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stürzten sich die französischen Sapeurs und Fußjäger gleich Rasenden compagnicweise in den Graben vor der Batterie, kamen meist glücklich hinüber und waren mit­ten zwischen Friedrich Wilhelms Kanonen, denen es aber im entscheidenden Monent an Munition zu fehlen anfing. Die Infanterie von Braunschweig-Oels trieb die Fran­zosen mit demBayounet zurück, eroberte zwei der genom­menen Kanonen und brächte dieselben von der Bastion herab und stadteinwärts in Sicherheit.

Während das Regiment Braunschweig-Oels am Burgthore heldenmüthig rang, halten die corsicaniscben Schützen glücklich das Mühlthor forcirt. Massenweise folgten die Franzosen und ein Straßenkampf begann auf dieser Seite der Stadt. Noch immer verwehrte der Braunschweiger den Feinden die Passage der Burgstraße obgleich seine Leute massenhaft fielen. Endlich, endlich sandte Blücher, welcher die an der Trave hin ausgestell­ten Truppen theilweise herangezogen hatten, Unterstützung. AIs diese am Ende der Burgstraße auf dem Kauberge antam,’ ward sie jedoch bereits von den iu das Mühl­thor eingedrungene» französischen Massen in der Flanke angegriffen und nach einem, sich von Straße zu Straße fortziehendeu Kampfe, zuletzt gründlich geworfen. Das Regiment Friedrich Wilhelms, auf diese Weise auf der Burgstraße isolirt, ward fast völlig von den jetzt über­mächtig auftretenden Franzosen aufgerieben. Auch die Regimenter Tschammer und Owstien hatten starke Ver­luste, streckten indeß das Gewehr, als sie sich von allen Seiten umzingelt sahen.

Friedrich Wilhelm, welcher bis auf den letzten Au­genblick mit seinem Regiment kämpfte, entging nur durch einen glücklichen Zufall der Gefangenschaft und konnte sich den letzten Resten der einst so stolzen, siegessichern preußischen Armee «»schließen, welche sich aus Lübeck zurückzogen und sich bei Ratkau, in der Nähe dieser Stadt abermals sammelte».

Ungeachtet Blücher der Tapferkeit des Herzogs in seinem Schlachtberichte volle Gerechtigkeit wiederfahren ließ, so konnte man den General doch nicht von der Behauptung abbringen: daß das Regiment Braunschweig wider seinen Befehl die Kanonen von der Bastei auf die Burgstraße gebracht und dadurch die Möglichkeit des Eindringens der Franzosen veranlaßt habe. In jener stürmischen Zeit war von der Veröffentlichung einer kla­ren Darstellung des Sachverhaltes keine Rede — und der tapfere Kämpfer mußte sich daher von Tausenden von mangelhaft Unterrichteten als Denjenigen bezeichnen lassen, welcher das schwarze Schlußsiegel auf die uner­hörten Unglücksfälle der preußischen Armee gesetzt habe. Mit bem Tage von Ratkau, dem 8. November, an wel­chem Blücher mit elf Generalen, fünfhunderr achtzehn Officieren und 9500 Soldaten sich als Gefangener ergab, war dio active Armee Preußens aus der Zahl der exisii- renden Dinge hinweggetilgt.

Friedrich Wilhelm, mit der brennenden Wunde unrechtmäßig gekränkter Ehre im Herzen, entging der

Gefangenschaft, forderte seinen Abschied aus preußischem Dienste und eilte nachOtteuseu, einem Dorfe bei Altona, um hier den Vater zum letzten Male zu sprechen. Karl Wilhelm Ferdinand war bereits verschieden. Der Sohn schien an den Ort gebannt, welcher -die theuren Reste des greisen Helden^beherbergte. Der Herzog verließ Ottensen, um über Stralsund nach Stockholm zu gehen, wo die Herzogin mit den beiden Prinzen bei ihrer kö­niglichen Schwester, Friederike Dorothee Wilhelmine, ein Asyl gefunden hatte; aber der Herzog kehrte bald wieder zu dem Grabe des Vaters zurück.

Inzwischen ward über die braunscyweigischen Lande bei den Friedeusverhandlungen zu Tilsit das Loos ge­worfen. Mehr als ein deutsches Land war seinem an­gestammten Herrscber von Napoleon mit scheinbarer Uneigennützigkeit zurückgegeben worden — auch Friedrich Wilhelm hoffte, sein Recht bei dem Friedensschlüsse an­erkannt zu sehen, ohne sich vor dem Soldatenkaiser in den Staub zu werfen. Er irrte.sich. Die braunschwei- gischen Lande wurden zu dem neu errichteten Königreiche Westphalen gescklagen — der Herzog ward in demFrie- deustractat selbst nicht einmal erwähnt. (Forts. f.)

Wermis ch t e s.

— Der „Wett. Bote" schreibt: Daß die gute Stadt Lich in patriarchalischer Verfassung sich befindet, ist nicht zu verwundern, denn der Bürgermeister, der Beigeord­nete und der Stadtrechner sind Schwäger, oder We Frau Bürgermeisterin, die Frau Stadtrcchncrin und der Herr Beigeordnete sind Geschwister. Der Abdecker ist zugleich Kuhhirt und der Thurmmann Verwalter der Marktgeschäste. Am vorigen Markttag hatte sich Letzterer ein Marktstück gekauft, das er nicht wußte auf den Thurm zu bringen.

In Breisnitzgründe bei Dresden ist am Ein­gänge einer Birkenpflanzung eine Warnungstafel ange­bracht mit den Worten: Das Fortschreiten in der 6uL tur ist verboten.

Ein Bremer Kaufmann, der in einem Bade am Taunus verweilte, hatte dort einen Esel gekauft, den er seiner Frau schicken wollte. Er telegraphirte: Liebe Frau! Dein Esel kommt heute Abends mit dem Sechsuhr-Zuge, nimm ihn gut auf.

Es war im Jahr 1745, als die Preußen in Mei­ßen einzogen und die ganze Stadt in Schrecken setzten. Die Soldaten wurden einquartirt und der König Fried­rich der Große Satte auf dem Marktplatze seine Woh­nung genommen. Am frühen Morgen, als noch Alles im Schlafe lag, hörte man durch die Morgenstille die angenehmsten Töne einer Querflöte, die den: Herrn zu Ehren in der Melodie: Jesu, meine Freude rc, ein Mor»