage. Und in der Tljqt war diese ernst genug, und es war zum ersten Male, daß Georg dieselbe klar durchschaute.
Bis jetzt hatte er in der glücklichen Unbefangenheit, welche die Jugend, und besonders die der Studenten bezeichnet, dahingelebt. Sein Blick in _bic Zukunft hatte sich nicht über die Grenze seiner Studienjahre hinaus erstreckt, und sein einziges Streben war gewesen, den Anforderungen seines Standes zu genügen, unbekümmert, was später werden solle.
Von Kindheit auf, war er daran gewöhnt, sich für den Priesterstand bestimmt zu denken. In seiner Vor- stellnng gab es für ihn keinen andern Beruf, und er dachte daher auch an keine Wahl. Er liebte Anna^ des Schullehrers blühendes Töchterlein; dennoch war 's ihm nie eingefallen zu denken, daß seine Neigung mit seinem Beruf in Widersprnch kommen werde.
Nun aber hatten sich die Dinge geändert. Er war dieses Jahr mit den allgemeinen Studien fertig geworden und sollte sich nun einem Berufe für das Leben widmen. Gespräche mit seinen Freunden hatten ihn Blicke in die Forderungen thun lassen, welche jeder einzelne Stand an Diejenigen stellte, die sich ihm widmen. In den verdüsterten Blicken manches seiner Gefährten war ihm der Fluch des Zwanges offenbar geworden, und wenn Dieser oder Jener sagte: Nein ich kann Dieses oder Jenes nicht werden, so sagte er sich wohl manchmal im Stillen: Kann denn ich?
Aber auch jetzt noch wäre er vielleicht mit dem Leichtsinn der Jugend über diese Bedenken hinweggeeilt als ein Gespräch mit seiner Mutter ihm dieselben aufs Neue mit voller Stärke vor die Seele führte.
Die alte Frau hatte gestern mit ihm von dem Tage gesprochen, an dem er zum ersten Male dem Volke Gottes-Wort verkünden sollte;^ aber in seinem Gemüthe regte sich keine Spur von Sehnsucht nach dieser Zeit Im Gegentheile dachte er dabei an seine Anna, und war erstaunt und erschrocken, daß dieses Bild in das Gemälde das seine Mutter entwarf, nicht paffen wollte.
Es war ihm wie einem Menschen, der sein Leben