HersLelder Anzeiger.
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Hersfeld, den 23. September.
186O4
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Deine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst gernbei:
dem Königlich Niederländischen außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister am Kurfürstlichen Hofe, Staatsrath von Scher ff, das Großkreuz des Kurfürstlichen Wilhelmsordens zu verleihen.
Die Wetterhexe.
Novelle von W. 8. Stricker.
Das Gewitter.
Es war ein Tag in der Mitte des Sommers. Nein und wolkenlos, aber schwül leuchtete er über die Thäler, und heiße Tropfen standen den Arbeitern auf der Ltirn, welche auf den Saatfeldern des Tages Mühe trugen.
Doppelt schwer war die Arbeit, und Knechte und Mädchen verstummten, aber nicht mißmnrhig. Es waren nur zufriedene Blicke, die der Arbeit flüchtig entwendet, sich zum blauen Himmel emporrichteteu, denn die eifrigen Arbeiter wußten, daß dieselben Stralen, welche die heißen Perlen auf ihre Stirn trieben, 'das Werk ihrer Hände fruchtbar machten, und jeden Tropfen mit reichem Ertrage belohnten.
Endlich kam mit dem Abend auch die heißersehnte Zeit der Rast, und ermüdet kehrten Alle, in große Gruppen geschaart, ins Dorf zurück; doch nicht, ohne etwas ängstliche ■ Blicke auf einige rabenschwarze Wolken zu werfen, die plötzlich vom Wetterkegel emportauchten, ?H^bn es gewaltige Staubwolken des dunklen Ge- schrvstes,
Dorfe'angelangt, boten sich die Nachbarn gute macht und bald waren die Gassen wie ausgestorben.
äußersten Ende des Dorfes, und von demselben durch einen Anger von Obstbäumen getrennt, lagen zwei Hütten, eine große und eine kleinere in einiger Entfernung von einander.
Treten wir in die erste dem Dorfe nähere, so finden wir die Besitzer derselben in der Wohnstube beisammen; denn i Gesinde hat noch zu schaffen in Stall, Tenne und Mur.
Der Hausväter ist ein ältlicher Manu, hochgewachsen, aber schon etwas gebeugt. Neben ihm sitzt die nicht viel jüngere Hausmutter. Im Hintergründe der Stube ist auch noch eine Mädchengestalt, die wir, obgleich der Abend noch nicht weit vorgerückt ist, nicht mehr genau betrachten können, weil sich das Tageslicht bereits au die Fenster zu flüchten beginnt.
Aber nicht das Dunkel der Nacht ists, das die Stube verdüstert, sondern der Schatten der schwarzen Wolken, die sich in Massen geballt immer höher und höher emporthürmen.
In dem Hausvater lernen wir den Schulmeister des Dorfes kennen, ein Ueberbleibsel aus der guten alten Zeit, wo es einem fleißigen Schüler bald gelingen konnte, seinem Meister au Wissen über den Kopf zu wachsen. Er lehnt sich an das schmale Fenster und sieht gespannt auf das wilde und wirre Treiben der Wolken, und lauscht ängstlich auf die sausenden Windstöße, welche die Hütte mit Staub umwirbelu und den Sand an die Fenster werfen.
„Schür Feuer im Kamin, Clara; es ist ja so dunkel, daß man kaum seine Hände sieht", sagte die Alte, indem sie ängstlich ihren Mann beobachtete.
„Gleich, Mutter", antwortete Clara, und ging in die Küche, um Kohlen zu holen. Die Mutter aber trat ans Fenster.
„Nun Klaus, meinst Du, wirds kommen?"
„Ich sag, Gott schütz uns — ich fürchte, wir werden Schutz braüchen. Ueber dem Wetterkegel steigts auf, aschgrau, pechschwarz, und zieht gerade hierher, als ob es einen schwarzen Mantel um unser Hans legen wollte. Hörst Du den Wind pfeifen, Alte? Und dann wieder Alles so dumpf und still, als wollte sich das Wetter recht zusammennehmen, und bann auf ein Mal losznschlagen auf unser Haus und Feld. Gott beschütze uns, sag id) noch ein Mal. Was denkst Du, Alte?"
„Hm, es ist keine Frage! Denk, wies vor zwei Jahren war, wie da die Wolken gerade so schwarz vom