Hersfelder Anzeiger.
Mp> 58. Hersfeld, den 21. Juli. 186«.
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7j Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Post- aufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit d e r K u r f ü r st haben allergnädigst geruhet:
dem Oberappellationsgerichts-Präsidenten S ch e l lenberg, dem ObergerickMDirektor Eubemann dem Oberlandforstmeister von Lorentz und dem Geheime Justizrath Pfeiffer den Kurfürstlichen Wilhelmsorden vierter Classe zu verleihen, dem Dr. mcd. August Schmid aus Hanau die Praxis aLS Arzt, Wundarzt ir Klasse und Geburtshelfer mit dem Wohnorte Hanau zu gestatten.
Sey Spion Napoleons.
(Fortsetzung.)
S)ie Schlacht von Friedland war aber wieder einer von jenen glänzenden und vollständigen Siegen, wie sie Napoleon zu erringen gewohnt war. Er zeigte während dieser Schlacht sich zufrieden und heiter, wie er es lange nicht gewesen.
Während des Kampfes befand er sich auf einer Anhöhe am Eingänge zu einer Meierei. Von da aus überblickte er beide Armeen und konnte sie beobachten. Er war hungrig und verlangte Brot und Wein. Man ging, es ihm zu holen.
Aber ich will Bauernbrot! rief er, die Soldaten essen es gern.
Und mit einem wahrhaft soldatischen Appetit aß er von diesem Brote.
Am zweiten Tage nach der Schlacht bei Friedland folgte die Einnahme von Königsberg durch den Marschall Soult. Diese Stadt war mit Porräthen aller Art/ mit großen Reichthümern überfüllt, und sein Hafen enthielt englische, russische und preußische Schiffe, beladen mit Kriegsvorräthen, Waffen und einer beträchtlichen Menge von Colonialwaaren. Neiße, Glatz, Kosel in Schlesien gingen ebenfalls über. So fiel eine Stadt nach der andern.
Jetzt besaß der Erbe Friedrichs des Großen nichts mehr von seinem Reiche als die Stadt Memel mit ihrem Gebiet und die Festungen Graudenz und Silberberg.
Die Trümmer, des russischen Heeres aber wurden bis an den Riemen verfolgt. Die Kaisergarde war der Cavallerie der Russen, welche den Fluß bei Tilsit pas- sirte, auf den Fersen. Murat holte die Russen ein. welche die Brücke abbrannten und endlich um Frieden, baten. —
So kam denn jener vcrhängnißvolle Tag heran, an welchem Preußens Demüthigung besiegelt, Napoleons Stolz zum höchsten Triumph geführt wurde — die Tage von Tilsit, das Büudniß der bethen Kaiser.
Hier wohnte der unglückliche Friedrich Wilhelm 111., von seiner treuen Gemahlin begleitet, in einer Mühle außerhalb der Stadt, während die beiden Kaiser die Dom Riemen getrennten Stadttheile entnahmen. Die erste Zusammenkunft der beiden Kaiser geschah aus einem Flosse.
Als ich Napoleon in Tilsit besuchte, so sprach sich später der Kaiser Alexander selbst aus, betrat ich das Floß, fest entschlossen, meine Würde ihm gegenüber zu behaupten, der den König von Preußen nach meiner Ansicht mit ungerechter Gewaltthätigkeit gestürzt hatte. Ich hegte die Absicht viel zu Gunsten dieses Fürsten zu thun, aber kaum hatte ich Napoleon gesehen, kaum hatte er mit mir gesprochen, als' ich.mich für überwunden bekannte.
Die zweite Zusammenkunft fand in dem alten Ritterschlosse statt, und dann sprachen die beiden Kaiser lange 'mit einander auf einem Balkon, unter welchem eine unzählige Menschenmasse versammelt war. Während sie noch svracken, meldete man den König von Preußen dessen Schmerz und tiefen Kummer auf seinem Antlitze zu lesen war. Obwohl die Feindseligkeiten eingestellt waren, hielt man seine Staaten noch besetzt,, und seine ganze Hoffnung beruhte also auf der Großmuth des Siegers. Napoleon wurde einen Augenblick von seiner Lage gerührt und lud ihn mit der Königin zur Tafel, wobei er mit vieler Galanterie der Letzteren die Rückgabe von Schlesien znsicherte dessen Erhaltung Königin Luise vorzüglich wünschte. ~ „ , _, . „,
Das Benehmen des Kaisers tote er sich spater nichts weniger als galant gegen -die eben so liebenswürdige als unglückliche Königin zeigte, ist bekannt.