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Hersfelder Anzeiger.

Ne. T8. Hersfeld, den 29. September. 186O4

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Die WeLterhexe.

Novelle von W. 8. Stricker.

(Fortsetzung.)

»Daß die alte Walburg, seitdem ihr Mann ge­storben ist, sich immer auf den Bergen herumtreibt, da§ wan oft Wochen lang nichts von ihr hörte, wißt

Ja, sie sammelt freutet für den Apotheker, um für den Georg, der studirt, Geld zu verdienen", be­merkte Clara. .

Die Kräuter möcht ich kennen, sagte der Schulmei­ster.Wir Habens indeß auch immer geglaubt Aber - was sie anderes nebenbei gethan, das wissen wir nicht, und mögen Gott danken, daß wir es nicht wissen. Es dachte auch Niemand etwas Arges.dabei, bis ich end­lich vor zwei Jahren der Alten auf die Spur kam. Es war im Sommer; ich war auf den Wetterkegel gestie­gen, um auf der Alpe nach bcm Vieh zu sehen. AIs ich wieder herunterstieg, war es schon spät um Nach- mutag. Ich aber denke, ich will mir Bett lassen, und lieber in der Nachtkühle wandern.

Aber da sah ich auch schon Wolken über dem Wetterkegel aufsteigen, pechschwarz hinter dem kahlen Geschroffe hervor, und da wußt ich gleich, daß ein Ge­witter kommen werde. Ich machte also doppelte Schritte,' aber das Wetter auch. Es überholt mich, und ich ver- i "W» b® ist schon. finstere Nacht um mich uno Blitze zückten einer über den andern um mich herum.

fang ich an zu beten, steige aber immer gu­ten Muthes fort uub denke: ist es auch Nackt, der Hunmel steht mich doch, und mein Gebet wird lauter fern als die wilden Donnerschläge. Aber es half nichts, sondern ward nur immer ärger, und der Sturm wollte

Erdboden losreißen, und der Regen strömte "uf ein Mal ist Alles fremd um nu^, mtd ich merke daß ich den Weg verloren habe.

gebrich denn in der Verzweiflung immer so alanbt ^ ^en kriechend, und wohin

s . . -lhr daß ich gekommen bin? Auf den schwarzen & großen Fichten stehen, und wo sich jeder sch furchtet, bei wage zu bleiben, geschweige bei

Nacht. Denn bis daher hat man früher die bösen Gei­ster im Sarge heraufgetragen, die in der Nacht um- . gingen, und da ward der Sarg niedergesetzt und sie in das Geschröffe des Wetterkegels hinaufgebannt, wo sich noch umgeben müssen über den Zacken und Wänden, die nicht einmal der Wildschütz erklimmt.

Aber das wißt Ihr Alle selbst, und könnt-Euck daher denken, wie mir das Herz zitterte, und'l'HhM^X was mich die Füße trugen, um wegzukommen/ heim iurf o wieder auf den Fußsteig zu kommen, mußrLchchoH^t^« wendig über den Platz., als ich mittM, Wirirr,*> stehe, zuckt wieder ein heller Blitz auf, und W&t VMs^ / tageshell, und da seh ich kaum- zehn Schritto^Äl im^X die alte Walburg knien unter der höchsten Tasttw-M Arme weit ausgebreitet. Schon will ich sie anrufen, da zuckt es mir durch die Gedanken, als ob Gott selbst mir zugerufen hätte: Hüte Dich vor dem Weibe I Und ich strebe in einem weiten Bogen um sie hernmzukom- men, und glaube, die Kniee sinken mir ein. Als ich endlich herabkam, mehr todt als lebendig, da seid Ihr mir entgegengekommen und habt mir die vom Hagel zerschlagenen Felder gezeigt, ans welchen kein Halm mehr aufrecht stand, indeß auf die Felder der Walburch kein. Körnlein gefallen war. Da rief ich Eure Mutter und erzählte ihr Alles, und sie hat mir Recht gegeben; und seitdem mache ick ein Kreuz, wenn ich an der Hütte der Alten vorbeigehen muß."

Clara sagte nach einer Pause:

Lieber Vater, Ihr könnt Euch doch geirrt haben in der Angst und der Dunkelheit; und die alte Wal- burg hatte ja auch keinen Grund zur Feindseligkeit ge­gen uns."

Ich habe meine Augen, und was ich gesehen habe weiß ich. Freilich ist mir nichts bekannt, wodurch wir" die Alte erzürnt haben könnten, wir lebten im Gegen­theil bis dahin als gute Nachbarn neben einander. Aber da mag ich oder die Mutter leicht etwas gesagt oder gethan haben, ohne Arges dabei zu denken, was die Alte verdroß, und sie ließ sichs nicht merken, schickte aber das Gewitter über unsere Felder her."

Weiß man denn sonst gar nichts gegen sie?"

Siehst Du denn nicht, daß seitdem fast nie ein anderes Gewitter auszieht, als über den Wetterkegel,