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Hersfeld, den 8. August.

1860,.

Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends — Preis dessel­ben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 74 Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Post­aufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst gerubet:

' die Obergerichts-Referendare Herrmann Weig el und Friedrich Wilhelm Julius Müller in Cassel zu Obergerichtsanwälten daselbst zu bestellen.

Herzog von Braunschwerg-DeLs.

(Fortsetzung.)

Das war Karl Wilhelm Ferdinand, Herzog von Braunschweig/ im Jahre 1792 Generalissimums über das gegen das königsmörderische Frankreich ins Feld gestellte preußisch-österreichische Heer; der Verfasser jenes Mani­festes an die Franzosen, in welchem geschworen wurde, daß von Paris kein Stein auf dem andern bleiben solle, wenn an Ludwig XVI. oder irgend einem Mitgliede seiner Familie ein Frevel begangen werden solle. Hier lag er ausgestreckt, der Kämpfer von Valmy, der Eto- * berer von Mainz, der Gegner Morcans bei Pirmasens, der Sieger von Kaiserslautern — der unglückliche Feld­herr am unglücklichen 14. Oktober 1806, welcher blutig roth in Preußens Geschichte chit dem Worte: „Jena!" bezeichnet ist. Eine französische Flintenkugel^ welche den alten Feldherrn gleich beim Beginne der Schlacht ereilte, zerschmetterte ihm beide Augen... Und so war der ein- undsiebzigjährige Greis blind, von den unsäglichen Schmerzen gefoltert, halbsterbend, vom Saalestrande bis nach seiner öden, leeren Wtlfenburg geflohen, um sein Haupt zum Tode zu> betten.

Der alte Herzog hob die abgezehrten, knochigen Hände empor.

„Wehe mir", sagte er mit seiner durch Mark und Bein schneidenden Klagestimme; „ich verlasse Alles und bin von Allen verlassen."

„Nicht von mir, Vater!" rief der Prinz sich auf die Knie werfend.

»S& segne Dich, mein Sohn; Du mein Trost im letzten finstern Lebensaugenblicke; Du, der mein Nach­folger werden soll auf einem Throne, den ich hätte nie so gering achten sollen, um ihn für fremden.Dienst in.

die zweite Linie meiner Thätigkeit zu stellen. Wo sind die Feinde? Der französische Kaiser wird meine Sou- verainetät als deutscher Fürst nicht achten.' .Er ist ein Eroberer, unfähig des Edelmuthes, der Menschlichkeit sogar. Er hat befohlen, daß die Hauptstadt meiner Staaten dem Erdboden-gleich gemacht werde; er wird das Land als ein erobertes besetzen und hat erklärt, daß das Haus der Guelphen aufgehört habe für immer zu regieren."

„Mag er mächtig und glücklich sein, dieser korsische Abenteurer", rief der Prinz in heftigster Bewegung, „das Guelphenhaus zu. zertrümmern soll ihm nicht gelingen/ so lange noch deutsche Arme deutsche Schwerter erhe­ben können."

„Mäßige Dich, Sohn!" sagte der alte Herzog matt. „Was ist aus den Resten unserer Armee geworden? Wie viele Mannschaften hast Du bei Dir?"

„General Blücher zieht Alles, was ihm folgen kann, an sich, und sucht den Weg hinter die Niederelbe. Er­furt hat capitulirt; von den Sachsen steht kein Mann mehr gegen die Franzosen im Felde, denn Bonaparte — den Gott zermalmen möge — hat mit dem Könige von Polen Freundschaft geschlossen..."

"Und Deine Zjruppen?"

„Ich führe, die Deserteurs abgerechnet, mein Regi­ment, an welches sich Versprengte aller Art angeschlos­sen haben... Aber Davoust ist mir auf den Fersen..."

„Desto mehr Dank dem Himmel!" keuchte ver Greis. „Folge dem Beispiele Friedrich Augusts von Sachsen — ein offener Schritt zu rechter Zeit kann unser Land und uns retten.

„Ich soll vor dem Parvenu betteln? Das können Sie nicht wollen, Vater!"

„Schließe Frieden mit ihm. Du und Dein Regi­ment habt bei Jena nicht gefochten... Wenn Bonaparte in mir den preußischen Feldherrn sieht, so mag seine Rache mich allein treffen. Ich gehe dorthin, wo mich keine irdische Macht mehr schädigen kann. Es ist iwth- wendig, ich befehle es, daß Du, der Erbprinz — nach­dem Deine beiden Brüder resignirt haben — sofort die Regierung unserer Lande antrittst. Bonaparte wirv Dich schonen müssen — mag er denn mich vollends ver­nichten."