Hersselder Anzeiger.
Nr. sr.
Hersfeld/ den 18. Juli.
196®*
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 71 Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Post- aufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werven ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
dem General-Lieutenant von Haynau, Commandeur der Infanterie-Division, die Erlaubniß-zur Annahme und zum Tragen des von Seiner Majestät den: Könige von Hannover demselben verliehenen Groß- kreuzes des Guelphen-Orddns, sowie
dem Oberst-Lieutenant und Flügel-Adjutanten von Biedenfeld und dem Ober-Finauzrath von Schmerfeld die Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des von Seiner Majestät dem Könige von Hannover denselben verliehenen Ritterkreuzes des Guelphen-Ordens, und
dem Hauptmann im Leibgarde-Regiment, Freiherr:: von Verschuer, die Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des von Sr. Majestät den: Könige von Hannover demselben verliehenen GuelphewOrdeus 4r Klasse zu ertheilen;
den Kaufmann Florent van den Wouwer d'Ha- ni s zu Antwerpen zum Kurfürstlichen Consul daselbst zu ernennen; .
den Obersten von Schmid vom Kriegs-Msniste- rium mit Pension ausscheiden zu lassen,
den Oberstlieutenant Krupp vom 2. Infanterie- Regiment zum Kriegs-Ministerium zu versetzen, unter Führung desselben a la suite des genannten Regi- ments, , ■ den Feldwebel im 1. Infanterie-Regiment (Kurfürst) Georg Christian Carl Matthei zum Expeditionsge- Hülfen auf dem Bahnhöfe zu Kassel auf Wiederruf zu ernennen.
Der Spion Napoleons.
(Fortsetzung.)
, . Proclamation wurde in ganz Deutschland verbreitet und man kann sich jkeine Vorstellung von ein Eindrücke machen, den sie auf die französische Ar- Die entfernteren Corps brannten vor egwroe, in Eilmärschen dem kaiserlichen Hauptquartier
nachzurücken, und die diesen zunächststehenden vergaßen ihre Mühseligkeiten,. Leiden und Entbehrungen, und verlangten in die Schlacht geführt zu werden. Meistens verstanden sie nicht, was Napoleon sagte, so z. B. begriffen die wenigsten, wie man an der Elbe und Oder Pondichery und das Cap der guten Hoffnung wieder erobern konnte, aber sie riefen sich einander zu: der Kaiser hat es gesagt I —Sie erinnerten sich der schlachten, denen sie beigewohnt hatten, marschirten fröhlich, ohne Schuhe, und blieben oft, ohne sich zu beklagen, lange Zeit ohne hinreichende Lebensmittel. So außerordentlich war der Enthusiasmus oder vielmehr der Fanatismus, welchen Napoleon seinen Soldaten einzu- flößen wußte, nachdem er die Nothwendigkeit erkannt hatte, sie zu wecken.
Ju Warschau erhielt der Kaiser von seiner Ankunft an bis zum Ausbruchc der Feindseligkeiten gegen Rußland fortwährend neue Aufforderungen, den polnischen Thron wiederherzustellen und dem alten Reiche der Jagellouen seine ritterliche Unabhängigkeit wieder zu geben. Napoleon aber faßte, seiner Gewohnheit gemäß, sich den Ereignissen zu fügen, um desto mehr den Schein zu haben, als beherrsche er sie, vor der Hand keinen bestimmten Entschluß. Einen Theil seiner Zeit brächte er mit Vergnügungen und Festen zu; dies hinderte ihn aber nicht, mit seinem Adlerblick darüber zu wachen, daß dem Dienst im Innern wie im Aeußern kein Abbruch geschehe. Er befand sich in der Hauptstadt Polens, aber sein umfassender Geist war allgegenwärtig. Nie erschien Napoleoq größer als zu dieser Zeit. Er zeigte sich auf der Parade seinen begeisterten Soldaten, sah Fürsten bei sich, welche schüchtern um die Zurückgabe ihrer Staaten baten, hielt einen glänzenden Hof, und verfolgte seine riesigen Pläne wegen des Orients. Indessen ging sein umfassender Geist, während er sich mit wichtigen Combinationen beschäftigte, auch auf Einzelnes ein, und die Art, wie Napoleon in Warschau die Versorgung seiner Armee veranstaltete, war ein Meisterwerk der Verwaltung.
Ein anderer merkwürdiger Umstand bei den Kriegen Napoleons war, daß, mit Ausnahme der Polizei, deren Seele Fauche war, die ganze'Regierung von Frankreich sich in dem Hauptquartier des Kaisers befand. Täglich