Hersscldcr Anzeiger.
^ 55. Hersfeld, best 1L Juli. L8«O.
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Der Spion Napoleons.
. (Fortsetzung.)
Jetzt.wollen wir uns wieder in jenes chklopenar- tige Haus zurückbegeben, in welchem wir Burt in einem Zustande verlassen haben, der ihn unfähig machte Böses zu thun.
Von Tag zu'Tage wartete Burt auf die Ankunft Mörtels, aber dieser kam nicht. Burt konnte, nicht anders denken, als daß ihm ein böser Zufall zugestoßen sein müsse, da er ja Geld und werthvolle Papiere in seiner Wohnung hatte. Burt's Muthmaßung war allerdings begründet, denn gerade an jenem Tage war Mörtel festgenommen worden; und als er wieder in Folge seines Geständnisses entlassen worden, hatte Mörtel aus. Furcht, man folge ihm, um seinen Aufenthalt auszuspioniren, seine bisherige Wohnung absichtlich noch einige Tage gemieden, und üt einem der Gasthöfe der Stadt sich einquartiert.
Als er endlich in seine alte Wohnung ging, um seine Kreatur Burt aufzusuchen und von ihm neue Dienste zu beanspruchen, fand er diesen jämmerlich in Schienen geknebelt und keiner Bewegung fähig.
Doch Burt's Augen funkelten, als sein Meister nach so langer Abwesenheit wieder zu ihm eintrat.
Was ist hier vorgcfallen? fragte Mörtel.
Seht nach, Meister, entgegnete Burt untersucht 'mal jenen Schränk.
Ha, rief Mörtel erbleichend, als er den Schränk erbrochen und aufgeräumt fand. Wer hat das gethan? —
Der Jacobiner! grinste Burt.
Mortel's Gesicht nahm einen tödtlichen Ausdruck an.
Er setzte sich neben Burt, welcher ihm das inzwischen Vorgefallene erzählen mußte.
Burf, welcher alles Unheil dem Jacobiner in die Schuhe schieben wollte, erzählte den Hergang, jedoch kei- nesweges streng wahrheitsgetreu.
* Er stellte nicht Jerome, sondern Adolph als denjenigen vor, der sich des Geldes und der Papiere bemächtigt.
Mörtel sah Burt durchdringend an.
Ein Argwohn mochte in ihni aufsteigen, ob der Zu
stand Burt's von diesem nicht simulirt sei, um den Diebstahl, den er selbst ausgeführt hatte, zu bemänteln.
Aber Burt, welcher die geheimen Gedanken seines Meisters errieth, überzeugte diesen jedoch von der Wahrheit seiner Aussage. .
Wir wollen uns einen Augenblick von diesen beiden Bösewichtern himwegbegeben und unsern Blick auf eine Scene werfen, welche in dieser trostlosen Zeit der allgemeinen Verzerrung und Zerrissenheit, einen seltenen freundlichen Anblick gewährte.
In dem kleinen Zirkel der Frau Sally nämlich herrschte seit jenem entsetzlichen Tage, an welchem Clara sowohl als Adolph in der größten Todesnoth schwebten, wieder Friede und Zufriedenheit. Adolph, durch das Unglück der letzten Tage belehrt, und sich schämend der Mystification, deren Opfer er geworden, hatte sich plötzlich völlig geändert. Die Mutter war anfänglich sehr ängstlich, weil sie befürchtete, daß jene schrecklichen Scenen in Burt's Keller seinen Verstand erschüttert; aber Adolph, ihren Summer fühlend, beruhigte die Mutter.
Auch mit Adolphs Schwester war eine Veränderung vorgegangen; auch sie, Las sonst so muntere und lebenslustige Mädchen, war ernst geworden, ernster als sonst. Ihre Wangen waren bleich; auf sie hatte der Verrath Kämpf's einen unauslöschlichen Eindruck gemacht, von - dem sie sich nicht wieder zu erholen vermochte. Mit Besorgniß sah sie die Mutter an, wern sie so trauernd ' da saß. Sobald Clara merkte, dap die Mutter sie beobachtete, suchte sie sich gewaltsam emporzuraffen, sie lächelte, sie versuchte es zu scherzen, und lebensfroh zu schlickern wie ehemals, aber die Mutter erkannte nur zu gut, wie gewaltsame Anstrengungen ihre Tochter machte, um sie nicht zu betrüben.
Nur einige Mal hatte der scharfe Blick'der Mutier das Auge ihrer Tochter wieder strahlend gesehen, das war der Fall, als ihr Retter, der junge Jerome, sie besuchte, um sich nach ihrem Wohlergehen zu erkundigen.
Wie ein lang bewährter Freund des Hauses wurde der wackere junge Mann ausgenommen, und Adolph war zart und besonnen genug, auch nicht mit einer Silbe sich eine Karte Aeußerung über die Franzosen entschlüpfen zu lassen. Ich habe nicht das Recht, sagte er zu seiner Mutter, einen wackern edeln Franzosen zu kränken, der