HerZfelder Anzeiger.
Mv. §O. HerSfeld, den i. September. l@6O*
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal,'Mittwochs und Sonnabends — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 71 Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Post- aufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
S e' n e Königliche Hoheit derKurfürst haben allergnädigst geruhet:
den: Oberst von Buttlar, Komnrandeur des 3. Infanterie« Regiments, und dem Oberst Riviere, Kommandeur der Landgendarmerie, das Ritterkreuz des Kurfürstlichen Wilhelms-Ordens zu verleihen, den bisher provisorisch angestellken Hofholz- und Kohlen - Magazins-Verwalter Johann Georg Rack nunmehr definitiv dazu zu ernennen. *
Herzog von WraunsHweig - Oels.
(Schluß.)
Kaum hatte der Herzog seine Aufstellung vollendet, so wurde seinen Truppen ein schrecklicher-Empfang bereitet. Zwei französische Colonnen, jede gegen zweitausend Mann stark, ein in Linie marschirendes Schützenba- taillon vor sich, von dichten Reitermassen gefolgt und von überlegener Artillerie begleitet, Farnen schnell und fest heran, um sich den Weg nach Brüssel zu öffnen. Friedrich Wilhelm befand sich sehr bald in dem Feuer einer französischen Batterie, welche seinen Husaren große Verluste brächte. Die Zeit des erfolgreichen Angriffes abwartend, hielt der Herzog vor der Fronte und rauchte gelaffen seine Pfeife.
Da erfolgte ,der Stoß der feindlichen Massen. Die ganze Brigade des Herzogs Bernhard von Weimar und der^ reckte Flügel der brannschweigschen Aufstellung ward zuruckgedrängt, in den Wald und gegen Hautaiu-le-Val seitwärts geschoben und die Franzosen machten sich -im wilden Vorwärtsstürmen Bahn auf die Gehöfte von Quatrebras. Da sprengte Friedrich Wilhelm nach fei« uen Ulanen, stellte sich an ihre Spitze und stürzte sich gestreckteil ^aufes. auf die Spitze der feindlichen Jufan- s ^er Herzog hemmte allerdings das Vordringen s ^'U^9® Minuten; diese aber wurden mit
. chjMle der angreifenden Tapfern erkauft.
f ‘ ,taö. JC1 a^ ^^l^ude Husarenregiment vorgehen o-1111"' "/^.^ .^"' Grafen von Valmy die fran- s 11 ) Kura^nerbrigade der Division L'Heritier heran
und griff das auf der Chaussee stehende erste Linien- Bataillon der Braunschweiger an. Dasselbe stand; aber., französische Artillerie fuhr in der Flanke auf und eröffnete auf diese Truppe und das seitwärts der Straße1 stehende Leibbataillon aus nächster Nähe ein heftiges Feuer. Der Herzog sah das Leibbataillon wanken und sprengte vor die Fronte desselben, um bei dem Zurückgehen der Seinigen die Ordnung aufrecht zu erhalten.
In diesem "Augenblicke kamen die Kürassiere Vgl« mys heran und suchten, trotz des im Graben der Querstraße aufgestellten 92. Regiments Hochländer durchzu- brechen. Seitwärts von der französischen Cavallerie" Masse kamen die Plänkler der Voltigenrs im Lauftritt herbei. Der Herzog; welcher seine Adjutanten versendet hatte, befand sich allein zwischen seiner Infanterie und dem andringenden Feinde... Da drehete sich sein Roß halb im Kreise und machte einen Sprung, indeß der von einer Kugel durchbohrte Herzog schwer zu Boden stürzte.
Drei - unerschrockene Männer, Külbel, Aue und Reckau vom Leibbataillon sprangen hinzu, um den gefallenen Herzog nicht in der Gewalt des Feindes zurückzu- lassen und trugen ihn auf ihren Gewehren hinter das zweite Treffen. Hier ward der Getroffene auf eine aus dem Tornister eines gefallenen Schotten entnommene Decke gelegt. Jetzt erwachte der Herzog aus seiner Bewußtlosigkeit und klagte über verzehrenden Durst. Es ward aus einem naheu Bache Wasser geholt, daS er jedoch nicht mehr Hinunterzuschlucken im Stande war. Eine dicht in der Nähe einschlagende Granate bewog , die drei Krieger, den Fürsten schleunigst wieder aufzu- nehmen und denselben nach einem der an der Straße stehenden Häuschen zu bringen. Noch ein Mal schlug Friedrich Wilhelm die Augen auf, murmelte den Namen des Commandeurs des brannschweigschen Corps, Olfer« mann, und ^verschied bald nach dem Eintreffen seiner Adjutanten und des ärztlichen Beistandes. '
Herzog Friedrich Wilhelm erfuhr nicht mehr, daß er ein Opfer des Sieges war. Die Nachricht von den: Rückzüge der Preußen bei Ligny war bereits eingelaufen, als der Herzog fiel und die Schlacht bei Quatre- bras stand bei seinem Sturz am fcblim-jmi. Dann aber rückte von den Verbündeten eine Division nach der