Sersfelbcr Anzeiger.
Nv. «§. Hersfeld, den 22. August. 1860«,
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Äiittwochs und Sonnabends — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 71 Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet. ■
Herzog von Braunschweig - Oels.
(Fortsetzung.)
Friedrich Wilhelm holte bald seine Gemalin aus Schweden zurück, dessen Klima ihr verderblich zu werden drohte und ging nach Bruchsti in Badsn, wo ihn der furchtbare Schlag treffen sollt«, seine treue, sanfte Lebensgefährtin, die kaum das sechsundzwanzigste Jahr erreicht hatte, durch den Tod zu verlieren. Muthig und voll festen Vertrauens auf das endliche Erwachen des deutschen Nationalgeistes hatte die edle Frau zwei Jahre lang geharrt, gehofft, gebetet und ihren Gatten getröstet, bis sie selbst, an einer glücklichen Wendung der Dinge verzweifelnd, an gebrochenem Herzen starb.
Friedrich Wilhelm, in die tiefste Apathie des über. Mäßigen Sckmerzes versenkt, besaß demwch Kraft ge- nug, um sich zu Mannesthaten aufzuraffen. Im Früh, jahre 1809 brach der Kampf zwischen Oesterreich und Frankreich aus, und der Herzog, welcher in Preußen eine nachhaltige Kraftentwickelung auf lange hinausgeschoben meinte, schloß sich an das Kaiserhaus Habsburg an. „ Das Anerbieten eine höbere Befehlshaber- stelle im österreichischen Heere anzunehmen schlug der Herzog aus. Er wollte in seinem eigenen Namen gegen Napoleon das Schwert ziehen.
Der Herzog erklärte, daß er in freier Werbung 1000 Retter und 150 Mann reitende Artillerie stellen werde, für welche Oesterreich die Armatur zu liefern ^^räch. Er begab sich nach Oels, dann nach Nachod in Böhmen und erließ seine begeisternden" Aufrufe an die deutsche Jugend. Brandstoffe waren in Deutsch- • ^"üge verbreitet. In Preußen gährte es
m Millionen Herzen; in Hessen stand jeden Augenblick die Erhebung des Volkes zu erwarten; in Hannover, besten tapfersten Söhne bereits auf englischem Boden
Mn™ der englisch-deutschen Legion standen, Sß?r'e Oheimen englischen Werbebureaux groß- Tyrol glühte der leidenschaftlichste Ingrimm, in Braunschweig erholte sich das Volk von bcbuni'^"b^^" Schlage und fing an die Wiederer- feb^ Md Kampflust Stämme mnCm ^Uncte d" niedergetretenen deutschen
Unter solchen Verhältnissen galt es für Friedrich Wilh 'm, als ein neuer Christian von,Braunschweig, nicht * für die Rechte einer edlen Fürstin, sondern für Vaterland, Ehre und Freiheit als rächender Held auszutreten.
1 IV.
Kaum war der Schlachtruf des Braunschweigers von Böhmen her erklungen, als ein Häuflein von Getreuen, welche es verschmähten, einem Hieronymus Bo- uaparte ihren unentehrten Degen zu weihen, sich um den Herzog sammelte. Diese heilige Schaar war klein, aber erlesen und erprobt, meist altbraunschweigsche Ost stetere, oder solche preußische Militärs, welche durch das demüthige Temporisiren, durch die scheinbar hoffnungS. lose Arbeit an der Entwickelung der innern Staatskraft Preußens unter dem Drucke des Siegers verzweifelten. Es sind hier Namen zu nennen, welche bald europäischen Klang erhalten sollten: Dörnberg, Katt, Herzberg; ' treue, tapfere, deutsche Seelen, wie Korfes, Bernewitz, Pott, die beiden Girsewalds begeisterte Jünglinge aus den Hörsälen Göttingens, wie der hochbegabte Alers, welcher in den Bergen Kataloniens den Heldentod finden sollte.
Die öffentliche und geheime Polizei Napoleons fand jedoch sehr bald Mittel, die Werbung Friedrich Wilhelms'— im Volke nurBrannschweig-Oels genannt — zu erschweren. Es war mit Lebensgefahr verbunden, den Weg zu den Fahnen des Herzogs zu suchen. Drohende Noten Napoleons überchas Treiben der-„Brigands", welche der ehemalige preußische Generallieutenant Braunschweig an der schlesischen Grenze sammele, so wie über die „völkerrechtswidrige" Bewegung in einem Vasallenstaats Preußens, in OcIS, veranlaßten die preußische Regierung wohl oder übel, sehr scharfe Maßregeln gegen das Unternehmen Friedrich Wilhelms zu verkündigen. Ausgeführt wurden diese Maßregeln jedoch nur in sehr vereinzelten Fällen.
Friedrich Wilhelm, um welchen sich das französische Netz immer fester zog, sah ein, daß seine Situtation ansing, 'bedenklich zu werden. Der tapfere Schill war in Stralsund, heldenmüthig fechtend, bereits untergegangen, und ein gleiches Schicksal war auch dem Braun, schweizer und seiner Schaar zugedacht. Da zog der