Hcrsfelder Anzeiger.
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Hersfeld/ den 15, September.
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Eine UeSerfchweMMNng in WnsksMen.
Mitgetheilt von Karl-Friedrich Liebherr.
(Schluß.)
Meine Untersuchung war hastig, weil ich die Nothwendigkeit augenblicklicher Flucht einsah; aber so kurz sie auch war, das Wasser war doch um mehre Zoll gestiegen. Bertha zögerte und wollte das Haus nicht ohne eine genaue Nachforschung nach ihrem Kinde verlassen; aber die Gefahr wurde so groß, daß ich meine grau auf den Arm nahm und nach den schon stark bevölkerten Anhöhen zu kommen suchte.
Als ich den niedrigern Theil des Gartens erreichte, war das Wasser brusthoch, und eine gewaltige Strömung riß mir fast die Füße mit fort. Ich machte noch ein paar Schritte, mußte aber dann bekennen, daß ich nicht weiter gehen könne. '
„Theure Bertha, wir müssen umkehren", sagte ich.
Sie sprach kein Wort, als ich mit klopfendem Herzen nach dem Hause zurückging. Mit Mühe erreichten wir dasselbe. Für eine sehr kurze Zeit diente uns die Bettstelle als ein Floß und hielt uns über dem immer steigenden Wasser. Alle Schrecken der Sündflut umgaben uns, und unsere Herzen sanken, wenn wir an unser endliches Schicksal dachten. '
Die Flut stieg noch immer, und es-wurde nothwendig, irgend einen Plan zur Flucht zu entdecken und auszuführen. Wir waren in unser Haus eingekerkert unsere einzige Hoffnung lag in dem Aufhören des Stur- mes und dem dadurch erfolgende» Fallen des Wassers. Doch .jetzt war es nothwendig, uns höher zu flüchten; wie dies zu ermöglichen war, wußte ich nicht, bis Bertha auf einen glücklichen Einfall kam.
. Die Decke des Zimmers bestand aus weißem 8ik, r aewölmlich ist, wo die Arbeit die theuerste dZaare ist., Diesen zu entfernen, mußte leicht sein, und konnten wir nur die Balken erreichen, so waren wir
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Zw stellte Kasten auf Kasten, bis ich zur Decke langen konnte, in welche ich eine genügende Oeffnung
machte; dann riß ich die Blätter eines Einschlagetisches ab und legte sie quer auf die Balken. Einige Kleidungsstücke und Kissen dienten als Polster. Meine Frau kletterte fast ohne Beistand hinauf; ich reichte ihr das Kind und flüchtete mich dann selbst vor dem schnell steigenden Wasser.
Hier saßen wir nun in der Finsterniß, welche nur durch blendende Blitze erleuchtet wurde. Meine Frau umfassend, welche leise zitterte, suchte ich sie durch Worte der Hoffnung zu trösten und sprach mit Vertrauen, das ich selbst nicht fühlte, von bem Morgen.^ O wie ersehnte ich den Anbruch des Tages!
Das Wasser gurgelte unter uns wie ein Ungeheuer welches seinen Raub sucht, und da es immer höher inib höher stieg, begann ich zw fürchten, daß es uns doch von unserer Zufluchtsstätte wegschwemmen könnte.
Nach ungefähr einer Stunde, hörte der Sturm nach und nach auf, und die darauf folgende Ruhe machte das Brausen der gewaltige» Fluten, welche das ganze Thal von Gundagai füllten, ziemlich hörbar. Doch wir wußten, daß, wenn der Sturm nicht wiederkehrte, ein Fal len des Wassers bald Statt finden würde.
Plötzlich aber hörten wir ein schweres Plätschern, welches das Wasser in unserm Zimmer unter uns in heftige Bewegung brächte. Ich errieth zwar die Ursache, wollte jedoch meinem Gehör allein nicht vertrauen, sondern stand auf, entfernte einige Schindeln, und blickte durch die dadurch gemachte Oeffnung.
Meine Befürchtungen waren nur zu wohl begründet. Das nächste Haus war gänzlich verschwunden. Was dann, wenn unser eigenes Haus zerstört würde? Dieser Gedanke war so entsetzlich, daß, obgleich ich kalt und durchnäßt war, der Schweiß doch in dicken Tropfen meine Stirn bedeckte; und selbst jetzt, während ich dieses schreibe, kann ich nicht ohne peinliche Gefühle an biefe1 Stunde denken. Es ist leichter, dem Tode unter dem Einflüsse heftiger Aufregung zu begegnen, aber schwer, ihm gefangen und hülflos gegenüberzustehen — ihn kommen zu sehen und unfähig zu sein, 511 kämpfen oder zu fliehen. So war unsere Lage. ' -.
Endlich brach der Morgena» und fand uns ängstlich wachend. Als ich hinunterblickte sah ich mit einer Freude, welche meiner vorherigen Angst gleich kam,- daß