Hersfelder ANzelgcr.
srr. 81» Hersfeld, den 10. Oktober. 1860*
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den Premierlieutenant Hoen vom 1. Infanterie- l Regiment (Kurfürst) zum Hauptmann und Compag- nie-Chef im Jäger-B ataillon zu ernennen, und
61. dem Schmiedemeister Johann Heinrich Schopr- bardt zu Kassel das Prädikat „Hof-Schmiedemeister zu ertheilen,
dem Kaiserlich Königlich Oesterreichischen Major Baron von Scholley, vom 8. HusarenMegiment Kurfürst von Hessen, das Commandeurkreuz zweiter Classe mit Schwertern am Ring des Kurfürstlichen Wilhelms-Ordens zu verleihen,
den Kaufmann Werner Dresel zu Baltimore zum Kurfürstlichen Consul daselbst zu ernennen.
Die WeLterhexe.
Novelle von W. 8. Stricker.
(Fortsetzung.)
Aber es ward mir zum Fluche gewährt, denn seit dieser Zeit bin ich die Ausgestoßene in der Gemeinde, und ich habe doch nur meines Georgs wegen gebeten, daß ich ihn doch nicht ganz der Milde fremder Leute überlassen müsse."
Da ging die Thür auf, und der junge Mann, der schon den Schulmeister durch sein Erscheinen erschreckt hatte, eilte auf sie zu.
„Jesus! Georg bist Dus wirklich? rief die alte Walburg mit zitternder Stimme, wollte aufspringen und ihm entgegeneilen; aber die Kraft verließ sie, und sie blieb wie festgebannt, mit weit ausgestreckten Hän- die der junge Mann ergriff, küßte, und mit dem Rute: „Mutter, ja liebe Mutter, ich bin es!" an sein Herz druckte.
v JR? überstell ein Widerschein innerer Seligkeit die düsteren Züge der Alteu, und sie wußte nun wohl, daß sie nicht ganz verlassen dastehe.
„Ist es mir doch wie ein Messer durch alle Glieder gefahren!" sagte sie. „Aber wer hätte sich auch
gedacht, daß ich heute noch eine solche ^Freude- haben werde. Wie Du groß geworden bist! Man sollte Dich kaum mehr kennen. Wie gehts Dir? Nicht zum Besten, fürcht ich! Es wird freilich oft gefehlt haben. Armer Georg! Aber Du weißt ja, ich bin arm, und thue von Herzen gern, was ich kann.
„Aber du lieber Himmel, da sitze ich und plaudere, und Du wirst gewiß Hunger haben; gleich will ich gehen und Etwas kochen. SV, und nun mach Dirs bequem; Du bist ja wieder daheim. Du bist ja tropf- naß! Unter das Wetter bist Du gekommen, und Nicht untergestanden. Das hättest Du nicht thun sollen. Du mußt besser auf Deine Gesundheit achten — meinetwillen; denn was bliebe mir noch, wenn ich Dich nicht mehr hätte."
„Laßt nur, liebe Mutter, es hat mich noch kein Blitz getroffen, und das Bischen Regen muß ein junger Mensch nicht achten. Ich hatte nicht mehr weit nach Hause, und da ging ich dann frisch zn, und jetzt bin ich am Ziele."
„Um nur recht bald bei Deiner alten Mutter zu sein! Aber Du mußt nun schnell trockene Kleider anziehen. Was denn gleich? Willst Du einen von meinen Röcken? Aber was rede ich denn — ich weiß gar nicht wo mir der Kopf steht. Da oben in der Kammer ist noch das Gewand von Deinem seligen Vater, wart, das bring ich gleich herunter. Weißt Du, vorigen Sommer war es Dir noch zu groß, aber jetzt muß es Dir stehen wie angegossen,. so groß und stark bist Du geworden."
Sie eilte in die obere Kammer, während Geoag ihr nachfolgte.
„Wie ging es Euch die ganze Zeit, liebe Mutter? Ihr seht noch immer rüstig und gesund aus, daß sich die Männer Eurt« Alters vor Ench verstecken müßten."
„Ach, sag das nicht, denn Du siehst recht, gut ein, daß Du nicht die Wahrheit sagst. Wie wäre-es auch möglich bei dem Leben — aber nun bist Du wieder da, und nun können der Schulmeister und Die drüben machen, was sie wollen, ich lache sie nur aus."
„Arme Mutter, ich verstehe Euch. Sie lassen Euch also noch keine Ruhe."
„Ruhe? O, Du solltest sehen, wie ruhig es das